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Studie: Täter sind meist Gleichaltrige: Viele Schüler werden Opfer sexueller Gewalt

Von 23 Prozent der in Hessen befragten 14 bis 16-Jährigen gaben bei einer Studie an, schon sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. Der Kultusminister will reagieren.
Symbolbild Foto: © Gerhard Seybert (21023986) Symbolbild
Wiesbaden. 

Es ist die bislang umfassendste Studie dieser Art, und ihre Ergebnisse sind erschreckend: 2719 hessische Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren haben sich für eine Untersuchung im Auftrag des Kultusministeriums in anonymen Fragebögen über ihre Begegnung mit sexualisierter Gewalt geäußert. Und 48 Prozent von ihnen gaben an, schon entsprechende Erfahrungen zumindest in verbaler oder anderer nichtkörperlicher Art gemacht zu haben. Immerhin 23 Prozent haben aber auch schon sexuelle Gewalt körperlich erlebt.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der die „Dunkelfeldstudie“ in Auftrag gegeben hat, will als Konsequenz daraus vor allem die Prävention an den Schulen deutlich verstärken.

Nach Erkenntnis der beiden Erziehungswissenschaftler, unter deren Leitung die Untersuchung lief, sind die Täter in der Regel nicht der geheimnisvolle Unbekannte und auch nicht der böse Onkel aus der eigenen Familie. Vielmehr gehe die sexualisierte Gewalt in den allermeisten Fällen von anderen Jugendlichen, also Gleichaltrigen, aus, sagten die Professoren Sabine Maschke aus Marburg und Ludwig Stecher aus Gießen gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse in Wiesbaden. Wenig überraschend: Bei den Opfern handelt es sich weit überwiegend um Mädchen.

Die Spannweite der negativen Erfahrungen derjenigen, welche die umfangreichen Fragebögen in 100 Klassen von 53 hessischen Schulen ausgefüllt haben, ist groß. Es fängt an mit Aussagen wie: „Jemand hat über mich Gerüchte sexuellen Inhalts verbreitet.“ Andere beklagen, als schwul oder lesbisch beschimpft worden zu sein.

Auch noch zum Bereich nichtkörperlicher und dennoch keineswegs harmloser sexualisierter Gewalt zählen weitere von den Jugendlichen geschilderte Vorfälle: Sie werden gedrängt, pornografische Bilder, Zeichnungen oder Filme – oft auch auf dem Smartphone – anzusehen. Ohne ihr Einverständnis werden intime Fotos oder Filme ins Internet eingestellt.

Grabschen und Bedrängen

Die jungen Leute werden im Netz oder sozialen Medien sexuell angemacht oder belästigt. Doch es geht noch weiter: Schüler und vor allem Schülerinnen werden nach eigenen Angaben gedrängt oder gezwungen, sich teilweise oder ganz nackt auszuziehen, manchmal werden auch pornografische Aufnahmen gemacht. Erzwungene Küsse, Betatschen, erzwungener Sex bis hin zu Fällen von Geschlechtsverkehr wider Willen wurden ebenfalls genannt. Einerseits seien die Befragten überraschend auskunftsfreudig gewesen, manche hätten sich sogar – anonym – als Täter zu erkennen gegeben, hieß es. Andererseits berichteten die Opfer aber auch von gravierenden Folgen wie Bildern, die sie nicht mehr aus dem Kopf kriegen, Angst, in die Schule zu gehen, Versagen im Unterricht, von mangelndem Selbstwertgefühl oder Mobbing.

Kultusminister Lorz will jetzt die Schulen vor allem als Schutzraum und Ort der Prävention stärken. Es soll mindestens ein Ansprechpartner an Ort und Stelle den Betroffenen zur Verfügung stehen und das Thema auch nach dem Lehrplan Sexualkunde im Unterricht behandelt werden. Hinzu kommen Infoveranstaltungen in allen Schulamtsbezirken und Bemühungen um die Stärkung der Medienkompetenz der Schüler sowie das Theaterstück „Trau Dich“ für jüngere Schüler.

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