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Zwanzig Jahre Smartphone: Smartphone: Der Weltveränderer im Taschenformat

Die ungleiche Erfolgsgeschichte des Smartphones war nicht absehbar, als Steve Jobs am 9. Januar 2007 das erste iPhone der Firma Apple vorstellte und damit eine technische und gesellschaftliche Lawine auslöste. Zum Jubiläum schildern Mitarbeiter dieser Zeitung, wie Smartphones ihr Leben geprägt haben.
Jeder in seiner eigenen digitalen Welt: Real zusammen sein schließt vor allem bei vielen Jugendlichen nicht aus, dass sie gleichzeitig virtuell unterwegs sind. Foto: Erik Reis / IKOstudio (117081395) Jeder in seiner eigenen digitalen Welt: Real zusammen sein schließt vor allem bei vielen Jugendlichen nicht aus, dass sie gleichzeitig virtuell unterwegs sind.
Haben Sie sich heute von Ihrem Smartphone wecken lassen oder damit Zeitung gelesen, Musik gehört oder waren damit im Internet? Wenn ja, befinden Sie sich in guter Gesellschaft, schließlich sind die Alleskönner allein hierzulande tägliche Begleiter von Millionen.

Chance für besseren Journalismus

Mein erstes iPhone war das iPhone 3. Bis dahin hatten mich die hohen Kosten der Vorgängermodelle geschreckt, und die Frage, ob ich ein Telefon brauche, mit dem man außer Eier kochen alles machen kann.

Smartphone-Pionier: Mit dem Nokia 9000 Communicator begann vor über 20 Jahren der Siegeszug der Smartphones. Bild-Zoom Foto: Nokia
Smartphone-Pionier: Mit dem Nokia 9000 Communicator begann vor über 20 Jahren der Siegeszug der Smartphones.
Die Frage war schnell beantwortet: Ja. Seitdem ist das iPhone (inzwischen Version 7) aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken – als mein mobiles Büro. Egal, wo ich gerade bin, der Redaktion bleibe ich nah. Per E-Mail, WhatsApp, Facebook, Twitter und auf allen möglichen Social-Media-Kanälen bin ich überall erreichbar, kann in Echtzeit Probleme lösen helfen und wenn erforderlich Entscheidungen treffen. Das iPhone hat nicht nur meine Welt verändert, es hat uns alle zusammenrücken lassen. Auch die gesamte Medienwelt hat das kleine Wunderding verändert.


Das jahrzehntelang erfolgreiche Geschäftsmodell „gedruckte Tageszeitung“ ist ins Wanken geraten. Zugleich bietet uns das iPhone die Chance für einen anderen, besseren Journalismus – nah dran an den Menschen. Joachim Braun

Die Konzentration hat gelitten
 

Wunderbares iPhone, schlimmes iPhone! Das Wunderding, das ich seit fünf Jahren habe, erleichtert meine Arbeit. Schon morgens beim Frühstück sause ich durch die Zeitungswelt, bin auch unterwegs immer bestens informiert, kann meine Artikel, so wie diesen, direkt in die Redaktion senden.

Politik in 140 Zeichen: Der baldige US-Präsident Donald Trump verbreitet seine Ansichten gerne via Twitter. Das Smartphone garantiert große Reichweite. Bild-Zoom Foto: dpa
Politik in 140 Zeichen: Der baldige US-Präsident Donald Trump verbreitet seine Ansichten gerne via Twitter. Das Smartphone garantiert große Reichweite.
Aber: Meine Konzentration beim Lesen hat gelitten, auch an freien Tagen schaue ich bestimmt 20mal rein und checke Mails. Was ich nicht tue, aber bei anderen hasse: Auch wenn Menschen im Restaurant zusammensitzen, wird von vielen ständig nach dem Ding gegriffen.


Ich denke manchmal: Mein Wissen mit über 50 sitzt, aber was passiert mit den kindlichen Gehirnen, die mit dieser Dauerablenkung aufwachsen? Werden Sie je in der Lage sein und die Geduld haben, komplexe Texte zu lesen und knifflige wissenschaftliche Aufgaben zu lösen? Dieter Sattler

Lieber telefonieren als WhatsApp

Eigentlich darf man es in unserem Beruf nicht laut sagen. Aber ich habe mein Smartphone erst seit 2015 – und es hat mein Leben nicht verändert. Natürlich nutze ich es gern beruflich, wenn ich etwa unterwegs die Nachrichten verfolge, Fotos an die Redaktion schicke oder beim Projekt „Junge Zeitung“ mit den Teilnehmern per WhatsApp Kontakt halte.

Heute genug bewegt? Fitness-Apps sind für manche ein Heilsbringer, für andere ein Sklaventreiber. Bild-Zoom
Heute genug bewegt? Fitness-Apps sind für manche ein Heilsbringer, für andere ein Sklaventreiber.
Privat jedoch telefoniere ich damit am liebsten, genau wie mit dem alten Nokia-Handy. Das liegt auch daran, dass meine Mutter, Großmutter und sogar einige meiner gleichaltrigen Freunde kein Smartphone haben. Wirklich verändert hat mein Leben dagegen der E-Book-Reader. Seitdem ich ohne Rücksicht auf den Platzmangel im Bücherregal meiner Lesesucht frönen kann, schmökere ich jeden Abend im Bett und auf jeder Bahnfahrt.


