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Todesrisiken für Patienten durch mangelnde Klinik-Erfahrung

Krankenhäuser sollten Patienten weniger Risiken aussetzen. Versicherte sollten klar sehen können, welche Klinik wie gut ist. Doch längst sind Experten ernüchtert von Gröhes Klinikreform. Was sagt der Minister?
Ein Krankenpfleger bei der Arbeit. Foto: Daniel Bockwoldt/Illustration Ein Krankenpfleger bei der Arbeit. Foto: Daniel Bockwoldt/Illustration
Berlin. 

Krankenhauspatienten in Deutschland sind aus Expertensicht wegen Reformblockaden des Gesundheitswesens unnötig hohen Todesrisiken ausgesetzt.

So behandelten viele Kliniken Patienten in Bereichen, in denen sie weniger Erfahrungen als andere Häuser haben, sagte der Klinikexperte Marcel Weigand der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. In Krankenhäusern mit wenig Erfahrung steige das „Letalitätsrisiko” dramatisch, so Weigand - also die Gefahr zu sterben.

Klinikqualität steht im Zentrum eines AOK-Kongresses in Berlin, den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) an diesem Donnerstag eröffnet. Weigand ist Projektmanager der „Weissen Liste”, einem von der Regierung unterstützten Portal mit Infos zur Klinikqualität unter dem Dach der Bertelsmann Stiftung.

Es gebe zwar viele Vorgaben an Krankenhäuser, sie würden aber oft ignoriert, kritisierte Weigand. Wenig zur Minimierung der Risiken beigetragen hat laut dem Experten die Gröhe-Klinikreform durch das 2016 in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz. „Was herausgekommen ist, ist sehr dürftig.” Beim AOK-Kongress wird von Gröhe eine Bilanz seiner Klinikreform erwartet. 

Wie der Krankenhaus-Report 2017 der AOK im Februar zeigte, sind die Behandlungsergebnisse für den Patienten besser, je häufiger ein Eingriff in einer Klinik erfolgt. Derzeit gibt es für sieben Krankheitsbereiche gesetzliche Regeln, welche Zahl von Fällen eine Klinik mindestens absolviert haben soll, darunter Nierentransplantationen, Knieprothesen-OPs und die Versorgung von Frühchen. Wissenschaftler und Fachgesellschaften dringen seit Langem auf weitere solcher Standards - weitgehend ohne Gehör.

Weigand sagte, mit dem Krankenhausstrukturgesetz sei auch angedacht gewesen, dass offizielle Qualitätsstandards (Indikatoren) für Behandlungen festgelegt werden. Klinikabteilungen oder ganze Häuser sollten bei Nichterfüllung der Vorgaben geschlossen werden. Weigand kritisierte, dass das dafür vorgesehene Gremium es nicht gewagt habe, „planungsrelevante Indikatoren zu entwickeln”. Es handelt sich um den Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern.

Zudem rüttelten Bund und Länder laut Weigand nicht an dem Prinzip, dass Klinikplanung Sache der Bundesländer ist. Da die Länder aber nicht verpflichtet worden seien, schlechtere Kliniken dicht zu machen, geschehe dies faktisch auch nicht, so Weigand.

Der Experte kritisierte zudem, dass in offiziellen Berichten über die Klinikqualität neben nützlichen Dingen auch Sachen gemessen würden, die Patienten gar nichts sagten. „Welchem Krebspatienten nützt es, wenn man erfährt, welchen Abstand zum gesunden Gewebe die Strahlung bei einer Strahlentherapie einhält?” Nötig seien für die Patienten vielmehr klare Aussagen, welche Kliniken bei welchen Behandlungen wie abschneiden. Das fehle komplett.

Dass die Angaben in den offiziellen Qualitätsberichten für die Patienten oft unverständlich seien, liege auch an der Ferne der Autoren zu den Patienten, sagte Weigand. „Das sind keine Kreise, die sich jemals mit Nutzerfreundlichkeit beschäftigt hätten.”

Gröhe wollte mit seiner Klinikreform Qualität zum Kriterium bei der Krankenhausplanung machen. Qualitätsberichte sollten patientenfreundlicher werden, hieß es damals von der Regierung.

(Von Basil Wegener, dpa)
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