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Gegenseitige Drohungen: Trump und Kim Jong Un auf Konfrontation: Säbelrasseln im Pazifik

Mit einer feurigen Warnung erhöht Trump den Druck auf Nordkorea, das seinerseits mit „grenzenlosem Krieg“ droht. Der Schlagabtausch erhöht die Gefahr einer ungewollten Eskalation – ein hoch riskantes Spiel.
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Seoul/Washington. 

US-Präsident Donald Trump hat den gefährlichen Konflikt mit Nordkorea durch seine Drohung mit „Feuer, Wut und Macht“ weiter angefacht. Nur Stunden nach seiner beispiellosen Warnung an Machthaber Kim Jong Un drohte Nordkoreas Militär mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam. Die Kriegsrhetorik weckte Ängste vor einer unkalkulierbaren Eskalation oder gefährlichen Fehleinschätzung, die einen gewaltsamen Konflikt mit hunderttausenden Toten auf der koreanischen Halbinsel auslösen könnte.

Während sich Nordkoreas Propaganda gewöhnlich drastischer Formulierungen bedient, kennen derart streitlustige Äußerungen durch einen amerikanischen Präsidenten kaum Präzedenzfälle. Ähnlich hatte sich nur US-Präsident Harry Truman 1945 bei der Mitteilung über den Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima geäußert., wie US-Medien hervorhoben. Er drohte ihnen sonst mit „einem Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat“.

Ein Mann fotografiert am 09.08.2017 in Tokio einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender ein Bild von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un gezeigt wird. Nordkoreas Militär hat den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht und damit einen der gefährlichsten Konflikte der Welt weiter angeheizt. Foto: Shizuo Kambayashi/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Kommentar: Nordkorea, Spiel mit dem Feuer

Als Donald Trump US-Präsident wurde, höhnten Zyniker, jetzt gebe es gleich zwei Irre mit der (Atom-)Bombe: den nordkoreanischen Anführer Kim Yong Un und eben den Amerikaner.

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Mit der extremen Wortwahl des US-Präsidenten wuchs die Sorge, dass sich beide Kontrahenten weiter aufschaukeln. Beobachtern in Seoul fiel auf, dass die Drohung Nordkoreas mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam zumindest gemessen an der üblichen, wilden Kriegspropaganda fast differenziert wirkte. Die Drohung war auch keineswegs neu und schon früher ähnlich geäußert worden.

Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke „auf Guam ernsthaft in Erwägung“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Der Plan zum Angriff könne „jederzeit“ ausgeführt werden, sobald Kim Jong Un die Entscheidung dazu treffe, sagte ein Militärsprecher. Die USA sollten ihre „rücksichtslosen militärischen Provokationen“ unterlassen, so dass man nicht „gezwungen“ sei, eine „unvermeidliche militärische Entscheidung“ zu treffen.

Sprengköpfe beunruhigen

Der verbale Schlagabtausch ist der vorläufige Höhepunkt der Krise, die durch Nordkoreas Tests mit Interkontinentalraketen eskalierte. Die Sorge über Pjöngjangs Fortschritte mit Nuklearsprengköpfen wächst. Die USA und Japan gehen davon aus, dass Nordkorea inzwischen in der Lage ist, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken – auch Interkontinentalraketen, die die USA erreichen könnten. Allerdings wiesen Experten darauf hin, dass es auch darum geht, ob sie den Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre überstehen.

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Trotz der neuen Spannungen zeigten sich viele Südkoreaner gelassen. Die Regierung in Seoul gab keine Warnmeldung heraus. Auch das öffentliche Leben in der besonders von Nordkoreas Artillerie bedrohten Hauptstadt ging wie gewohnt seinen Gang. „Nordkorea droht ja immer wieder damit, aber am Ende ist nie etwas passiert“, sagte die 26-jährige Jeon Hae-in in einem Vorort von Seoul: „Bei Trump ist es ein bisschen anders. Ihm würde ich alles zutrauen.“

Kritik an Trumps feuriger Wortwahl hagelte es auch in den USA. Der außenpolitisch profilierte, republikanische US-Senator John Mc-Cain mahnte Trump zur Zurückhaltung. „Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind“, sagte der Republikaner. „Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump bereit zum Handeln ist.“ Dieser bringe die USA damit nur näher an eine ernste Konfrontation.

Historiker wiesen darauf hin, dass US-Präsidenten gewöhnlich behutsam mit ihrer Sprache umgehen, um eine Krise nicht anzufachen. Auch sinke Trump auf das Niveau des nordkoreanischen Machthabers, wenn er sich im Ton an die Nordkoreaner anlehne. Unklar blieb, ob Trump spontan geredet hatte – oder seine Formulierung geplant hatte.

Guam als Angelpunkt

Aber auch Nordkorea ließ die Muskeln spielen. Es zielte schon früher mit Drohungen auf die US-Luftwaffenbasis Anderson auf Guam, von der die USA häufig strategische Bomber des Typs B-1 zu Manövern in Richtung koreanische Halbinsel entsenden. Die Insel gilt Pjöngjang als potenzieller „Ausgangspunkt für eine Invasion in Nordkorea“. Erwogen wird demnach ein Raketenangriff. Angesichts der US-Drohungen kündigte ein nordkoreanischer Militärsprecher an, auf einen „Präventivkrieg“ der USA mit einem „grenzenlosen Krieg“ zu reagieren.

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