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Frager-Team am Sonntagabend verbiss sich in viel zu wenige Themen: TV-Duell von Merkel und Schulz: Nichts funkelt, nichts strahlt

Von Falls jedes Land die Politiker hat, die es verdient, dann könnte Deutschland sich nach dem behaupteten Fernsehduell ein paar Gedanken machen. Falls dasselbe für TV-Journalisten und Wähler gilt, aber auch.
Queen Angie? Ein Kronleuchter krönt das Haupt der Kanzlerin während des TV-Duells. Und auch das nicht die reale Angela Merkel, sondern nur auf einem Bildschirm, vor dem besagte Lampe hängt. Foto: dpahängt am 03.09.2017 in Berlin in den Fernsehstudios in Adlershof beim TV-Duell von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) , wobei Merkel auf einem Bildschirm zu sehen ist. Foto: Kay Nietfeld (dpa) Queen Angie? Ein Kronleuchter krönt das Haupt der Kanzlerin während des TV-Duells. Und auch das nicht die reale Angela Merkel, sondern nur auf einem Bildschirm, vor dem besagte Lampe hängt. Foto: dpahängt am 03.09.2017 in Berlin in den Fernsehstudios in Adlershof beim TV-Duell von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) , wobei Merkel auf einem Bildschirm zu sehen ist.
Berlin. 

Das Foto des Abends, Betonung auf „das“, gelingt der Deutschen Presseagentur. Es zeigt Angela Merkel nach dem sogenannten Duell bei ihren Unterstützern im Studio H. Dorthin waren die Unionisten gekommen, um den Journalisten – so es nötig werden würde – einzureden, dass sich alles vollkommen anders verhält als sie es 90 Minuten lang hören und sehen und verstehen. Selbstverständlich hatten sich auch die Schulz-Fans eingefunden und selbstverständlich mit exakt demselben Plan. Von der Decke des in tiefes Schwarz getauchten Studios hängen an High-Tech-Metallbrücken goldene Kronleuchter, eine etwas schräge Kombination. Noch schräger ist nur das Foto von der Kanzlerin unter einem der Lüster. Es sieht aus, als sei das mit der Königin Angela von Deutschland doch nicht nur Ironie.

In die Knie gegangen

Das Bild passt deswegen so gut, weil vom angekündigten Duell nichts zu sehen gewesen ist. An Schulz lag das eher nicht; er hat ein paarmal zumindest versucht, die Kanzlerin in den Zweikampf zu zwingen. Die Moderatoren aber sind vor Majestät Merkel in die Knie gegangen. Haben sie viel seltener unterbrochen als ihn, erst recht sind sie ihr – außer Claus Strunz, dem Mann von Sat 1 – niemals auch nur ein bisschen aufreizend gekommen oder gar verwegen. Als wäre Provokation eine, ja, Majestätsbeleidigung. Mit Strunz aber ist das Problem, dass er zugunsten seiner Angriffslust die exakte Vorbereitung vernachlässigte. Ein sinnentstellend gekürztes Zitat, eine falsche Zahl – und vorbei. Schneller als er hat sich selten einer diskreditiert als reiner Provokateur und, mindestens, Tendenz-Populist.

Spannungskiller-Kollektiv

Ganz im Allgemeinen stellt sich mit zunehmender Dauer der Aufführung eine Ermüdung beim Publikum ein – im Studio und, wie man später hört, auch auf den heimischen Sofas. Zumal sich das Frager-Team in viel zu wenige Themen verbeißt und zuverlässig als Spannungskiller-Kollektiv versteht. Wie hübsch hätte es werden können, hätte die Kanzlerin sofort reagieren müssen auf den Plan ihres Herausforderers, für das Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu sorgen. So beträgt Merkels Reaktionsmoment am Ende ein sattes Viertelstündchen. Bis dahin hat sie sich eine Schulz-Coverversion überlegt. Ein bisschen billig, das spüren selbst die Unionisten unter dem Goldgelichter – aber es reicht. Am Ende, befindet das Wahlpublikum draußen in der Republik in den sogenannten Blitzumfragen, sogar dicke.

Die meisten schauten im Ersten

Rund 16,23 Millionen Zuschauer haben am Sonntag das TV-Duell zur Bundestagswahl verfolgt, das bei fünf Sendern parallel zu sehen war. Der Marktanteil lag bei 46,1 Prozent.

clearing

Einen halben Tag später kann Steffen Seibert, der offizielle Überbringer der Merkelschen Sprachregelungen, die Vorabendvorstellung in der Behauptung zusammenfassen, „die Bundeskanzlerin hat sehr gerne teilgenommen“, ohne zu riskieren, dass die Bundespressekonferenz ihn auslacht. Zum einen nämlich ist sie, nach der Nachtschicht spärlicher als gewöhnlich besetzt – zum anderen längst gewöhnt an die Kluft zwischen Seiberts Ausdeutungen und der Wirklichkeit.

Als das Fernsehduell für die Republik erfunden wurde und seinen Namen irgendwie auch verdiente, war zu lernen, dass Urteile zu drehen sind, wenn die Handlanger es klug anstellen. Binnen drei Tagen mutierte Edmund Stoiber damals vom Sieger zum Verlierer. 15 Jahre später liegt Berlin öd und leer am Tag danach. Martin Schulz kämpft weiter, sehr weit entfernt im Bierzelt in Niederbayern – Angela Merkel tut, als sei ihr kurzfristigst einberufener Luftreinhalte-Gipfel im Kanzlerinamt pures reines Routinegeschäft. An ihrer Seite sitzt Sigmar Gabriel. Alles wie immer. Unaufgeregt. Man könnte auch matt sagen. Nichts funkelt, nicht leuchtet, nichts strahlt. Aber das ist ja beim Duell und danach im Studio H auch nicht anders gewesen. Ausgenommen die Lüster.

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