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Brexit zum Trotz: Tories feiern May als „Maggie 2“

Theresa May Foto: imago stock&people (imago stock&people) Theresa May
Birmingham. 

Die Briten nennen das Reich der Märchen und Fantasie „La-La-Land“. Auch wenn es niemand in Englands zweitgrößter Stadt vermutet hätte, lag es in dieser Woche tatsächlich in Birmingham. Dort feierten die Konservativen ihren ersten Parteitag nach dem Brexit-Votum, dem Rücktritt David Camerons und der Ernennung von Theresa May zur neuen Premierministerin.

Während Cameron auf der Konferenz zu Beginn noch eine Randnotiz war, um dann endgültig Geschichte zu werden, versuchten die in der EU-Frage tief gespaltenen Tories ansonsten, Geschlossenheit auszustrahlen. Das gelang jedoch nur, weil die meisten Europa-Freunde gar nicht erst auftauchten, so dass die Brexit-Fans vier Tage lang ihre Party feiern konnten. Jubel, Enthusiasmus und Optimismus rückten beunruhigende Nachrichten in den Hintergrund, wie etwa jene, dass die Angst vor einem sogenannten harten Brexit in der Finanzbranche, dem wichtigsten britischen Wirtschaftszweig, wächst.

Laut einer Untersuchung der Beratungsfirma Oliver Wyman könnte der Sektor im schlimmsten Fall bis zu 38 Milliarden Pfund an Umsatz einbüßen. Zudem seien 75.000 Arbeitsplätze bedroht. „Angstmacherei“ sei das, schimpfte ein Parteimitglied während seiner Kaffeepause. Auch dass das Pfund auf den tiefsten Stand seit 1985 gesunken war, nachdem May angekündigt hatte, den Antrag zum Austritt aus der EU bis spätestens Ende März zu stellen, beunruhigte Ian Lyon nicht. Der Stadtrat sagt nur: „Großbritannien ist brillant und es war immer brillant.“ „Wir werden einen sehr guten Deal mit der EU bekommen“, meinte er. Alle Hoffnungen liegen auf Theresa May.

Gestern hielt sie zum Abschluss des Parteitags ihre große Rede und erntete bei den Delegierten Ovationen. Dabei klang sie fast ein wenig wie die Labour-Partei. Die Regierungschefin versprach eine gerechtere Gesellschaft und meinte, das Brexit-Votum sei eine „leise Revolution“ gewesen. May wollte damit ausdrücken: Sie hat alle jene frustrierten Briten verstanden, die sich wirtschaftlich abgehängt fühlen.

Damit rückt sie in die politische Mitte und deutlich von ihrem Vorgänger ab. Ihre Partei werde immer im Interesse der durchschnittlichen Arbeiterklasse handeln. Kontrolle über die Einwanderung bezeichnete May in harter Rhetorik abermals als Priorität. Ein Brite verließ beschwingt von Mays Rede den Saal und sagte nur: „Sie war fantastisch – unsere Maggie Nummer zwei.“

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