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Ein satirischer Roman unseres Kolumnisten Rafael Seligmann: Wenn die AfD den Kanzler stellt

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Die Ausgangsidee von Rafael Seligmanns Roman ist genial: Eine AfD-ähnliche Partei stellt einen Juden als Parteichef auf. So befreit sich die Deutsch-Nationale Mehrheits-Partei (DNMP) vom Nazi-Verdacht, und ihr Anführer Paul Levite wird Kanzler – in einer Koalition mit der Linken. Schon deren Parteiname zeigt („DDR“ steht hier für Deutsche Demokratische Real-Sozialisten), dass der Roman an der Grenze zwischen Politkrimi und Satire changiert. Aber das Bündnis der Extreme ist gar nicht so unrealistisch. In Griechenland gibt es eine Koalition von Links- und Rechtsradikalen. Und auch unsere reale Linkspartei zeigt, was die Milde gegenüber Trump anbetrifft, sowie der rechte Front National, was die Nähe zu Russland angeht, dass die Extreme sich berühren können.

Realistisch ist auch die Schilderung der Widerstände der ostdeutschen Roman-AfD gegen den Versuch, ihr die antisemitischen Reflexe abzutrainieren. Levite schafft es aber, die DNMP zu einer rechtspopulistischen, islamkritischen Partei ohne extreme Ausschläge zu machen. Er ist genau die Person an der Spitze, die die AfD nie hatte. Levite beackert relativ seriös jene Felder, die die stark an Angela Merkel angelehnte Roman-Kanzlerin Hedwig Kleinert rechts liegen lässt.

Der Autor bewegt sich in der Schilderung von Kleinert, des eitlen Gauck-ähnlichen Präsidenten Danziger sowie der Partei-Strategien dicht am aktuellen Geschehen. Alles ist gut beobachtet, inklusive der Nöte der „Freien Sozialisten“. Die Roman-SPD widersteht der Versuchung, die nationalen und sicherheitspolitischen Bedürfnisse ihrer Klientel zu bedienen, und zahlt dafür den Preis, marginalisiert zu werden. Ein Schelm, der hier einen versteckten Hinweis an die SPD sieht.

Das Innenleben Levites ist glaubhaft geschildert. Seine Suche nach Anerkennung durch die breite Masse und sein ambivalentes Verhältnis zu ihr haben viel mit seiner jüdischen Identität zu tun. Er liebt seine deutschen Landsleute und misstraut ihnen zugleich. Schließlich sind viele aus seiner Familie durch die Nazis ermordet worden. Am Ende scheitert Kanzler Levite, weil er nicht skrupellos genug ist.

Die anderen Personen im Roman agieren nur als Funktionsträger. Man könnte auch einwenden, dass das Buch zu spät kommt, da es mit der AfD bergab geht. Aber das dachte man auch nach der Euro-Krise, bevor die AfD mit der Flüchtlingskrise wieder hochkam. Wenn die etablierten Parteien sich jetzt zurücklehnen, könnten die Rechtspopulisten schon mit der nächsten Krise wieder erstarken.

(ds)

 

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