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Am 31. Mai: Sozialwahl: Kandidaten erklären, warum sie sich engagieren

Von Der 31. Mai ist der Stichtag für die Sozialwahl 2017. Warum ist das für die Versicherten wichtig? Zwei Kandidaten erklären, über welche gewaltigen Summen die gewählten Parlamente mitbestimmen.
Bettina Stiefel und Dieter F. Märtens kandidieren bei der Sozialwahl. Es ist ein ehrenamtliches Engagement mit großem Gewicht. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Bettina Stiefel und Dieter F. Märtens kandidieren bei der Sozialwahl. Es ist ein ehrenamtliches Engagement mit großem Gewicht.
Frankfurt. 

Es ist die drittgrößte Wahl in der Bundesrepublik, doch sie findet selten den Weg in die Öffentlichkeit. Die Rede ist von der Sozialwahl 2017, für die am 31. Mai der sogenannte Stichtag ist. Damit ist der Tag gemeint, an denen die Briefwahlunterlagen bei der Rentenversicherung und bei den jeweiligen Krankenkassen eingegangen sein müssen.

Info: So funktioniert die Sozialwahl

Die gesetzlichen Sozialversicherungen sind selbstverwaltet. Das heißt , sie sind keine staatlichen Behörden, sondern eigenständige Körperschaften und haben deshalb auch ihre eigenen Parlamente.

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Über 51 Millionen Versicherte und Rentenempfänger in Deutschland entscheiden bei der Sozialwahl darüber, wer bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Rentenversicherung Saarland und bei den Ersatzkassen der gesetzlichen Krankenversicherung das Sagen hat. Sie wählen die Parlamente der Körperschaften und die Verwaltungsräte.

Der Offenbacher Dieter F. Märtens ist einer der Kandidaten, der bei der Sozialwahl antritt. Er kandidiert für die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund, und zwar auf der Liste der TK-Gemeinschaft (Techniker Krankenkasse). Für die Interessen der Versicherten einzutreten, heißt für ihn, da aktiv zu sein, wo es „ans Eingemachte“ geht. Märtens sagt: „Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat den zweitgrößten öffentlichen Haushalt in Deutschland. Die Selbstverwaltung beschließt ihn, entscheidet also ganz elementar über die Finanzen mit.“ Bei solchen Summen müssten die Versicherten mitreden können.

Märtens hat viele Aufgaben. So ist er zum Beispiel Mitglied des Vorstandes und des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, Vorsitzender des Verwaltungsrats der TK, Mitglied im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes sowie Vorsitzender des Verwaltungsrates des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkasse.

Bei dieser Aufzählung wird klar: Dieses Engagement ist nicht in wenigen Wochenstunden zu schaffen. „Eigentlich habe ich einen Fulltime-Job. Gut, dass ich Rentner bin, sonst ginge das gar nicht“, so Märtens.

Einfluss auf Leistungen

Das weiß auch Bettina Stiefel. Die Dietzenbacherin kandidiert bei den Sozialwahlen für die Gewerkschaft der Sozialversicherungen für die Rentenversicherung Bund. Die freigestellte Personalrätin ist sich darüber bewusst, dass die Sozialwahlen bei vielen Menschen noch unbekannt sind. Die Vertreterversammlungen, die bei den Sozialwahlen gewählt wird, seien aber ein äußerst wichtiges Gremium ist. Den dort werde mit über den zweitgrößten Bundeshaushalt entschieden.

Konkret hätte die gewählte Vertreterversammlung zum Beispiel Einfluss auf den Umfang von Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen der Versicherten und welche Leistungen letztlich befürwortet werden.

Trotz der Bedeutung der Wahl fällt es nach Auskunft von Märtens schwer, Kandidaten für die Sozialwahl zu finden. Er führt das darauf zurück, dass es viele Unternehmen ihren Mitarbeitern nicht unbedingt einfach machten, ehrenamtlich tätig zu sein. „Wer im Betrieb Karriere machen möchte, der hält sich bei der Annahme eines Ehrenamtes lieber zurück“, sagt Märtens.

Seine erste Erfahrungen mit der Selbstverwaltung gehen auf das Jahr 1959 zurück, als er Student an der Bau- und Ingenieurschule in Bremen war. Damals engagierte er sich in der Studentenvertretung Asta und in den Ingenieur- und Techniker Verbänden. Später, als Diplom-Ingenieur für Schiffbau, arbeitete er im ehrenamtlichen Vorstand der Techniker Krankenkasse.

Irgendwann kam bei Märtens auch noch das Engagement für die Versicherten und Rentner der Deutschen Rentenversicherung Bund hinzu. Der „Selbstverwalter“ stellt fest: „Wer einmal damit angefangen hat, sich um die Probleme und Rechte von Menschen zu kümmern und sich mit gesellschaftspolitischen Themen zu beschäftigen, der hört nicht mehr auf“.

Seine politische Überzeugungen haben ihm laut eigenem Bekunden dabei geholfen, so lange Jahre bei der Selbstverwaltung am Ball zu bleiben. Märtens ist nämlich der Auffassung, dass Herausforderungen in den sozialen Sicherungssystemen nur durch die aktive Mitwirkung der unmittelbar Betroffenen gelöst werden können.

Im Austausch mit den Versicherten sieht sich Märtens in der Rolle des „Kümmerer“ und des Vermittlers. So hält er es für unerlässlich sich mit der Verwaltung der Träger auseinander zu setzen, damit Bescheide nicht nur juristisch hieb- und stichfest sind und so den Ansprüchen der Verwaltung genügen. Sie müssten auch so formuliert sein, dass der Versicherte sie auch wirklich versteht.

Auf Mängel hinweisen

Märtens ist es darüber hinaus wichtig, dass die Krankenkasse sich mehr um ihre Kunden kümmerten. Zum Beispiel, indem die elektronische Erreichbarkeit ausgedehnt werde. „Denn schließlich ist die Betreuung vor Ort wichtig für die Versicherten“, sagt Märtens. Er kann sich besonders für organisationspolitische Fragestellungen begeistern, wie sie in den Fachausschüssen oder im Verwaltungsrat der TK sowie in den Ausschüssen der Deutschen Rentenversicherung beraten werden. Hierbei kommen ihm seine berufliche und seine Lebenserfahrung zugute.

Ein Beispiel: Die Versichertenkarte der Krankenkasse, mit der Patienten beim Arztbesuch nachweisen, dass sie krankenversichert sind. Auch hier ging es Märtens darum, sich für die Versicherten stark zu machen: Die Daten des Versicherten müssten entsprechend geschützt sein, damit sie kein Unbefugter nutzen kann. „Gerade bei politischen Fragen sind unsere Möglichkeiten der Mitsprache vielleicht begrenzt – doch wir können den Finger in die Wunde legen“, weiß Märtens aus Erfahrung.

Eine wirkliche Herzensanliegen ist Märtens die Mitwirkung in einem Widerspruchsausschuss der Deutschen Rentenversicherung Bund. Hier gehe es um Einzelfallgerechtigkeit. Außerdem wirke dort die Arbeit der Selbstverwaltung direkt in ein einzelnes Versicherungsverhältnis hinein. „Mehr Versichertennähe geht beinahe nicht“, sagt er.

Über 40 Jahre ist Märtens mittlerweile in der Selbstverwaltung aktiv. 2013 wurde ihm für sein ehrenamtliches Engagement in der gesetzlichen Sozialversicherung von Bundespräsident Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen.

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