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Vorbild, Freund, Ratgeber: Warum Frankfurt eine besondere Stadt für den Altkanzler war

Helmut Kohl hat Deutschland geprägt wie kaum ein anderer Politiker. Als Kanzler der Einheit hat er sich in die Geschichtsbücher geschrieben. Auch in der Frankfurter Politik mischte er mit – als Oberbürgermeisterinnenmacher.
Die Kreisvorsitzende der Frankfurter CDU, Petra Roth, begrüßt Helmut Kohl, der im September 1992 mit dem Hubschrauber zu einem Besuch bei der Binding-Brauerei anreiste. Die Kreisvorsitzende der Frankfurter CDU, Petra Roth, begrüßt Helmut Kohl, der im September 1992 mit dem Hubschrauber zu einem Besuch bei der Binding-Brauerei anreiste.
Frankfurt. 

Helmut Kohl hat Petra Roth für die große Politik entdeckt. Als die Frankfurter CDU 1995 rätselte, wen sie gegen den starken SPD-OB Andreas von Schoeler nominieren sollte, schlug Kohl vor, dass es die damals noch relativ unbekannte Petra Roth machen könne. Wie sich zeigte, hatte der schwarze Riese aus der Pfalz wieder einmal den richtigen Instinkt bewiesen. Roth gewann und blieb lange Jahre Frankfurter OB. „Helmut Kohl war mein Vorbild, mein Freund und mein Ratgeber“, antwortetet eine hörbar bewegte Roth gestern, als sie gefragt wird, was Helmut Kohl für sie bedeutet hat. 40 Jahre gemeinsame CDU-Geschichte verbindet die beiden Politiker. Kohl habe ihren Werdegang stets begleitet, habe sie immer unterstützt. „Ich konnte mich auf ihn verlassen“, sagt Roth, die ebenso wie der Verstorbene die Ehrenbürgerwürde der Stadt trägt.

Fast ein Revolutionär

„Viele sehen in Helmut Kohl einen Konservativen. Für mich war er fast schon ein Revolutionär“, sagt die Politikerin, für die Kohl 1995 in Frankfurt mit den Worten „Ihre Chance für die gute Zukunft Ihrer Stadt“ warb. Bei Treffen, bei Telefonaten habe der angebliche Konservative sie immer wieder ermutigt, Themen anzugehen, die anderweitig in der Union oft noch als vermintes Gelände galten, auf die eine Großstadt-CDU jedoch Antworten geben musste. Themen, wie Suchtpolitik oder Ausländerintegration, die er selbst als Bundespolitiker auf kommunaler Ebene nicht voranbringen konnte – zum einen mangels Zuständigkeit, zum anderen aber auch, weil sie an Ort und Stelle in der konkreten Situation angegangen werden mussten. Er habe sie stets bestärkt, eine politische Meinung auch dann durchzusetzen, wenn sie keine breite Mehrheit der Partei hinter sich hat. Manchmal reichten eben auch 50,1 Prozent.

Ein Visionär

„Indem er mich – und möglicherweise auch andere – ermutigt hat, solche kontroversen Fragen auf die Tagesordnung zu setzen, konnte er moderne CDU-Themen über die Oberbürgermeister in die kommunale Ebene spielen und dort umsetzen“, sagt Petra Roth. „Ihm war es wichtig, sich an die Menschen zu wenden, für die die Politik gemacht wird.“ In dieser Hinsicht sei er ein Visionär gewesen. Er habe ein Gespür dafür gehabt, wohin sich die Welt entwickelt. „Darauf hat er seine Politik eingestellt.“ Das sagt auch Ernst Gerhardt. Der 95-jährige Ehrenvorsitzende der CDU erfährt durch diese Zeitung vom Tode Helmut Kohls. Das trifft den Mann, der weiß Gott nicht nahe am Wasser gebaut hat. „Er hat lange gelitten. Es ist eine Erlösung für ihn“, sagt Gerhardt unter Tränen. „Er hat sich um unser Vaterland verdient gemacht.“ Es sei Helmut Kohl gewesen, der den Begriff Vaterland in Deutschland wieder etabliert habe. „Ohne Helmut Kohl hätte es die Wiedervereinigung in dieser Form nie gegeben“ ist Gerhardt, der Kohl bereits aus den 60er Jahren, als dieser CDU-Chef in Rheinland-Pfalz war, kannte, überzeugt. Und Petra Roth betont: „Er hat seine Partei, unser Land und die Landkarte Europas in einer Weise umgestaltet, wie kein anderer deutscher Nachkriegspolitiker vor ihm.“

(sim,tre)

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