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Tote im Mittelmeer: Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Werden in Libyen wieder mehr Menschen auf seeuntaugliche Boote in Richtung Europa gesetzt? Nach dramatischen Einsätzen im Mittelmeer mit Toten und zahlreichen Geretteten befürchten Seenotretter das Schlimmste.
Flüchlinge treiben im Mittelmeer, bevor sie von Teams von SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen auf das Rettungsschiff „Aquarius” gerettet wurden. Foto: Maud Veith/SOS Mediterranee/MSF Flüchlinge treiben im Mittelmeer, bevor sie von Teams von SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen auf das Rettungsschiff „Aquarius” gerettet wurden.
Rom. 

Nach dramatischen Einsätzen im Mittelmeer mit vielen Toten und mehr als 2560 Geretteten innerhalb weniger Tage schlagen Hilfsorganisationen Alarm.

„Wir können mit einem Herbst schlimmer Schiffbrüche rechnen”, sagte Stefano Argenziano, der bei Ärzte ohne Grenzen Migrations-Projekte koordiniert, der Tageszeitung „La Repubblica”. Am Freitag waren nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR mindestens 26 Menschen bei einem Unglück ums Leben gekommen. Bei einem anderen Schiffbruch starben am Mittwoch mindestens acht Menschen.

„Es könnte noch Vermisste geben, aber das wissen wir erst, nachdem wir mit den Überlebenden gesprochen haben”, sagte ein UNHCR-Sprecher. Die 26 Leichen wurden am Sonntag ins süditalienische Salerno gebracht. Die Toten seien allesamt Frauen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. An Bord des spanischen Kriegsschiffs waren der Präfektur zufolge auch 402 Gerettete.

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée sowie Einheiten der EU-Mission Sophia waren an Rettungseinsätzen beteiligt. Am Freitag sei von einem Hubschrauber aus ein sinkendes Schlauchboot entdeckt worden, viele Menschen seien im Wasser getrieben, hieß es auf der Facebook-Seite von Eunavfor Med Operation Sophia. „Wir haben zwar keine Leichen geborgen, aber wir sahen Menschen untergehen”, sagte der Arzt an Bord des Rettungsschiffs „Aquarius”, Seif Khirfan, laut einer Mitteilung über einen anderen Einsatz.

In diesem Jahr kamen laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) auf dem Mittelmeer schon mehr als 2800 Menschen ums Leben. Dass es noch mehr werden könnten, sei „zwangsläufig” die Konsequenz der Entscheidung der italienischen Regierung, den Flüchtlingszustrom aus Libyen einzudämmen, sagte Argenziano von Ärzte ohne Grenzen. „Jetzt ist das Wetter noch relativ gut, aber von nun an bis Dezember müssen wir das Schlimmste befürchten.”

Seit August unterstützt die italienische Marine die libysche Küstenwache im Kampf gegen Schlepper und bei der Kontrolle der Hoheitsgewässer des Bürgerkriegslandes, um die Migranten auf ihrer Überfahrt aufzuhalten. Spekuliert wird, dass die italienische Regierung auch Milizen bezahlt, um die Migranten von der Weiterreise abzuhalten. Rom dementierte dies mehrmals.

In der Folge ging im Laufe des Sommers die Zahl der Migranten, die die gefährliche Flucht vor allem aus Libyen über das Mittelmeer nach Europa wagen und nach ihrer Rettung in Italien ankommen, drastisch zurück. Der Trend setzte sich auch im Oktober fort. Seit Jahresbeginn (Stand: 3. November) kamen laut Innenministerium 111 716 Menschen in Italien an. Zu diesem Zeitpunkt waren es im vergangenen Jahr bereits rund 160 000.

Nun wurden nach IOM-Angaben innerhalb von vier Tagen wieder mehr als 2560 Migranten bei verschiedenen Einsätzen gerettet. Der „Corriere della Sera” wertete das am Sonntag als Beweis für das „Wiedererwachen der Schleuser”. Für „La Repubblica” ist es die „Wiedereröffnung der Libyen-Route” - auch wenn diese zuvor keineswegs als komplett geschlossen bezeichnet werden konnte.

(dpa)
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