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Was der Klimawandel auf Kuba anrichtet

Von Die Lasten des Klimawandels sind sehr ungerecht verteilt. Viele Länder haben wenig zum Anstieg der Treibhausgasemissionen beigetragen, sind aber besonders gefährdet. So stellt es der jüngste Bericht des Weltklimarates fest. Kuba gehört zur Gruppe dieser Länder und ist als Inselstaat besonders bedroht.
Ein Foto aus dem Jahr 2005: Menschen aus Havanna stehen in einer Straße und schauen auf die großen Meereswellen, die der Hurrikan Wilma in ihre Stadt treibt.	Foto: dpa Ein Foto aus dem Jahr 2005: Menschen aus Havanna stehen in einer Straße und schauen auf die großen Meereswellen, die der Hurrikan Wilma in ihre Stadt treibt. Foto: dpa
Havanna. 

Der Meeresspiegel steigt, und damit auch die Sorge auf Kuba. „Die Mehrheit unserer Städte liegt an der Küste“, sagt Orlando Rey. Er ist Direktor im kubanischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt und verweist auf eine Prognose: „122 Siedlungen könnten bis zum Jahr 2100 gefährdet sein, 15 davon könnten total verschwinden, eine Millionen Menschen könnten betroffen sein.“

Rey ist Wissenschaftler. Deshalb weist er darauf hin, dass es sich um eine Schätzung handelt. „Es könnte besser oder schlechter sein“, sagt er.

Der Weltklimarat (IPCC) hat aber in seinem jüngsten Bericht, der Zusammenfassung aller bisherigen Ergebnisse, festgestellt: Der Meeresspiegel ist in den vergangenen Jahrzehnten schon gestiegen, und er würde weiter ansteigen, selbst wenn die Weltgemeinschaft sich dazu entschlösse, ab sofort kein Kohlendioxid (CO2) mehr in die Luft zu pusten. Das CO2 entsteht zum Beispiel bei der Verfeuerung von Kohle.

Konkret heißt es im Bericht: „Küstensysteme und tiefliegende Gebiete sind vom steigenden Meeresspiegel bedroht, was Jahrhunderte andauern wird, selbst wenn die globale Temperatur stabilisiert wird.“ Die Aussichten für Kuba sind in dieser Hinsicht also düster – auch weil sich die Kubaner gegen die Folgen der globalen Erwärmung nicht wehren können.

 

Dürren nehmen zu

 

Der kubanische Klimatologe Ramon Pichs gehört dem Weltklimarat an. Er sagt: „Wir haben verschiedene Annahmen getroffen. Die optimistischste ist, dass die globale Temperatur nur um etwa zwei Grad steigt, und zwar im Vergleich zum Jahr 1850. Aber selbst das hätte für Inselstaaten wie Kuba schlimme Auswirkungen.“ Experte Rey konkretisiert: „Im Osten der Insel weiten sich schon jetzt die Gebiete aus, in denen Dürren herrschen. Die Qualität des Bodens wird schlechter, und auch die Biodiversität leidet.“ Künftig könne es weniger Wasserressourcen geben.

Außerdem steigt für Kuba die Gefahr starker Hurrikans. Schon jetzt wird die Insel immer wieder von schweren Wirbelstürmen getroffen, zuletzt im Jahr 2012 von Hurrikan „Sandy“. Der Sturm richtete im Osten schwere Schäden an, unter anderem in der Millionenstadt Santiago de Cuba. Elf Menschen starben. Ihre Zahl war relativ niedrig, weil Kuba über ein gutes Frühwarnsystem verfügt.

Im Bericht des Weltklimarates prognostizieren die beteiligten Wissenschaftler aus aller Welt, dass mit der globalen Erwärmung auch die Oberflächentemperatur der Meere ansteigt. Die stärkste Erwärmung sagen sie für tropische und subtropische Regionen vorher. Je wärmer aber die Oberflächentemperatur der Meere ist, desto größer gilt die Gefahr, dass Hurrikans entstehen. „Es gibt dafür noch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, aber für mich ist der Zusammenhang klar“, sagt Rey.

 

„Finanzielle Grenzen“

 

Die kubanische Regierung fördert erneuerbare Energien. Bis zum Jahr 2030 sollen 24 Prozent des Stroms aus Solarenergie oder Windkraft gewonnen werden. Aber Klimawissenschaftler Pichs betont: „Wir sind ein Entwicklungsland. Es gibt für uns finanzielle und wirtschaftliche Grenzen.“ Er weist noch auf etwas anderes hin: „Diejenigen Staaten, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, müssen mit den schlimmsten Folgen leben: die Inselstaaten, die Länder in Afrika und im südlichen Asien.“

Auf Kuba versucht die Regierung, die Küstenregionen zu schützen, indem sie das Abholzen von Mangroven verbietet und diese Gewächse verstärkt anpflanzt. Mangroven wachsen an Flussmündungen und vertragen Salzwasser. Bei einem Sturm dienen sie als natürlich Barrieren, weil sie den Wellen einen Teil ihrer Kraft nehmen.

Pichs appelliert vor dem Klimagipfel im Dezember 2015 in Paris an das Zusammenwirken aller Länder diese Erde: „Je länger wir warten, um Maßnahmen zu ergreifen, desto geringer werden unsere Möglichkeiten, den Klimawandel zu begrenzen.“

Aber ob in Paris eine Einigung der Weltgemeinschaft gelingt? Der jüngste Klimagipfel im Dezember in Lima machte wenig Hoffnung. Die Delegierten dort konnten sich wieder einmal nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen.

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