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Burkaverbot in Deutschlnd: Verschleierungsverbot: Sie sagt Nein, er sagt Ja

Von Seit Monaten wird in Deutschland über ein sogenanntes Burka-Verbot diskutiert. Doch wie stehen eigentlich Muslime zu diesem Thema? Die Publizistin Khola Maryam Hübsch und der CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi vertreten Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Khola Maryam Hübsch Bilder > Khola Maryam Hübsch
Frankfurt. 

Sind Kopftücher, Niqabs und Burka als religiöse Bekenntnisse, politische Provokation oder modische Privatsache anzusehen? Nicht nur Deutsche, die Angst vor einer schleichenden Islamisierung haben, sind sich hier uneins. Auch Muslime, die schon lange in Deutschland leben, sind durchaus unterschiedlicher Auffassung.

„Ich halte das für reinen Populismus, einen Versuch am rechten Rand zu fischen“, kommentiert die Frankfurter Journalistin und Publizistin Khola Maryam Hübsch die Debatte um ein Burka-Verbot. Ihr zufolge ist es verlogen, „dass wir überhaupt diese Debatte führen und gleichzeitig Deutschland nach Saudi-Arabien Waffen verkauft, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Frauen zum Schleier gezwungen werden“. Dies lenke von den eigentlichen Problemen ab: Wer Waffen sät, der erntet Flüchtlinge und Rassismus.

Gelegentlich trägt auch Hübsch selbst einen Gesichtsschleier, etwa wenn sie stärker geschminkt ist und zu einer Feier unterwegs ist. Doch: „Um schräge Blicke zu ernten, reicht es aus, ein Kopftuch zu tragen. Die Leute sind enthemmter und selbstbewusster in ihrem Rassismus geworden, seit AfD und Pegida die Stimmung anheizen“, sagt Hübsch, die sich in der Frankfurter Ahmadiyya-Gemeinde engagiert.

Für Hübsch, die aus religiösen Gründen Männern den Handschlag verwehrt, ist ein Verschleierungsverbot „in bestimmten Kontexten sinnvoll“. Etwa um die Identität feststellen zu können. Doch wessen Rechte würden durch eine Vollverschleierung verletzt, fragt sie. Die religiöse Selbstbestimmung sei hingegen ein wichtiges demokratisches Prinzip. Auch dürfe man nicht vergessen, dass manche Frauen „die Schock-Wirkung des Schleiers für sich entdeckt haben“.

Sie warnt eindringlich davor anderen erklären zu wollen, wie man in Deutschland zu leben habe. Hübsch verweist auf Studien, „die zeigen, dass Frauen in Europa sich mehrheitlich selbstbestimmt verschleiern“. Zudem trügen weit unter einem Prozent der muslimischen Frauen in Europa zu einem Schleier.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi beurteilt die aktuelle Debatte aus einem komplett anderen Blickwinkel. Einig sind sich Tipi und Hübsch lediglich in der Feststellung, dass der Koran Burka und Niqab nicht vorschreibt. Dieser Brauch gehe jedoch auf die frühe Phase des Islam zurück, in der die Frauen des Propheten Mohammed mitunter auch einen Gesichtsschleier trugen.

„Wir haben einen Rechtsstaat, den wir jeden Tag von Neuem zu schützen haben“, sagt Tipi. Vor 10 oder 20 Jahren hätte die Gesellschaft über Kopftücher diskutiert, dann sei der Turban ein Thema geworden. „Ein Kopftuch ist okay, das ist auch im Islam verankert. Der Turban war ein politisches Symbol“, so Tipi. Doch die Vollverschleierung dürfe nicht verharmlost und als falsch verstandene Religionsfreiheit angesehen werden. „Wenn wir darin keine Gefahr sehen, machen wir die salafistische Gesinnung nur hoffähig“, mahnt Tipi.

Denn genau das sei der Ansatz der in Deutschland lebenden Islamisten: „Sie machen sich unsere demokratischen Freiheiten zunutze und greifen damit in unseren Rechtsstaat ein“, so der Landtagsabgeordnete.

Tipi zufolge entrechte die Vollverschleierung ihre Trägerinnen und mache den Salafismus hoffähig. In Städten wie Bonn, Offenbach oder Hanau gehöre diese Kleidung längst zum Straßenbild. „Das Problem ist nicht dieses vier Quadratmeter große Stoffstück, sondern die Demokratie, die wir zu schützen haben“, verdeutlicht der CDU-Abgeordnete seinen Standpunkt.

Tipi gesteht jedoch ein, dass Burka-Trägerinnen mit Geldstrafen sanktioniert werden dürften. Denn Menschen, die eine politische Ideologie haben, könne man damit nicht erreichen. „Man kann aber beim Hebel des Aufenthaltsstatus ansetzen. Wessen Frau solche Kleidung trägt, muss Rechenschaft ablegen und die Frauen müssten an Integrationskursen teilnehmen“, fordert Tipi. Dass selbst Michael Boddenberg, der Landtagsfraktionsvorsitzender der Hessen-CDU, nicht von einem Verschleierungsverbot überzeugt ist, ficht Tipi nicht an. „In meiner Partei gibt es viele, die so denken wie ich“, sagt er. Denn bei aller Freiheit stehe das Grundgesetz an oberster Stelle. Wenn die Politik jetzt nicht handele, seien die Integrationsbemühungen der Vergangenheit vergebens.

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