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Tote bei Anschlägen auf Polizeiwachen in Kabul

Zwei gleiche Anschlagsziele: Polizeiwachen. Doch die Täter kommen aus unterschiedlichen Organisationen. Und haben unterschiedliche Ziele.
Notarztwagen parken an der Stelle eines Selbstmordanschlags im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul. Foto: Rahmat Gul/AP Notarztwagen parken an der Stelle eines Selbstmordanschlags im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul.
Kabul. 

Radikalislamische Extremisten haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit Selbstmordanschlägen zwei Polizeiwachen angegriffen.

Bei den zeitlich kurz aufeinander folgenden Bombenexplosionen und anschließenden Gefechten mit Sicherheitskräften kamen mindestens 22 Menschen ums Leben, darunter auch neun Täter, wie Polizeisprecher Haschmatullah Stanakzay am Mittwochabend sagte. Unter den Toten waren zudem fünf Polizisten, ein Wachmann und sieben Zivilisten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag auf die Polizeiwache im Schiitenviertel Dascht-e Bartschi im Westen Kabuls, die Taliban zu dem Angriff im zentralen Stadtteil Schar-e Naw. Beide Organisationen rivalisieren miteinander.

Die Angriffe und Bombenexplosionen vom Mittwoch, bei denen es auch mindestens 17 Verletzte gab, waren der neunte größere Zwischenfall in Kabul seit Jahresbeginn. Die Taliban-Attacke in Schar-e Naw sei sieben Stunden nach ihrem Beginn um 18.00 Uhr (Ortszeit) beendet und alle fünf Angreifer seien getötet worden, bestätigte Polizeisprecher Stanakzay. Erst am 30. April waren bei einem Doppelanschlag des IS in Kabul 25 Menschen umgekommen, darunter neun Journalisten.

Ebenfalls am Mittwoch wurden bei einem anscheinend fehlgeleiteten Luftangriff in der Provinz Badghis im Westen des Landes sechs Polizisten getötet. Der Angriff habe wohl den Taliban gegolten, sagte ein Mitglied des Provinzrates der Deutschen Presse-Agentur. Unklar war zunächst, ob es sich um ein Flugzeug des US-Militärs oder der afghanischen Luftwaffe handelte.

Die USA und Afghanistan haben ihre Luftangriffe auf Extremisten verstärkt, seit US-Präsident Donald Trump im vergangenen August eine neue Strategie für das Land verkündet hatte und die dort stationierten Truppen aufstocken ließ. Seit dem Ende der Nato-Kampfmission Ende 2014 verüben vor allem die Taliban Anschläge auf afghanische Regierungsziele oder Sicherheitskräfte, um ihre Macht wieder auszuweiten. Sie hatten bis zur US-geführten Intervention 2001 sechs Jahre lang weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle.

Doch auch der IS hat längst Fuß in dem Land gefasst. Die Terrormiliz erklärte sich am Mittwoch über ihr Sprachrohr Amak verantwortlich für den Anschlag auf die Polizeiwache in Dascht-e Bartschi. Zwei IS-Mitglieder hätten sich nahe der Wache in die Luft gesprengt, zwei weitere seien bei Gefechten von Sicherheitskräften getötet worden, sagte Innenminister Wais Ahmad Barmak live im Fernsehen. Das Viertel wird mehrheitlich von der Minderheit der Hasara bewohnt. Sie gehören überwiegend der schiitischen Konfession an und sind Hassobjekte für die sunnitische IS.

Mit einem Selbstmordattentäter begann auch der Anschlag der Taliban im Viertel Schar-e Naw. In der Nähe des Eingangs zu einer Polizeiwache sprengte er sich in die Luft, wie Stanakzay sagte. Anschließend seien vier weitere Extremisten in einem Auto vorgefahren, hätten sich in einem leerstehenden Gebäude verschanzt und begonnen, auf umliegende Gebäude zu schießen.

Die Gegend wurde abgeriegelt, Zivilisten sollten auf Geheiß von Sicherheitskräften Schutz suchen. In dem Viertel befinden sich auch Gebäude der Afghanistan International Bank, der Telekommunikationsfirma Etisalat sowie privater Organisationen und eines Reisebüros, das indische Visa für Afghanen ausstellt. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte, die Taliban-Kämpfer hätten „zahlreiche feindliche Beamte und Belegschaft” getötet.

(dpa)
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