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Benachteiligt, besorgt, AfD?: Warum Wähler bei rechtspopulistischen Parteien landen

Von Die konkrete Situation am Arbeitsplatz kann für die Betroffenen Rechtspopulismus attraktiv machen: Das haben Forscher im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden.
Sorgte zuletzt für heftige Diskussionen: Frauke Petry instrumentalisiert ihr Kind im Wahlkampf. Foto: AfD (AfD) Sorgte zuletzt für heftige Diskussionen: Frauke Petry instrumentalisiert ihr Kind im Wahlkampf.
Berlin. 

Entscheidend sind am Ende weniger die Fakten als das, was sie auslösen: An Emotionen und Einschätzungen. Wer von sich sagt, „ich stecke in unsicheren Billigjobs fest“, wählt mit vier Prozent höherer Wahrscheinlichkeit die AfD als andere – wer das Gefühl hat, „über mein Leben wird irgendwo in der Welt entschieden“, ist sieben Prozent wahrscheinlicher AfD-Wähler als Arbeitnehmer, die das anders sehen.

Knapp 5000 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte haben drei Soziologen und ein Politologe Anfang des Jahres befragt, um herauszufinden: Wer wählt Rechtspopulisten? Sie suchten nach sogenannten „Treibern“ und ebenso nach „Haltepunkten“. Als wesentlich für die Entscheidung für die AfD identifizierten sie „Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenslage“ – weniger wegen objektiver Fakten als aufgrund der subjektiven Wahrnehmung.

Untere Mittelschicht

Die wiederum sei bei AfD-Wählern und -Sympathisanten geprägt vom „Gefühl persönlicher Zurücksetzung“: Unabhängig von ihrem wirklichen Einkommen messen sich die AfD-affinen einen niedrigeren gesellschaftlichen Status zu und sehen sich häufiger als der Durchschnitt im Vergleich mit ihren Eltern sozial abgestiegen.

Tatsächlich ist zwar der Großteil der AfD-Wähler laut Studie in der unteren Mittelschicht zu finden. Aber als entscheidenden Antrieb identifizieren die Autoren nicht beispielsweise wirklich erlittene Arbeitslosigkeit – sondern die Furcht um den Arbeitsplatz, gepaart mit dem Gefühl, im Fall des Falls keinen neuen Job finden zu können.

Als Belege für ihre These, dass AfD-Wähler nicht zuletzt am Arbeitsplatz gemacht werden, nannte Richard Hilmer, einer der Autoren, bei der Präsentation der Ergebnisse die Tatsache dass Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 1000 Mitarbeitern „weniger zur AfD neigen“ als in solche in Kleinbetrieben.

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Der Hintergrund: Mit der Größe von Unternehmen steigt auch der Grad der Tarifbindung. Umgekehrt sind Arbeitnehmer ohne Tarifvertrag mit weniger als 2500 Euro Monatseinkommen und maximal mittlerer Bildung deutlich offener für die AfD. Insgesamt gehören laut Studie fünf Millionen Wahlberechtigte zu dieser „speziellen Gruppe der unteren Mittelschicht“; gut ein Fünftel will AfD wählen.

Den Unterschied mache also „das Gefühl von Kontrollverlust und Ausgeliefertsein“, konstatieren die Autoren; „es erhöht die Wahrscheinlichkeit, rechts zu wählen“.

Kontrollverlust

Grundsätzlich attestiert die Studie AfD-geneigten Wählern sogar „die Empfindung eines dreifachen Kontrollverlusts“. Er plage sie in „persönlicher, politischer und nationalstaatlicher Hinsicht“.

Außer um Zukunftsängste gehe es darum, dass Politik und Institutionen als „abgehoben wahrgenommen“ würden. Schließlich sähen die AfD-Wähler und -Sympathisanten sich und die gesamte Bevölkerung vom Staat nicht ausreichend geschützt.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann forderte eine Reaktion der Politik auf die Ergebnisse, konkret unter anderem weniger Leiharbeit und die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung. „Das Auf-sich-selbst-zurück-geworfen-sein“, das viele Arbeitnehmer verspürten, „verträgt sich nicht mit der sozialen Marktwirtschaft.“

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