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So läuft die Altersbestimmung ab

Das Jugendamt Frankfurt hat im Mai 2016 das Alter des jungen Afghanen bestimmt, der nun in Kandel (Rheinland-Pfalz) seine 15-jährige Ex-Freundin getötet haben soll. Die Methode damals: Inaugenscheinnahme. Über das Alter des jungen Mannes gibt es nun eine Kontroverse. Der Vater des Mädchens bezweifelt, dass der Flüchtling minderjährig ist. Reicht die bisherige Altersfeststellung aus, und warum finden Alterstests per Röntgen der Hand so selten Anwendung? Diese werden von Experten als einigermaßen zuverlässig eingeschätzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Minderjährige Flüchtlinge gehen in einem Kinder- und Jugendhilfezentrum in Karlsruhe über einen Flur. Über die Altersbestimmung der Jugendlichen, die keinen Pass bei sich haben, ist nach der Bluttat von Kandel eine Kontroverse entbrannt. Archivfoto: dpa Foto: Uli Deck (dpa) Minderjährige Flüchtlinge gehen in einem Kinder- und Jugendhilfezentrum in Karlsruhe über einen Flur. Über die Altersbestimmung der Jugendlichen, die keinen Pass bei sich haben, ist nach der Bluttat von Kandel eine Kontroverse entbrannt. Archivfoto: dpa

Welche Standards im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern gibt es in Frankfurt?

Das Jugend- und Sozialamt Frankfurt arbeitet nach den gesetzlichen Bestimmung des Sozialgesetzbuchs VIII (SGB VIII). Es verpflichtet die Behörde, ein ausländisches Kind oder einen ausländischen Jugendlichen vorläufig in Obhut zu nehmen, sobald dessen unbegleitete Einreise nach Deutschland festgestellt wird. Viele Flüchtlinge haben keine Pässe dabei, so dass ihr Alter ungewiss ist. Wird dem Jugend- und Sozialamt ein mutmaßlich „unbegleiteter minderjähriger Ausländer“ – von den Behörden „Uma“ abgekürzt – überstellt, führen zwei „erfahrene Sozialarbeiter“ mit Hilfe eines Dolmetschers ein Gespräch mit ihm. Bei dieser „qualifizierten Inaugenscheinnahme“ werde das Alter eingeschätzt, sagt Inge Büttner vom Jugend- und Sozialamt. Die Inhalte des Gesprächs und die Ergebnisse werden „in einem mehrseitigen standardisierten Formular“ dokumentiert.

Wie genau geht das Jugendamt bei der „qualifizierten Inaugenscheinnahme“ vor?

„In diesem Gespräch verschaffen sich die Fachkräfte einen umfassenden Gesamteindruck“, erläutert Büttner. „Neben dem äußeren Erscheinungsbild und den eigenen Angaben zum Alter werden die in dem Gespräch gewonnenen Informationen, insbesondere zum Entwicklungsstand, Schulbesuch, Fluchtweg, und biografische Daten bewertet und auf Plausibilität geprüft.“ Auf dieser Grundlage werde das Alter eingeschätzt und festgelegt. Die erste ärztliche Untersuchung des Flüchtlings habe nichts mit der Altersfeststellung zu tun, so Büttner. Sie erfolgt während der vorläufigen Inobhutnahme und vor der bundesweiten Verlegung. Voraussetzung für die Verlegung ist, das der Flüchtling keine ansteckenden Krankheiten hat.

Findet das Röntgen der Hand in Frankfurt Anwendung, um das Alter festzustellen?

Das Röntgen der Hand findet in Frankfurt nicht regelmäßig statt, da dies Bestandteil der „medizinischen Altersfeststellung“ ist. Der Gesetzgeber hat geregelt, dass eine medizinische Altersfeststellung nur in Zweifelsfällen oder auf Antrag des Betroffenen oder seines Vertreters durchzuführen ist. „Eine klare Feststellung des tatsächlichen Alters ist auch durch medizinische Verfahren nicht möglich“, sagt Büttner. „Die Abweichung bei der Röntgendiagnostik beträgt zum Beispiel zwei bis drei Jahre nach oben und nach unten.“

Wie lange dauert eine Altersfeststellung?

Das Erstgespräch mit der Altersfeststellung dauert etwa ein bis zwei Stunden, gegebenenfalls auch länger. Die Dauer hängt davon ab, wie komplex die Sachlage ist und wie schnell sich die Fachkräfte einen umfassenden Eindruck verschaffen können.

Was kommt danach?

Sofern der junge Mensch minderjährig ist, wird er durch das Jugendamt vorläufig in Obhut genommen und in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht. Ein als volljährig eingeschätzter Ausländer wird zur hessischen Erstaufnahmeeinrichtung nach Gießen gebracht. Minderjährige, die keine Eltern dabei haben, sollen innerhalb eines Monats nach einem bestimmten Schlüssel in Deutschland verteilt werden, sofern „das Wohl des jungen Menschen nicht durch eine Verteilung gefährdet“ würde. Das könnte eine Krankheit oder eine mögliche Familienzusammenführung sein.

Gibt es nach dem Vorfall in Kandel bereits andere Anweisungen zur Altersfeststellung?

„Nein, das Jugend- und Sozialamt Frankfurt handelt gemäß den gesetzlichen Vorgaben des SGB VIII“, sagt Büttner.

Ist eine Inaugenscheinnahme ausreichend, um das Alters zweifelsfrei festzustellen?

„Alterseinschätzungen von minderjährigen Flüchtlingen sind schon immer ein umstrittenes Thema“, sagt Büttner. „Es gibt keine Möglichkeit, das Alter zweifelsfrei festzustellen.“ Dies sei weder durch eine medizinische Untersuchung, noch durch die Inaugenscheinnahme machbar.

dfg f dgh tg

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