Auf mein Smartphone könnte ich eine Woche lang verzichten – auf meinen Kindle nicht. Pia Rolfs

Perfekter Partner

Bevor ich ein Smartphone hatte, dachte ich, dass ich niemals heiraten werde. Seitdem ich ein iPhone habe, bin ich überzeugt davon, niemals in den heiligen Stand der Ehe einzutreten. Warum auch? Ich habe den perfekten Partner an meiner Seite.

Ich schlafe abends neben ihm ein und wache morgens neben ihm auf. Dieser Partner weckt mich pünktlich und erzählt mir morgens alles, was ich wissen muss. Er beantwortet meine Fragen, zeigt mir den Weg in eine Pizzeria, wenn ich Hunger habe, und den in ein Fitnessstudio, wenn ich abnehmen möchte. Zur Not kann ich mit dem „Smartie“ auch mal einen Nagel in die Wand klopfen. Und es widerspricht nicht. Also, wozu noch heiraten? Nackenmassage? Vibrationsalarm! Michelle Spillner

Angst, etwas zu verpassen

Ich, ich, ich: Der Selfie-Wahn treibt gelegentlich kuriose Blüten. Bild-Zoom Foto: AFP
Ich, ich, ich: Der Selfie-Wahn treibt gelegentlich kuriose Blüten.
Ja, ich gebe zu: Mein Smartphone liegt sowohl auf dem Ess- als auch auf dem Nachttisch. Meistens jedenfalls. Alle fünf Minuten schaue ich aufs Display. Und immer habe ich Angst, etwas zu verpassen. WhatsApp hier, E-Mails da. Oder schnell mal was nachschauen.


Es gibt Tage, an denen fahre ich auf halbem Weg zur Arbeit wieder zurück, um mein vergessenes Smartphone zu holen. Es soll Menschen geben, die mich für smartphonesüchtig halten. Andere sprechen von meinem „Spielzeug“. Doch es ist mehr als das: Es ist Ratgeber, Partner, Medienzentrale, Navigator, Werkzeug. Es überbringt Glückwünsche – und leider auch Todesnachrichten. Peter Schmitt

Säuselnde Frauenstimme

Ich hatte mal einen Kinder-Wecker. Er war einem Fußball nachempfunden und hatte ein Comic-Gesicht, das stets grinsend unter einer überdimensionierten roten Plastik-Kappe hervorlugte.

Online-Quasseln: Kostenlose Messenger-Dienste sind ein Smartphone-Renner. Bild-Zoom Foto: epd
Online-Quasseln: Kostenlose Messenger-Dienste sind ein Smartphone-Renner.

Jeden Morgen riss mich sein schrilles Fiepen aus dem Schlaf. Jeden Morgen, fast 13 Jahre lang, hieb ich mit der Hand auf die Mütze, so dass sie nach unten klappte, der Lärm verstummte und ich noch fünf Minuten Halbschlaf ergaunern konnte.

Dann kam das Smartphone. Effizient, elegant, penetrant. Plötzlich hinderte mich das zarte Ticken der alten Zeiger am Einschlafen. Heute weckt mich die säuselnde Frauenstimme des kleinen, flachen Computers. Unerbittlich, bis ich traurig-wach bin und die Schlummerfunktion aus ist. Ein Erwachsenen-Wecker für die Generation Smartphone. Alexander Gottschalk

Intensivere Kontakte

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es Menschen gibt, die ihr iPhone lieben. Die spinnen doch, habe ich da noch gedacht. Mittlerweile sehe ich das anders. Liebe ist vielleicht ein wenig übertrieben, eine innige Beziehung würde ich es aber schon nennen.

Tagsüber liegt das iPhone neben mir auf dem Schreibtisch, nachts neben dem Bett. Dort hängt es am Netz, wird fit für den nächsten Tag gemacht und weckt mich am Morgen. Kurzum: Ein Leben ohne dieses kleine hübsche Gerät kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich maile, „WhatsAppe“, fotografiere, höre Musik, lese Nachrichten und schaue nach dem Wetter – nutze es aber eigentlich nur selten zum Telefonieren.

