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Interview zu Steve Bannon: So schätzt Frankfurter Amerikanistik-Professor den Rechtspopulismus in den USA ein

Auch mit dem Rauswurf Bannons sei die rechtspopulistische Bewegung in den USA noch lange nicht am Ende, sagt Johannes Völz, Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt, im Gespräch mit Redakteurin Wiebke Rannenberg.
Foto: dpa

Steve Bannon, ehemaliger Wahlkampfmanager, Berater und enger Vertrauter von Donald Trump, hat nicht nur die Gunst des Präsidenten verloren, sondern jetzt auch seinen Posten als Herausgeber des rechten Online-Portals „Breitbart News“. Wieso lassen erst Trump und nun auch die Financiers von Breitbart, die Milliardärsfamilie Mercer, ihn fallen?

JOHANNES VÖLZ: Steve Bannon ist zu weit gegangen, er hat sich und seinen Einfluss überschätzt. Die harsche Kritik an Trumps Kindern Don Jr. und Ivanka in Michael Wolffs Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ konnte der Präsident ihm nicht verzeihen. Bannons Äußerungen sind allerdings nur der Tropfen auf den heißen Stein.

Johannes Völz, Bild-Zoom
Johannes Völz,

Bannon wurde zuletzt auch verantwortlich gemacht für die krachende Niederlage der Republikaner im Rennen um den offenen Senatssitz in Alabama. Er unterstützte den rechtspopulistischen Kandidaten Roy Moore trotz zahlreicher Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und zwang damit die republikanische Partei, ihre ursprüngliche Distanz zu Moore aufzugeben. Das war ein gefährliches Wagnis, das letztlich zu seinem Rauswurf bei Breitbart geführt hat.

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Kann der Fall Bannons auch eine gute Nachricht für die sein, die in Trumps Extremismus eine Gefahr sehen? Ist die schleichende Entfremdung von Bannon ein Zeichen dafür, dass Trump gemäßigter wird?

VÖLZ: Man sollte nicht in die Falle tappen, amerikanische Politik zu sehr an Einzelpersonen festzumachen. Politik als Reality Show: Das ist ja gerade das Prinzip Trump. Durch den Rauswurf Bannons ist die rechtspopulistische Bewegung noch lange nicht am Ende. Man kann das ja auch als Zeichen der Stärke von Breitbart verstehen – die Plattform glaubt offenbar, Bannon nicht mehr zu brauchen. Bezeichnenderweise hat Trump seinen Bruch mit Bannon damit verbunden, seiner populistischen Basis die Treue zu versichern. Zugleich bleibt Trump unberechenbar. Just in dem Moment, in dem Bannon – auf Betreiben des Weißen Hauses – bei Breitbart gefeuert wird, signalisiert Trump, er sei bereit, undokumentierten Einwanderern den Weg zur Staatsbürgerschaft zu ermöglichen. Das wirkt zwar auf den ersten Blick wie ein Schritt in die politische Mitte – ist aber auch ein Verhandlungspfand im Kampf mit dem Kongress um die Finanzierung der Mauer zu Mexiko.

Hat Bannon eigene Pläne?

VÖLZ: Bannon scheint sich an sein Amt bei Breitbart geklammert zu haben. Von einem Plan B oder gar einer heimlichen Strategie ist wenig zu erkennen. Aber egal, ob er irgendwann auf die große Bühne zurückkehrt: Sein Fall zeigt, wie eng in den USA politischer Einfluss an die Gunst von Geldgebern gebunden ist.

Und was heißt das für die republikanische Partei? Dort waren ja längst nicht alle einverstanden mit Bannons rechtskonservativem und rechtspopulistischem Kurs.

VÖLZ: Die etablierten Republikaner sind größtenteils durchaus rechtskonservativ, nur eben nicht auf gleiche Weise populistisch. Sie jedenfalls fühlen sich momentan im Aufwind. Trump auf der anderen Seite weiß, dass er seine rechtspopulistische Basis weiter bedienen muss. Sollte sich der populistische Furor erschöpft haben, wäre wahrscheinlich auch Trump am Ende, denn die Rolle des staatstragenden Präsidenten kann er nicht ausfüllen. Davon sind wir aber ein gutes Stück entfernt.

 

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