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Tödliche Ablenkung: Wer mit Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs ist, spielt mit seinem Leben

Von Das Smartphone ist aus dem Alltag von vielen Menschen nicht mehr wegzudenken. Es kann zur regelrechten Sucht werden und auch dafür verantwortlich sein, dass es zu schweren Unfällen kommt.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Dieser tragische Unfall erschütterte einmal mehr die Öffentlichkeit. Eine 16-Jährige ist an einem Bahnübergang in Babenhausen von einem Zug erfasst und getötet worden. Das Mädchen war mit ihrem Rad auf einem Feldweg unterwegs und wollte die Gleise an einem unbeschrankten Bahnübergang überqueren. Der Lokführer gab zwar noch hörbare Warnsignale ab und bremste, konnte den Unfall aber nicht mehr verhindern.

Die 16-Jährige wurde von dem Personenzug erfasst und so schwer verletzt, dass sie wenig später starb. Vieles deute darauf hin, dass das Mädchen Kopfhörer aufgehabt habe, so die Polizei. Solche Unfälle sind in der Region beileibe keine Seltenheit. Und es muss nicht immer der unbeschrankte Bahnübergang sein, der zum Ort des Schreckens wird. In der Frankfurter Innenstadt wurde in dieser Woche ein 12-jähriges Mädchen schwer verletzt, als sie bei Rotlicht eine Straße überquerte und dabei von einem Auto erfasst wurde. Auch sie soll einen Kopfhörer in den Ohren gehabt haben. Für Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen, steht fest, dass man kein „Experte“ sein muss, um festzustellen, dass in den Städten immer mehr junge Menschen mit Kopfhörern auf dem Rad unterwegs sind. Dass so ein Verhalten sehr gefährliche Situationen nach sich ziehen kann, liegt auf der Hand, so Blanke. „Je nach Lautstärke der Kopfhörer verlangsamt sich die Reaktionszeit zwischen 20 und 50 Prozent“, so der ADAC-Fachmann.

Im Alltag integriert

Äußerst problematisch findet es Blanke, wenn Radfahrer oder Fußgänger mit sogenannten Ear-Plugs unterwegs sind. „In solchen Situationen wundern sich die anderen Verkehrsteilnehmer, warum diese Zeitgenossen auf keine Warnsignale reagieren“, sagt er. Gegen solche Verkehrsverstöße helfen nach Ansicht von Blanke auch keine hohen Strafen. Sie wirkten vielleicht bei „Geringverdienern“, aber bei „Leuten, die mit einem 5000-Euro-Karbonrad“ unterwegs sind, zeigten sie keine Wirkung. Um Unfällen dieser Art, die unserer „Kommunikations- und Mobilitätsgesellschaft geschuldet“ seien, entgegen zu wirken, setzt Blanke auf Aufklärung. Und die sollte schon in der Schule beginnen. Ein Patentrezept gegen die „Blindfische“ im Straßenverkehr kennt dagegen Siegfried Brockmann nicht.

„Bei vielen ist das Smartphone komplett in den Alltag integriert und es wird immer genutzt. Auch beim Radfahren“, sagt der Sprecher der Unfallforschung der Versicherer. Brockmann macht in solchen Fällen bei diesen Menschen ein klares Suchtverhalten aus. Wenn die WhatsApp-Nachricht auf dem Smartphone „einlaufe“, würden diese Zeitgenossen sofort nervös und bekäme feuchte Hände. Aufklärung komme bei diesen Smartphone-Süchtigen nicht an. Auch ein Heroinsüchtiger lasse sich nicht durch den Hinweis, Heroin schade seiner Gesundheit, vom Drogenkonsum abhalten. Auch durch Schockvideos sei „bestöpselten“ Radfahrern oder Fußgängern nicht beizukommen. „Sie nehmen die Gefahr lediglich abstrakt wahr und denken, das betrifft mich ja nicht“, so Brockmann weiter. Der Unfallexperte sieht allenfalls technische Möglichkeiten, um Unfälle dieser Art zu verhindern. So könnte das Smartphone so konfiguriert sein, dass es sich „bei Bewegungen“ ausschalte.

65 Unfälle pro Jahr

Nach Angaben des Hessischen Innenministeriums habe es in den vergangenen beiden Jahren jeweils 65 Unfälle gegeben, bei denen die „Handynutzung“ dafür verantwortlich war. Auch Unfälle, bei denen die Nutzung von Kopfhörern eine Rolle spielten, fallen hierunter. Unabhängig von der Unfallzahl habe die hessische Polizei das Thema „Ablenkung“ beziehungsweise „schwächere Verkehrsteilnehmer“ als ein Präventionsschwerpunkt bei dem Programm „Verkehrssicher in Hessen“ erhoben.

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