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Wolfgang Schäuble zur Kanzlerin und möglichen Koalitionen: Wolfgang Schäuble über Merkel: "Sie ist die Klügste"

Von Wolfgang Schäuble macht sich keine Illusionen: Die Union hat Wähler verloren. Kann sie diese wieder zurückgewinnen?
Wolfgang Schäuble beim dpa-Hintergrundgespräch. Foto: Kay Nietfeld (dpa) Wolfgang Schäuble beim dpa-Hintergrundgespräch.
Berlin. 

Finanzminister Wolfgang Schäuble macht aus der Not eine Tugend. Er weiß durchaus, dass die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, eine vierte Amtsperiode anzustreben, bei einigen keine Euphorie auslöste. Sondern den Vorwurf, ein „weiter so“ reiche nicht. Schäuble räumt gerne ein, dass Merkel nicht für die großen Zukunftsentwürfe stehe. Aber die seien eh immer nur Theorie.

Merkel sei eben so wie sie ist, so wie Helmut Kohl eben, als er selbst lange erfolgreich gewesen sei. „Sie ist die Klügste und wir unterstützen sie als unsere Kanzlerkandidatin“, so der Unionspolitiker gestern Abend beim Hintergrundgespräch der Deutschen Presseagentur (dpa).

Nach seiner Rolle als Reservekanzler gefragt, die ihm während des Scheitelpunktes der Flüchtlingskrise zugeschrieben worden war, kokettiert er mit seinem Alter. Er sei mit seinen 74 Jahren ja schon in einer Art „Altersteilzeit“, was allerdings nicht zu seiner gestern bekräftigten Ankündigung passt, in Berlin weitermachen zu wollen.

Lieber mit den Grünen

Ihm wäre allerdings lieb, es nicht als Minister in einer großen Koalition tun zu müssen. „Das kann keine Dauerlösung sein,“ meint Schäuble und verweist noch einmal darauf, wie nahe Union und Grüne sich nach der Bundestagswahl 2013 bereits gekommen waren. Doch vor allem Jürgen Trittin sei dafür verantwortlich gewesen, dass sich das Fenster der Gelegenheit damals wieder geschlossen habe.

Für Schwarz-Grün würde es allerdings nach jetzigen Umfragewerten 2017 nicht reichen. Wäre eine von Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch ins Spiel gebrachte Ergänzung von Schwarz-Grün durch die FDP eine charmante Lösung? Er halte zum jetzigen Zeitpunkt wenig von solchen Gedankenspielen, sagt Schäuble, weist aber immerhin darauf hin, dass die Liberalen von jeher der Wunschpartner der Union gewesen seien.

Der Finanzminister ist sich im Klaren darüber, dass der CDU während der Flüchtlingskrise viele Wähler verlorengegangen sind. Man habe im vergangenen Jahr zu spät versucht, zwischen den Werten allgemeiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gegenüber dem eigenen Volk einen Kompromiss zu finden. Selbst der Papst, der ansonsten radikal für die Armen eintrete, habe kürzlich am Reformationstag in Schweden von der Notwendigkeit einer solchen Vermittlung gesprochen.

Schäuble ist gleichwohl optimistisch, dass die CDU mit Geduld und ehrlicher Aufklärung die Skeptiker, von denen er auch etliche in seiner badischen Heimat kenne, zurückgewinnen könne. „Man muss, mit Luther gesprochen, dem Volk aufs Maul schauen, darf ihm aber auch nicht nach dem Mund reden.“

Der Finanzminister ist der Ansicht, dass man künftig wieder mehr auf den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft achten müsse und kritisierte in diesem Zusammenhang Bonus-Exzesse wie beispielsweise in der Deutschen Bank.

Schäuble glaubt mitnichten, dass Merkel die Union zu weit nach links gerückt habe. Eine moderne Volkspartei könne sich nicht so aufstellen wie die Seniorenunion in seiner Heimat, so der Minister.

Gelassenheit empfiehlt er auch beim Blick auf die internationalen Krisen und den Vormarsch der Populisten. In Frankreich traut er dem konservativen François Fillon zu, Marine Le Pen vom Front National als nächste Präsidentin zu verhindern. Mit Donald Trump müsse man möglichst gut zusammen arbeiten, auch wenn die Nachricht von dessen Wahl „meine Morgenlaune nicht aufgehellt hat“, sagt Schäuble.

Der Lösung der Kanzlerfrage bei der SPD sieht er entspannt entgegen: „Das entscheidet die SPD – und der, der’s wird, hat die Ehre, zu verlieren.“

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