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Silvester in Köln: Wie die Polizei zu „Nafri“ kam

Umstrittener Tweet Foto: Martin Gerten (dpa) Umstrittener Tweet
Köln. 

„Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ Dies twitterte die Kölner Polizei in der Silvesternacht kurz nach 23 Uhr. Im neuen Jahr muss sie sich nun gegen Kritik wehren – auch wegen dieses Tweets. Warum? Und was versteht die Polizei unter einem „Nafri“? Fragen und Antworten im Überblick.

Was passierte in der Kölner Silvesternacht?

Massenhafte Übergriffe wie vor einem Jahr gab es nicht. Damals hatten enthemmte Männergruppen am Hauptbahnhof Frauen eingekesselt, sexuell angegriffen und beraubt. Viele Beschuldigte waren Nordafrikaner und Flüchtlinge. Als Reaktion schickte die Kölner Polizei ein Jahr später ein riesiges Polizeiaufgebot in den Einsatz, vor allem der Hauptbahnhof wurde überwacht. Am späten Samstagabend trafen dort nach Angaben der Polizei „mehrere Hundert Nordafrikaner“ ein. Sie wurden festgehalten, ihre Papiere kontrolliert. Einige seien danach direkt wieder mit dem Zug weggefahren.

Was bedeutet „Nafri“?

Das Wort stammt aus dem Sprachgebrauch der Polizei. Eine trennscharfe Definition, was damit genau gemeint ist, gibt es aber nicht. Daher rühren auch in gewisser Weise die Verwirrung und Empörung nach dem Polizei-Tweet. „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Nafri und Neger?“ twittert etwa Satiriker Jan Böhmermann an Neujahr. In der Vergangenheit wurde der Begriff von der Kölner Polizei meist verwendet, um „nordafrikanische Intensivtäter“ zu beschreiben. Die „sogenannte Nafri-Szene“ gehöre zu den Gruppen, die der Polizei Sorgen machten, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies noch im Dezember. Davon abweichend ist allerdings auch eine Definition im Umlauf, wonach das Wort allein eine ethnische Zugehörigkeit beschreiben soll – also Nordafrikaner, unabhängig von einer möglichen Straffälligkeit.

Der Begriff ist also schon länger im Umlauf ?

Ja. Die Kölner Polizei befasst sich schon seit langer Zeit mit Tätergruppen aus Nordafrika und gebraucht das Wort. In einem internen Schreiben, das vor der Silvesternacht 2015 verschickt wurde, heißt es etwa, es habe in den vergangenen Jahren bereits vermehrt Taschendiebstähle gegeben. „Dies dürfte maßgeblich auf die Täterklientel NAFRI zurückzuführen sein, die die günstigen Tatgelegenheitsstrukturen nutzen.“

Was sagt die Kölner Polizei zu dem umstrittenen Tweet?

Polizeipräsident Mathies spricht von einem „Arbeitsbegriff“ innerhalb der Polizei. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich nicht bestreiten – dafür müsse man dann intern auch ein Begriff finden. Die Verwendung in dem nächtlichen Tweet bedauert er. „Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation“, sagte er dem WDR.

Worauf zielt die Kritik an der Polizei im Kern?

Hier sind zwei Stränge zu trennen: Die Kritik an der Polizeikontrolle an sich und jene am Begriff „Nafri“ und dem Tweet. Sofern man „Nafri“ mit Straftäter übersetzt, lässt sich der Tweet als Vorverurteilung begreifen. Kritik an der Kontrolle nordafrikanisch aussehender Männer kommt von Grünen-Chefin Simone Peter. Es stelle sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, „wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt“ würden.

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