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Bauen im Schutzgebiet: Wenn Frankfurt wächst, sind seltene Tiere und die Frischluftschneise bedroht

Von Wohnen im Ballungsraum ist beliebt. Entsprechend will Frankfurt wachsen. Ein neuer Stadtteil mit 10 000 Wohnungen soll im Norden der Metropole entstehen – auf einem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet. Damit wäre die Frischluftzufuhr aus dem Taunus bedroht, warnen Kritiker.
Im Norden von Frankfurt soll ein neues Wohngebiet entstehen – teilweise im Landschaftsschutzgebiet. Im Norden von Frankfurt soll ein neues Wohngebiet entstehen – teilweise im Landschaftsschutzgebiet.
Frankfurt. 

Einen neuen Stadtteil möchte die Frankfurter Regierungskoalition aus SPD, CDU und Grünen. 500 Hektar zwischen Nordweststadt, Praunheim und Niederursel kommen infrage. Als Bauland ausgewiesen werden sollen davon 100 Hektar westlich und 90 Hektar östlich der A 5. Doch die Pläne könnten scheitern. Denn nahezu die gesamte Fläche ist Landschaftsschutzgebiet. Vor allem das Gebiet östlich der A 5 ist streng geschützt. Während Bauen im südlichem Gebiet mit Einschränkungen erlaubt ist, darf im Norden nicht eingegriffen werden.

Die Entscheidung, dort bauen zu dürfen, liegt deshalb nicht allein bei der Stadt. Die Obere Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) in Darmstadt muss zustimmen. Dazu muss Frankfurt begründen, warum es im Stadtgebiet an alternativen Bebauungsmöglichkeiten mangelt. Dieses Verfahren kann zwei Jahre dauern.

Ob die Stadt eine Aufhebung des Landschaftsschutzes beim RP beantragen wird, ist noch unklar. Ausschließen will es Mark Gellert, Referent im Frankfurter Baudezernat, nicht. Neben Autobahn und Stromtrasse ist die Eigenschaft als Schutzgebiet somit eine dritte Hürde auf dem Weg zum neuen Stadtteil. Gellert formuliert es daher vorsichtig: Die 190 Hektar seien mehr eine „bessere Schätzung“, das Areal lediglich „grob abgegrenzt.“

Ausgleich schaffen

Sollte die Stadt tatsächlich auf Teilen des Landschaftsschutzgebiets bauen, müsste sie im Gegensatz für Ausgleich sorgen. Heißt: An anderer Stelle müssten neue Schutzgebiete eingerichtet werden. Zum Beispiel könnte der Grüngürtelpark in Nieder-Eschbach wachsen.

Landschaftsschutzgebiete sollen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten bieten, die aus der Stadt vertrieben wurden. Aber sie sind vor allem eine Gegend mit einem „besonders schönen, seltenen oder vielfältigen Landschaftsbild“, heißt es auf der Internetseite der Stadt Frankfurt. Neben ihrem Erholungswert für die Bewohner der Innenstadt sollen die Naturflächen außerdem kühlend auf das Stadtklima einwirken.

Stadt. Land. Schluss. Wie der neue Stadtteil die letzten Frankfurter Bauern ...

Es wird eng in Frankfurt. Ein neuer Stadtteil zwischen Niederursel und Praunheim soll der Wohnungsnot Abhilfe schaffen. Dort befinden sich aktuell die letzten Äcker und Weiden Frankfurts. Ursprünglich hatte die Stadt Frankfurt das Land übernommen, damit doch nicht gebaut wird. Jetzt bleibt ihr kaum etwas anderes übrig.

clearing

8000 Hektar im Frankfurter Stadtgebiet sind als sogenannter Grüngürtel durch ein spezielles Ortsgesetz vor Bebauung streng geschützt. Dazu gehört die Fläche hinter der Nordweststadt nicht. Trotzdem ist sie für das Stadtklima wichtig. Auch wegen der Frischluftschneise aus dem Taunus. Bei der „avisierten Dimension ist in jedem Fall ein spürbarer Eingriff in das Stadtklima zu erwarten“, heißt es vonseiten des Frankfurter Umweltamtes. Vor allem der Nordwesten sei davon betroffen, weniger die Innenstadt.

Die Größenordnung ist es auch, die den Naturschutzbund (Nabu) an den Bauplänen stört. Auf einen Schlag 10 000 Wohnungen in die Landschaft zu setzen, sei kein „Bauen mit Augenmaß“, sagt Volker Bannert, Vorsitzender des Frankfurter Ortsverbandes. Bei allem Verständnis für die schwierige Lage der Stadt stehe der Nabu den Bauplänen der Stadt skeptisch gegenüber – nicht nur wegen der Gefährdung des Stadtklimas.

Ackerboden geht verloren

Die Frankfurter Naturschützer besitzen auf dem besagten Gebiet rund einen Hektar Land, das sie renaturiert haben. Feldhasen und diverse Vogelarten würden dort Zuflucht suchen, betonen sie. Darunter auch Sumpfrohrsänger und die selten gewordene Feldlerche. Die Zahlen der Tiere gingen dramatisch zurück – ihnen fehle schlicht der Lebensraum. Gegen eine massive Bebauung spricht für den Nabu auch der Verlust des fruchtbaren Bodens. 

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