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Transparenter und spannender: Linke will Parlamentsreform

Lahme Debatten, undurchsichtige Strukturen, Ausschusssitzungen hinter verschlossenen Türen: Die Opposition beklagt sich seit langem über eingerostete Abläufe im Parlament. Die Linke macht nun einen neuen Anlauf für Veränderungen. Wie reformbedürftig ist der Bundestag?
Jan Korte, hier Ende vergangenen Jahres, möchte die Rolle des Bundestages stärken. Foto: Silas Stein Jan Korte, hier Ende vergangenen Jahres, möchte die Rolle des Bundestages stärken.
Berlin. 

Die Linksfraktion fordert dringend eine Parlamentsreform, um die Rolle des Bundestages zu stärken.

In einem fünfseitigen Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, plädiert Linksfraktionsgeschäftsführer Jan Korte unter anderem dafür, den kleineren Fraktionen mehr Redezeit einzuräumen sowie Ausschusssitzungen in der Regel öffentlich zu machen und im Internet zu übertragen. Die Kanzlerin und die Bundesminister müssten dem Parlament regelmäßig persönlich Rede und Antwort stehen - mindestens einmal im Quartal. In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD eine Befragung der Kanzlerin drei Mal jährlich in Aussicht gestellt.

Außerdem sei dringend ein Lobbyregister nötig, um die Einflussnahme verschiedener Interessengruppen auf die Politik sichtbarer zu machen. Mit einer solchen Datenbank könnten die Identität von Lobbyisten, ihre Auftraggeber und ihre Finanzierung offengelegt werden.

Korte warb außerdem für strengere Regeln bei den Nebeneinkünften von Abgeordneten. Diese müssten in Euro und Cent offengelegt werden. Bislang sind die Parlamentarier zwar verpflichtet, Einkünfte von mehr als 1000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr anzugeben. Allerdings müssen sie keine genaue Summe nennen, sondern sich nur in eine von zehn Verdienststufen einordnen. Die Spendenregelungen für Abgeordnete müssten ebenfalls transparenter werden, verlangte Korte.

Der Linke-Politiker schlug auch vor, beim Bundestag ein Online-Portal als „Diskussions- und Beteiligungsforum” für Bürger einzurichten.

Parlamentarische Staatssekretäre in den Ministerien will Korte abschaffen. „Sie sind für die parlamentarische Arbeit nicht nötig und dienen letztlich nur der Versorgung mit gut dotierten Posten”, meint er. Parlamentarische Staatssekretäre vertreten ihr jeweiliges Haus gegenüber dem Bundestag. Häufig beantworten sie Anfragen von Abgeordneten und nehmen als Repräsentanten des Ressorts an den Fragestunden des Parlaments sowie an Ausschusssitzungen teil. Außerdem sollten Abgeordnete nach dem Willen des Linke-Politikers in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Dies würde die Solidarität innerhalb der Gesellschaft verbessern, argumentiert er.

Die Linke hatte mehrere Punkte bereits in der Vergangenheit vorgeschlagen und versucht nun einen neuen Anlauf in geballter Form. Auch die Grünen setzen sich seit längerem für mehrere dieser Forderungen ein. Die beiden Oppositionsfraktionen konnten sich mit diesen Anliegen bisher aber nicht durchsetzen. Auch die SPD hatte in den vergangenen Monaten zeitweise Sympathien für bestimmte Änderungen erkennen lassen. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD finden sich aber nur wenige Punkte dazu - unter anderem zur Regierungsbefragung.

Korte schickte sein Reformpapier an den Bundestagspräsidenten und die Parlamentarischen Geschäftsführer der anderen Fraktionen - und hofft auf neue Bewegung in der Diskussion. „Wir müssen die Arbeitsstrukturen und -prozesse des Bundestages hinterfragen und verbessern”, mahnt er in seinem Papier. Es sei dringend nötig, auf den Rechtsruck in der Gesellschaft zu reagieren und etwas für das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie zu tun.

(dpa)
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