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Stockholm steht nach dem Terroranschlag zusammen: Trauer, Trotz und Liebe

Eine Minute lang ist es mitten in Stockholm ganz still. Tausende gedenken der vier Opfer des Lkw-Anschlags. Derweil werden neue Details über den mutmaßlichen Täter bekannt.
Tausende Stockholmer gedenken den Opfern des Lkw-Anschlags vom Freitag mit Blumen und einer Schweigeminute. Foto: ODD ANDERSEN (AFP) Tausende Stockholmer gedenken den Opfern des Lkw-Anschlags vom Freitag mit Blumen und einer Schweigeminute.
Stockholm. 

Ein Blumenmeer erstreckt sich über die Treppen hinunter zum Sergels Torg. Zu dem Platz mitten in Stockholm ist am Sonntagnachmittag fast kein Durchkommen. Tausende Menschen stehen hier zusammen, einige weinen leise. Margareta Sjöberg hält selbstgepflückte Anemonen in der Hand. „Ich hatte das Gefühl, es wäre wichtig, hier unter meinen Landsleuten zu sein“, sagt sie. Die Frühlingssonne strahlt vom Himmel, als wollte sie das Dunkel verdrängen, das ein blutiger Anschlag am Freitagnachmittag über die schwedische Hauptstadt gebracht hatte.

Der Sergels Torg mit seinem Eingang zur U-Bahn ist nur einen Katzensprung von der belebten Einkaufsstraße Drottninggatan entfernt, in der ein Lastwagen in Menschen gefahren war und vier Menschen getötet hatte. „Es war so schrecklich“, sagt John Ronnblom, ein Rentner, der eigentlich mit seiner Frau nach Finnland reisen wollte, um ihren 87. Geburtstag zu feiern. Doch nach der Attacke sagten die beiden den Trip ab. Hier zu sein, ist für sie jetzt wichtiger.

Diesen Gedanken teilen viele Stockholmer und Touristen, die sich zu einer „Liebes-Kundgebung“ auf dem Platz versammelt haben. „Toll, dass die Leute sich getraut haben, hier raus zu kommen und zu zeigen, dass wir zusammen sein wollen“, sagt Teddy, der mit Freunden gekommen ist.

Stiller Protest der Massen

Um genau 14.53 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags am Freitag, ist es auf dem Platz für eine Minute fast unheimlich still. Ein kleiner roter Luftballon in Herzform flattert langsam aus den Händen eines Besuchers gen Himmel. Die Hauptstädter erinnern sich an die vier Todesopfer, zwei Menschen aus Schweden, einer aus England und eine Belgierin. Viele nehmen sich in den Arm, manche haben die Blicke gesenkt. Sie wollen gemeinsam dem Terror trotzen, und das verarbeiten, was ihnen immer noch unwirklich erscheint.

Am Kaufhaus Åhléns hat das Geschehen deutliche Spuren hinterlassen. Hier kam der Lastwagen einer Brauerei, den der Täter entführt hatte, am Freitag zum Stehen, durchbrach die Fassade. Jetzt decken Spanplatten die zerstörten Wände ab. Darauf haben Besucher in vielen Sprachen Botschaften geschrieben. „Wir stehen zusammen“, steht dort, und „Gewalt mit Frieden bekämpfen“. Die Stockholmer Schülerin Ida Lindberg hat Herzen darauf gemalt. „Als Symbol der Liebe“, sagt sie.

Die Absperrungen um den Tatort hat die Polizei inzwischen entfernt, die vielen Blumen eingesammelt, die die Gitter mit ihrem Gewicht niederzudrücken drohten. „Wir haben uns entschieden, sie auf die Treppen zu legen“, sagt Nina Taberman von der Stadt Stockholm, während ihre Mitarbeiter immer noch Kerzen und Frühlingsblumen auflesen und in Schubkarren zum Sergels Torg bringen. „Hier bleiben sie so lange liegen, wie die Menschen es brauchen.“

Blumen gegen die Angst

Was nicht nur Stockholm, sondern ganz Schweden auch braucht, ist Klarheit. Über das Wochenende erhärtet sich der Terrorverdacht gegen einen 39-jährigen Usbeken, den die Polizei nach der Tat am Freitag festgenommen hatte. Die Ermittler rücken nur zögerlich mit Details über den Mann heraus. Er soll mit „extremen Organisationen“ wie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ sympathisiert haben und 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden beantragt haben. 2016 wurde diese abgelehnt, der Mann sollte das Land verlassen – tauchte aber unter.

„Das frustriert mich“, sagt Schwedens Regierungschef Stefan Löfven. Nach einem Nein zum Antrag auf Aufenthalt müsse eine abgelehnte Person das Land verlassen. Am Sonntagmorgen nimmt die Polizei eine weitere Person unter Terror- und Mordverdacht fest. Details dazu gibt es aber zunächst nicht.

In Schweden sind jetzt mehr Polizisten auf den Straßen unterwegs, vor allem in Stockholm. Alle Ausreisenden werden an den Landesgrenzen kontrolliert. „Es wäre nicht menschlich, keine Angst zu haben, aber das Leben muss bald wieder zur Normalität zurückkehren“, sagt Innenminister Anders Ygeman.

IS-Sympathien, eine missglückte Ausweisung – der mutmaßliche Terroranschlag wird seine Spuren auch in der politischen Debatte hinterlassen. 2018 wird in Schweden ein neues Parlament gewählt.

Zunächst steht aber die Trauer um die Opfer im Vordergrund. Auch Schwedens Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Daniel besuchen am Wochenende den Ort des Anschlages. Ganz in Schwarz gekleidet, legt die Thronfolgerin rote Rosen nieder. Tränen steigen ihr in die Augen. Auf die Frage eines Reporters, wie ihr Land durch diese schwere Zeit komme, antwortet sie mit nur einem Wort: „Zusammen.“

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