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Arbeitsmarkt: Zahl der Zweitjobber steigt stark

Seit Jahren steigt die Zahl der Nebenjobber in Deutschland. Mehr als drei Millionen sind es 2017. Die einen finden das gut. Andere sehen darin ein alarmierendes Signal.
Symbolfoto Foto: (22897753) Symbolfoto

Immer mehr Menschen gehen neben ihrem Hauptberuf einem Nebenjob nach. Das geht aus den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit hervor und einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch in Frankfurt steigt die Zahl der Mehrfachbeschäftigten. Während vor zehn Jahren noch 36 459 Arbeitnehmer ihren Verdienst mit einem Nebenjob aufbesserten, waren es in diesem März 51 835.

Als einen „alarmierenden Trend“ bezeichnet daher Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Rhein-Main, die wachsende Zahl der Nebenberufler. „Daran zeichnet sich ab, dass immer mehr Menschen mit einem Job allein nicht über die Runden kommen.“ Besonders die Gastronomie drohe eine Minijob-Domäne zu werden. Das Problem: Bei den geringfügigen Beschäftigungen werde meist nur Mindestlohn gezahlt. Außerdem seien das keine gesicherten Arbeitsplätze. Da sich die meisten Minijobber von Sozialbeiträgen freistellen ließen, sagt Enzo Weber, Verfasser der IAB-Studie, zahlten sie weniger in die Rente ein und seien daher im Alter schlechter abgesichert.

Verdienstgrenze angehoben

Bis 2003 habe die Zahl der Mehrfachbeschäftigten bei etwa 1,25 Millionen stagniert und sei dann sprunghaft angestiegen, sagt Weber. Aktuell liegt sie deutschlandweit bei 3,07 Millionen.

Vor allem Gastronomie und Einzelhandel

Jeder dritte Mehrfachbeschäftigte geht in Haupt- und Nebenberuf der gleichen Tätigkeit nach. Dabei werden die Nebenjobs meist in typischen Dienstleistungsberufen ausgeübt.

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Weber stellt einen Zusammenhang zur Hartz-II-Reform von 2003 her. Damit hob der Gesetzgeber die Verdienstgrenze von 325 Euro auf 400 Euro an, ab der Sozialversicherung und Einkommenssteuer gezahlt werden müssen. Seit 2013 liegt die Grenze bei 450 Euro. Damit wurden geringfügige Beschäftigungen attraktiver – es bleibt mehr „Netto vom Brutto“. Es verwundert daher nicht, dass über 80 Prozent der Nebenberufe Minijobs sind.

„Vor allem Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen bessern ihr Gehalt mit einem Zweitjob auf“, sagt Weber. So verdienten Nebenjobber in ihrem Hauptberuf im Monat durchschnittlich 570 Euro weniger als Einfachbeschäftigte (siehe Info). In den vergangenen Jahren seien zudem die Löhne niedrigqualifizierter Arbeitnehmer kaum gestiegen, der Reallohn sogar im Schnitt gesunken. „So begünstigt die Lohnentwicklung, dass die Nebentätigkeiten zunehmen“, sagt Weber.

Als weiteren Grund nennt die Studie, dass immer weniger Menschen in einer Vollzeitstelle arbeiteten. 17,6 Prozent der beitragspflichtigen Arbeitnehmer in Frankfurt waren im Jahr 2007 in Teilzeit beschäftigt. Heute sind es 26,3 Prozent. Damit werden Arbeitnehmer flexibler, ein Nebenjob zeitlich möglich.

Positiv bewertet Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dass mehr Menschen einen Zweitjob ausüben. Zumal es wegen der guten Wirtschaftslage dazu ausreichend Möglichkeiten gebe. So könne der klassische selbstständige Künstler, der nebenher Taxi fährt, dank des Nebenjobs seinen künstlerischen Beruf ausüben. Auch die IAB-Studie führt als wichtigstes Motiv nach dem finanziellen Anreiz an, dass die Tätigkeit den Arbeitnehmern Freude bereitet – etwa wenn man nebenher mit einer Band Konzerte gibt.

Durch den gesetzlichen Mindestlohn kombiniere man seltener mehrere Minijobs, sagt Brenke. Auch Cox sieht darin einen wichtigen Schritt. Mit 8,84 Euro pro Stunde sei der Satz jedoch zu niedrig, um allein mit einem Vollzeitjob in Frankfurt leben zu können. Seite 7

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