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Engagement für die EU: Wie eine Frankfurter Initiative Europa retten will

Von „Pulse of Europe“ soll der europäischen Idee wieder auf die Sprünge helfen. Wie das Projekt von drei Frankfurtern im neuen Jahr Fahrt aufnehmen soll, verraten diese im Gespräch mit dieser Zeitung.
Wollen Europa retten (von links): Karl-Burkhard Haus, Hansjörg Schmitt und Daniel Röder. Foto: Rainer Rüffer Wollen Europa retten (von links): Karl-Burkhard Haus, Hansjörg Schmitt und Daniel Röder.
Frankfurt. 

Die Europäische Union erlebt derzeit die größte Krise ihres Bestehens. Vom (Fast) Zusammenbruch des EU-Gründers Griechenlands, über den Brexit, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, vor allem in den südlichen Ländern der EU, bis hin zur Flüchtlingskrise reichen die ungelösten Problemfelder der Gemeinschaft. Verschärfend kommt noch hinzu, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs keine gemeinsame Agenda mehr haben. Fast jedes EU-Mitglied ist auf seine eigenen Probleme fokussiert. Die Unfähigkeit, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, ist deshalb die größte Gefahr für den Zusammenhalt Europas.

Drei Frankfurter machen sich deshalb große Sorgen. Um Europa kreisen ihre Gedanken. Dabei denken sie zu allererst an die entscheidenden Wahlen, die im nächsten Jahr in der EU anstehen. Und zwar in den Niederlanden, in Frankreich im Frühjahr und im September in Deutschland.

Einer von ihnen heißt Karl-Burkhard Haus, ist Texter und 52 Jahre alt. Er erklärt das Projekt, das ihn und seine Freunde antreibt. „Von Frankfurt geht unsere private Initiative aus, die europafreundliche Menschen anstiften möchte, an den nächsten Wahlen teilzunehmen, um radikale Nationalisten zurückzudrängen“, fasst Haus das Projekt zusammen. „Pulse of Europe“ (www.facebook.com/Pulseofeurope) haben die Macher ihr Projekt getauft. „Etwas Drama motiviert ja immer, daher der hochtrabende Name“, schmunzelt Haus.

Hansjörg Schmitt und Daniel Röder, beide 44 Jahre alt, gehören ebenfalls zum „Puls-of-Europe-Team“. Letzterer war auch der Impulsgeber für das gemeinsame Projekt. „Nach dem Brexit und der Wahl von Donald Trump war es für mich klar, dass ich etwas tun muss, um die europäische Idee zu verteidigen“, sagt Röder, der als Rechtsanwalt arbeitet.

Der Zusammenbruch

Auch sein Kompagnon Schmitt ist Jurist und darüber hinaus noch Banker. Er ist sich sicher, wenn die Rechtspopulisten Geert Wilders in den Niederlanden und Marine Le Pen in Frankreich bei den Wahlen in ihren Ländern das Rennen machen, Europa auseinanderbrechen wird. „Populisten und rechte Kräfte meinen heute, sie haben das Sagen. Wir glauben aber, dass das nicht so ist. Deshalb wollen wir Zeichen setzen und die Menschen aus ihrer Lethargie herausholen“, sagt Schmitt.

Röder vergleicht diese Lethargie mit der Biedermeierzeit. Mit dem Begriff Biedermeier verbindet man heute in erster Linie eine bürgerliche Kultur, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Nicht die Repräsentation stand hier beim Bürgertum im Vordergrund, sondern das häusliche Glück in den eigenen vier Wänden, die zum Rückzugsort wurden.

Und in diesem Zustand der „Insichgekehrtheit“ verorten die Initiatoren von „Pulse of Europe“ auch die große Mehrheit der Bevölkerung. Diese könnten dann in diesem „Zustand“ den Untergang Europas verpassen. Für Röder, Schmitt und Haus ist es jedenfalls schon „fünf vor zwölf oder später“, um die EU zu retten. Die EU sei nämlich nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Friedensgemeinschaft. Trotzdem sehen die drei Europa-Protagonisten die EU nicht gänzlich unkritisch. „Die EU ist zu weit weg von den Bürgern“, sagt Röder. Und Schmitt ergänzt, dass die EU nicht als eine Organisation wahrgenommen werde, die den Bürgern das Leben leichter mache. Darüber hinaus stellt Haus fest, dass in der EU zu viel „reglementiert“ werde. Letztlich bestehe in der Europäischen Union ein „Demokratiedefizit“, konstatieren die drei Europa-Freunde. Die Skepsis vieler Bürger gegenüber herrschenden Institution betreffe aber nicht nur die EU, der deutsche Staat sei auch „unter Beschuss“, so Schmitt. Und hier möchte die Initiative einhaken. „Für unser Projekt wollen wir alle Menschen ansprechen, auch die Europa-Skeptiker“, sagt Schmitt.

Vorsicht geboten

Dass Europa als Einheit bestehen muss, steht für die Drei außer Frage. Die weltpolitische Lage mache das erforderlich. Schmitt verweist dabei auf Putins Politik in Russland, der „das Rad der Geschichte zurückdrehen will“. Auch im Hinblick auf die USA sei Vorsicht geboten. Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsident könnte sich die USA eher auf ihr nationales Wohl konzentrieren. Wegen dieser großpolitischen Gemengelage sei es deshalb mehr als erforderlich, dass Europa mit einer Stimme spreche.

Würde Europa nach den Wahlen im nächsten Jahr zerfallen, könnte das für die Einzelstaaten teuer werden. Schmitt verweist dabei auf die hohen Kosten für die eigene Sicherheit, die von den Ländern dann aufgebracht werden müssten. „Bei den Sozialausgaben werden dann wohl Einsparungen vorgenommen werden müssen“, vermutet Schmitt. Am 15. Januar des kommenden Jahres soll dann das „Pulse-of-Europe-Projekt“ richtig Fahrt aufnehmen. Das Trio plant an diesem Tag auf dem Frankfurter Goethe-Platz eine Kundgebung, die Europa wieder auf die Sprünge helfen soll.

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