E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

Lageberichte aus Berlin, Hamburg und München: Wie sicher sind unsere Bahnhöfe?

Offener Rauschgifthandel, Gewalt, Prostitution – die Situation am Hauptbahnhof in Frankfurt hatte sich im Jahr 2016 derart zugespitzt, dass manche Bürger schon von einem "rechtsfreien Raum" sprachen. Wie ist das in anderen Städten? Lageberichte aus Berlin, Hamburg und München.
Gefährliche Glitzerwelt: Blick von oben auf den Frankfurter Hauptbahnhof Foto: 111413500 Gefährliche Glitzerwelt: Blick von oben auf den Frankfurter Hauptbahnhof

Offener Rauschgifthandel und -konsum, verunsicherte Bürger – die Situation am Hauptbahnhof in Frankfurt hatte sich im Jahr 2016 derart zugespitzt, dass manche Bürger schon von einer „No-go-Area“ und einem „rechtsfreien Raum“ sprachen. Im November zog die Polizei die Notbremse, bildete eine Sonderorganisation und entsandte 100 zusätzliche Beamte ins Bahnhofsviertel.

Auch wenn sich die Situation durch die Kontrollen verbessert hat: Die Drogendealer sind weiterhin da, das Quartier um den Hauptbahnhof bleibt ein Kristallisationspunkt für die Straßenkriminalität. Wir nahmen das zum Anlass, zu fragen, wie die Situation in anderen Metropolen ist. Treiben dort auch Rauschgifthändler ihr Unwesen? Fühlen sich die Passanten dort sicher? Hier die Lageberichte aus Berlin, Hamburg und München.

Fahrgäste laufen am Bahnsteig 103 des Hauptbahnhofs in Frankfurt. Archivfoto: dpa
FNP-Umfrage So sicher fühlen sich die Frankfurter am Hauptbahnhof

Wir haben Sie gefragt, wie sicher Sie sich am Frankfurter Hauptbahnhof fühlen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die meisten Frankfurter fühlen sich relativ sicher - es gibt aber deutliche Ausreißer.

clearing

Berlin

Hauptbahnhof und Angst? Berliner und selbst Berlinerinnen halten dieses Wortpaar für einen Witz. Drogendeals und jegliche sonstige Kriminalität jenseits des Taschendiebstahls wähnen sie sonstwo – ganz sicher nicht in der Nummer vier unter den meistfrequentierten Fernbahnhöfen der Republik. „Viel zu aseptisch“ finden sie das Innenleben der beiden Türme aus Glas, Stahl und Beton – und „ja nun wirklich sehr gut bewacht“. Letzteres lässt sich objektivieren und basiert auf der direkten Anbindung ans Regierungsviertel; das Kanzleramt ist Luftlinie 300 Meter entfernt – wenn auch der offiziell Regierungsreisende fliegt und nicht Bahn fährt. Ersteres hat mit den gut 80 Geschäften zu tun, die sich zwischen den Gleisetagen im jeweils zweiten Ober- und Untergeschoß befinden. Viele inszenieren sich weit jenseits der üblichen Bahnhofs-Eilabfertigung in Richtung edel und schick.

Indes: Gefühl ist das Eine. Was sagen die Fakten? Der Hauptbahnhof gehört – laut dem aktuellsten Kriminalitätsatlas aus dem Jahr 2015 – nicht zu den 23 unsichersten Orten der Hauptstadt. Und auch nicht der vielen Menschen der Generationen 50plus noch als Hort von Drogendeals, Rauschgiftkonsum und Prostitution geltende Bahnhof Zoo.

Christiane F., das Heroin-Mädchen vom Ende der Siebziger, ist Geschichte. Im Frühling 2017 ist „der Zoo“ vor allem anderen eine Baustelle. Er soll, nach Jahren des Niedergangs, der im Ende des ICE-Halts seinen Tiefpunkt fand, nun wieder schick werden wie in den Sechzigern. Auf seiner hässlichen Seite, in der Jebensstraße, trifft sich, wie vor vierzig Jahren, noch immer das Elend. Jetzt aber nicht mehr zum Drücken und Freieranmachen, sondern vor allem bei der Bahnhofsmission und der Caritas-Ambulanz für Wohnungslose.

Die Drogenszene ist weitergezogen, in die Parks wie den Tiergarten im Westen und den Görlitzer im Osten – und vor allem in die viel überlaufeneren und viel schlechter zu überwachenden U- und S-Bahnhöfe. Am „Kotti“, dem Kottbuser Tor, und am „Alex“, dem Alexanderplatz, bieten sie ihren Stoff schon Zwölfjährigen an – und die Polizei bekommt die Szene dort nicht in den Griff. „Für Rauschgifthändler und ihre Kunden“, steht im Kriminalitätatlas, „bietet der ÖPNV aufgrund der hohen Mobilität und Unübersichtlichkeit gute Tatgelegenheiten.“

Zusammengenommen sind die Fernbahnhöfe – Berlin hat insgesamt vier – vergleichsweise sichere Orte, weil die Dealer und Diebe und Prügler und Prostituierten-Feilbieter viel bessere Gelegenheiten finden. Das Regierungsviertel mit Reichstag und Brandenburger Tor, den Alex, den Kudamm listet die Polizei als kriminelle Hotspots – vor allem, weil die dort flanierenden Touristen, zwölf Millionen im Jahr, die Kriminellen anziehen, nicht zuletzt die organisierten Banden. Alles stadtgeografisch ganz nahe bei den Bahnhöfen – aber eben viel schlechter unter Kontrolle zu kriegen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: München

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen