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Missbrauchsskandal: „Wir erfahren keine Namen und Orte“

Von Die Selbsthilfeorganisation „Eckiger Tisch“ kritisiert die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche. Diese nenne weder die Namen der Täter noch die Orte der Taten
Die katholischen Bischöfe beschäftigen sich bei ihrer in Fulda beginnenden Herbst-Vollversammlung vor allem mit den Lehren aus dem Missbrauchsskandal. Foto: Uwe Zucchi/Symbolbild Die katholischen Bischöfe beschäftigen sich bei ihrer in Fulda beginnenden Herbst-Vollversammlung vor allem mit den Lehren aus dem Missbrauchsskandal.
Frankfurt/Berlin. 

Kritik an der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche kommt von der Berliner Selbsthilfeorganisation „Eckiger Tisch“. Der Vorwurf: Ein großer Teil der Verbrechen bleibe weiterhin im Dunkeln, Matthias Katsch, Sprecher der Organisation.

Die jetzt vorgelegte sozialwissenschaftliche Studie dürfe nicht mit einer Aufarbeitung verwechselt werden. „Wir erfahren keine Namen von Tätern. Es werden auch keine verantwortlichen Bischöfe genannt, die das System aus sexuellen Übergriffen über Jahrzehnte gedeckt und perfektioniert haben“, sagt Katsch. Stattdessen würden Zahlen erhoben, die nur einen sehr unvollständigen Eindruck vom tatsächlichen Ausmaß des Missbrauchs durch Priester vermittelten.

Darüber hinaus sei die Studie vom Umfang her unvollständig, weil die Ordensgemeinschaften (Jesuiten, Benediktiner etc.) nicht untersucht wurden. Ordensgemeinschaften von Frauen seien ebenfalls nicht einbezogen worden.

Das System aus Missbrauch, Versetzung und Vertuschung konnte die Studie nicht abbilden, so die Auffassung der Selbsthilfeorganisation. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Menschen, die sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erleben mussten, bewege sich „in völlig anderen Dimensionen“, als es die vorgelegten Zahlen suggerieren.

„Es ist jetzt auch endgültig deutlich geworden, dass sich eine Organisation, in der so viele Täter und Vertuscher aktiv waren, nicht selbst aufarbeiten kann“, so Katsch weiter. Eine unabhängige Aufarbeitung müsse Namen, Fakten und Orte konkret benennen, um Täterstrategien, Netzwerke und Muster aufzeigen zu können, um die Täter zu stoppen.

Der „Eckige Tisch“ fordert deshab eine unabhängige, staatliche Untersuchungs- und Aufarbeitungskommission. Diese müsse professionell ausgestattet sein und Zugang zu allen Akten bekommen. Sie müsse Betroffene anhören und Zeugen vernehmen können. Gute Vorbilder hierfür seien beispielsweise die australische „Royal Commission“ oder die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen in Pennsylvania (USA). Schließlich müsse auch der Vatikan seine „Aktenschränke“ öffnen.

Weiterer Kritikpunkt ist die geringe finanzielle Entschädigung der Opfer. Bisher gewähre die Kirche auf Antrag lediglich eine „Materielle Leistung in Anerkennung des Leids“ von durchschnittlich 3000 Euro, weil sie sich nicht für die Taten selbst verantwortlich fühle, sondern lediglich anerkenne, dass dem Opfer durch den Täter Unrecht widerfahren sei.

Spätestens durch die jetzt vorliegende Studie sei deutlich geworden, dass in der Katholischen Kirche Täter systematisch geschützt und dadurch Kinder fortgesetzt sexuellen Übergriffen ausgesetzt wurden, beispielsweise durch die beschriebene Praxis der wiederholten Versetzungen von Tätern.

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