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Tänzeln am Abgrund: Trump schockiert die Nato und präsentiert sich hinterher als der Sieger

Zwischenzeitlich sieht es so aus, als stünde die Nato am Abgrund. Donald Trump droht beim Gipfel in Brüssel mit einem Alleingang, eilig beruft das Bündnis eine Krisensitzung ein. Am Ende steht eine denkwürdige Pressekonferenz.
Mischte den Nato-Gipfel mit seiner anscheinenden Unberechenbarkeit auf: Donald Trump. Foto: BRENDAN SMIALOWSKI (AFP) Mischte den Nato-Gipfel mit seiner anscheinenden Unberechenbarkeit auf: Donald Trump.
Brüssel. 

Am Ende eines Nato-Gipfels, an dem Donald Trump mit einem Alleingang der USA drohte, an dem das mächtigste Militärbündnis der Welt ernsthaft zu wanken schien, steht der US-Präsident auf einem Podium und spricht über den Weltfrieden. Eine Zukunft ohne Atomwaffen, ohne Kriege, das sei sein ultimatives Ziel, sagt er zum Abschluss eines Treffens, das einer emotionalen Achterbahnfahrt glich. Der Nato sichert er die Bündnistreue zu. Die anderen Mitglieder, denen er kurz zuvor noch deutlich wie nie zuvor gedroht hatte, lobt er überschwänglich. Die zwei Tage in Brüssel seien großartig gewesen, die Stimmung kollegial.

Der US-Präsident spricht davon, dass es beim Gipfel „enorme Fortschritte“ gegeben habe, andere Länder hätten „erhebliche“ Zusagen bei den Verteidigungsausgaben gemacht. Dabei gibt es gar keine neuen Abmachungen. In der Gipfelerklärung sind sie nicht enthalten. Und auch von den anderen 28 Staats- und Regierungschefs ist davon nichts zu hören.

Willkommen in Trumps heiler Welt.

Krisensitzung

Diese steht am Morgen allerdings noch am Abgrund. Zum ersten Mal seit zehn Jahren wird auf einem Nato-Gipfel eine dringliche Krisensitzung einberufen. Das zweitägige Treffen des transatlantischen Bündnisses steht kurz vor dem Scheitern. Kurzzeitig kursieren sogar Spekulationen, die Nato könne am Ende zerbrechen.

Was ist passiert? In einer ganz normalen Arbeitssitzung echauffiert sich Trump dermaßen über mangelnde Verteidigungsausgaben seiner Bündnispartner, dass die Lage eskaliert. Auf einmal fordert er von jedem Mitgliedstaat zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts fürs Militär schon bis Januar 2019. Und dann lässt er den Satz fallen: „Andernfalls werde ich mein eigenes Ding machen.“ Rumms. Dass ein US-Präsident auf einem Gipfel den Ausstieg aus der Nato andeutet, hat es noch nie gegeben.

Das führt dazu, dass Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg eine Krisensitzung einberuft, neue Beschlüsse bringt sie nicht.

Der Rest ist Ansichtssache. Trump präsentiert sich als der Sieger des Gipfels. Er wirkt zufrieden, als er gestern Mittag Fragen von Journalisten beantwortet. Die Pressekonferenz bietet Trump die Möglichkeit, die Deutungshoheit über einen Gipfel zu behalten. Er spricht über das Treffen, als habe es eine bahnbrechende Entwicklung gegeben. Er sei diesmal noch ein bisschen strenger gewesen, das habe Wirkung gezeigt. Selbst Deutschland wolle das Zwei-Prozent-Ziel bis 2028 oder 2030 erreichen.

Stimmt das? Nach allem, was bekannt ist, nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt lediglich ganz vorsichtig in Aussicht, dass sie ihr Versprechen von 1,5 Prozent des BIP bis 2024 noch einmal aufstocken könnte.

Keine neuen Zusagen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und andere Teilnehmer der Krisensitzung berichten, es habe keine neuen Zusagen an Trump gegeben. Die undankbarste Aufgabe fällt Generalsekretär Stoltenberg zu. Offenbar um zu retten, was zu retten ist, preist der Norweger am Ende Trumps „starke Führerschaft“ beim Thema Verteidigungsausgaben. Doch jeder weiß, dass Trump dem Bündnis geschadet hat wie noch kein anderer US-Präsident.

dfg f dgh tg

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