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Viel Lob für den Neuen

Seltene Einigkeit im Sicherheitsrat: Gemeinsam präsentieren die 15 Mitglieder ihren Kandidaten für die Nachfolge von UN-Chef Ban – den Portugiesen António Guterres. Er stammt nicht aus Osteuropa und ist keine Frau, dafür aber ein Hoffnungsschimmer in der Flüchtlingskrise.
António Guterres (Mitte) im Jahr 2013 beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft im Libanon. Er war damals UN-Flüchtlingskommissar. Foto: Str (EPA) António Guterres (Mitte) im Jahr 2013 beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft im Libanon. Er war damals UN-Flüchtlingskommissar.
New York. 

Überraschend schnell und überraschend einig präsentieren sich die Mitglieder des Sicherheitsrats den Journalisten im UN-Hauptquartier in New York. Seite an Seite stellen sich die 15 Ländervertreter auf, Russlands Botschafter Witali Tschurkin neben US-Botschafterin Samantha Power. Zuletzt zerstritten und blockiert wirkten die 15 nun, „als seien sie selbst auch überrascht von ihrer Einigkeit“, schreibt die „New York Times“. Tschurkin sagt: „Nach unserer sechsten Probeabstimmung haben wir heute einen klaren Favoriten, und sein Name ist António Guterres.“

Guterres soll Nachfolger des derzeitigen UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon werden, dessen zweite Amtszeit Ende des Jahres ausläuft. Gestern Abend nominierte der Sicherheitsrat den Portugiesen Guterres nach einer letzten formellen Abstimmung. Nun muss die Vollversammlung die Personalie noch abnicken, aber das gilt als sicher. „Am Ende gab es einen Kandidaten, dessen Erfahrung, Vision und Vielseitigkeit auf einer Reihe von Feldern überzeugend waren, und das Ganze war erstaunlich friedfertig und unumstritten“, sagt US-Botschafterin Power.

„Mann mit Herz“

Guterres hatte sich in den Probeabstimmungen von Anfang an als Favorit herauskristallisiert. Und das, obwohl der frühere Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks und ehemalige portugiesische Ministerpräsident nicht aus Osteuropa stammt – wie es nach den ungeschriebenen Verteilungsprinzipien der UN eigentlich vorgesehen gewesen wäre – und keine Frau ist, wie viele gefordert hatten.

Nach mehr als 70 Jahren mit einem Mann an der Spitze werden die Vereinten Nationen damit wohl mindestens weitere fünf Jahre von einem Mann geleitet werden, obwohl rund die Hälfte der Kandidaten Frauen waren. Es sei tragisch, dass keine Frau nominiert worden sei, schrieb die frühere Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres aus Costa Rica, auf Twitter. Aber Guterres sei immerhin eindeutig der „beste Mann im Rennen“. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete ihn als „einen Mann mit Vision, Herz und Taten“.

Wenn schon kein Signal in Sachen Gleichberechtigung, dann kann Guterres’ Kür vielleicht zumindest auf einem anderem Gebiet als Symbol verstanden werden: der Flüchtlingskrise. Zehn Jahre lang, zwischen 2005 und 2015, war Guterres UN-Flüchtlingskommissar und bekam für seine Arbeit viel Lob. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch begrüßte jetzt seine Nominierung: Guterres sei ein „direkter und effektiver Fürsprecher für Flüchtlinge“, er habe „das Potenzial, einen radikal neuen Ton in Hinblick auf Menschenrechte in einer Zeit der großen Herausforderungen zu treffen“.

Guterres gilt als erfahren, weltgewandt, sprachbegabt – und hemdsärmelig. Bereits in den vergangenen Wochen waren seine langjährige UN-Erfahrung und seine Leistungen in einer Reihe von UN-Debatten gelobt worden. Anders als der äußerst diplomatische und bisweilen arg zurückhaltende Südkoreaner Ban ist zu hoffen, dass Guterres in den drängendsten Konflikten der Welt die Ärmel etwas entschiedener hochkrempelt und seine Gegenüber auch rhetorisch härter anpackt. Aber ihn werden auf dem neuen Posten auch riesige Herausforderungen erwarten, von denen der Syrien-Konflikt und der darüber zerstrittene Sicherheitsrat nur die Spitze des Eisbergs sind.

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