Zensiert: Apple sperrt in China die App der "New York Times" - Selbstzensur, um Geld zu verdienen. Bild-Zoom Foto: STR / EPA / REX / Shutterstock
Zensiert: Apple sperrt in China die App der "New York Times" - Selbstzensur, um Geld zu verdienen.
Dass ich immer erreichbar bin, stört mich nicht. Ich freue mich über jede Nachricht und darüber, dass ich Kontakte damit intensiver pflege als früher. Anja Petter

Von Kopf bis Fuß auf "Smartie" eingestellt

Ich gebe zu, dass ich anfangs skeptisch war – wie so oft, wenn es um technische Neuerungen geht. Man muss ja schließlich nicht jeder Sau durchs Dorf hinterherrennen. Gerade eben hatten wir uns noch darüber unterhalten, dass die Handys immer kleiner wurden (was ich übrigens gut fand), da sollte ich plötzlich ein viel größeres, klobigeres Handtelefon am Körper unterbringen. Doch meine Neugier überstieg alsbald meine Skepsis und beim nächsten Upgrade meines Netzanbieters stieg ich aufs iPhone um.

Und siehe da: Ich hatte mal wieder nicht recht gehabt. Innerhalb kürzester Zeit wurde mein „Smartie“ zu einem kleinen Alleskönner. Die Uhr am Handgelenk, der Radiowecker neben dem Bett, die Fotokamera im Rucksack, Zettel und Stift für kürze Notizen, die Karten für die Patience – alles Steinzeit. Wecken, fotografieren, erinnern und Karten geben, das macht jetzt alles mein Smartphone. Marc Kolbe

"Wischkästle" für Forrest Gump

Wahrscheinlich bin ich beim Smartphone eine Art Forrest Gump – also eine reine Törin. So wie er nicht wirklich kapierte, wie „irgendwas mit Obst“ – in Wahrheit seine Apple-Aktien – ihn reich machten, begreife ich allenfalls in Ansätzen, was mein iPhone alles kann.

Und so wie Forrest Gump ist mir das vollkommen egal. Fotos in Echtzeit für meine mehr als 300 Kilometer entfernte Mom machen mich – und sie – glücklich; erst recht, weil sie mit 86 beschloss, smart zu werden. Internet in der Hosentasche ist einfach genial. Aber wenn morgens und abends in der S-Bahn alle um mich herum in ihre „Wischkästla“ starren, denke ich: Irgendwas läuft hier maximal schief. Cornelie Barthelme

Info-Junkie erliegt dem Reiz der analogen Welt

Man soll ja nicht ständig von früher reden, aber diese Zeitungs- und Bücherleser in der Straßenbahn oder im Zug hatten noch Stil. Und wie praktisch: Man erkannte an der Lektüre, mit wem man es zu tun hatte.

Apple-Chef Steve Jobs präsentierte am 9. Januar 2007 das erste iPhone. Es stellte damals eine Revolution der Mobiltelefonbranche dar und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.
Vor zehn Jahren stellte Steve Jobs das erste iPhone vor Als Apple die Welt revolutionierte

Vor zehn Jahren stellte Apple das erste iPhone vor. Damals konnte sich kaum jemand vorstellen, dass Marktführer wie Nokia von der Bühne verschwinden würden. Das iPhone fasziniert noch immer die Massen, auch wenn Kritiker inzwischen Innovationen von Apple vermissen.

clearing

Dann änderte sich das Bild, nach und nach glotzte alles nur noch aufs Smartphone. Das Smartphone demokratisierte und egalisierte die Außenwirkung: Klug sieht beim Starren aufs Display allerdings niemand mehr aus. Alle halten untertanenmäßig das Haupt gesenkt. Oft genug steht der Mund offen. Erbärmlich ist das. Und stillos.

Seit ich Smartphones nutze, die Seiten in weniger als zwei Minuten anzeigen, gehöre ich selbst zu dieser Brut: heavy User, schwerstabhängig, Info-Junkie vom ersten Griff nach dem Aufwachen bis zum letzten nach dem Lichtausschalten am Abend. Im Ausland, wo Daten teuer sind, leide ich still, bis ich endlich ein offenes WLAN finde.

Klar, lesen bildet, auch auf dem Smartphone. Was noch mehr bildete: den Blick schweifen lassen, Mitmenschen beobachten, die Welt spüren. Aus erster Hand. Thomas Kurtenbach

Einfach mal ausschalten

Haaaach, war die Zeit schön, als man in der Kneipe noch zusammensaß und sich unterhielt, über dies und jenes schimpfte oder sich wildeste Geschichten erzählte – zumindest kommunizierte. Jetzt sitzt man manchmal mit vier oder fünf Gesellen an einem Tisch, und im Dunkel des Schankraums geistern blaue Lichtreflexe über ihre Gesichter, lassen sie wie von den Toten auferstanden aussehen.

Von Zeit zu Zeit bekommt man ein unterbelichtetes Foto auf dem Display gezeigt oder einen Wunder wie witzigen Film. Jaja, nur mal kurz Facebook checken. Gleich – nur eben was in WhatsApp verschicken. Untoten gleich hacken diese kommunikativ massiv Beeinträchtigten auf ihren Tasten herum, um bloß nichts im Leben zu verpassen – derweil sie das echte, pralle Leben nicht wahrnehmen im Rausch der Technik.

Klar ist ein Smartphone gut – wenn man damit umgehen kann. Und dazu gehört: auch mal ausschalten. Holger Vonhof


 



 

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