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Fachleute der EU dringen auf mehr Fahrverbote: Zu viel Schadstoff in Europas Luft

Von Die Luftverschmutzung in europäischen Städten ist nach Einschätzung von EU-Experten bedenklich. Sie rufen nach Konsequenzen.
Die Abgase eines Autos verpesten die Luft. Foto: Franziska Kraufmann (dpa) Die Abgase eines Autos verpesten die Luft.
Brüssel. 

Mehr Fahrverbote für Straßen mit dicker Luft, Sperrungen der Innenstädte für alte Fahrzeuge: Forderungen wie diese haben führende Umwelt- und Gesundheitsforscher der EU gestern in Brüssel, Straßburg und Kopenhagen erhoben. Angesichts von 467 000 Menschen, die jedes Jahr in der Union an durch eine zu hohe Luftverschmutzung ausgelösten Krankheiten sterben, seien „drastische Maßnahmen nötig“, sagte der Geschäftsführer der Europäischen Umweltagentur (EUA), Hans Bruyninckx, bei der Vorlage des Jahresberichtes zur Luftqualität in Kopenhagen.

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Kommentar Politik Ungesunde Perspektiven

Die Menschen werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass der Ruf nach autofreien Innenstädten nicht länger mehr nur eine unsinnige grüne Vision bleiben kann.

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Besonders dramatisch ist demnach die Lage für Stadtbewohner. Legt man Grenzwerte der EU zugrunde, waren im Berichtsjahr 2014 rund 17 Prozent der Städter gefährlich hohen Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt. Noch alarmierender sei die Situation, wenn man als Basis die Höchstwerte nimmt, die laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits als schädlich gelten. Dann leben 85 Prozent der Bewohner von Ballungsgebieten mit einer Belastung, die gesundheitsgefährdende Auswirkungen hat.

Landwirtschaft mitschuld

Davon betroffen ist Deutschland, wo – wie auch in den Niederlanden, Großbritannien und Griechenland – der Verkehr Hauptverursacher der schlechten Luft sei, hieß es in Kopenhagen. Die Bundesrepublik bekam noch einen zusätzlichen Rüffel, weil vor allem die Landwirtschaft durch einen deutlich zu hohen Ausstoß von Ammoniak zur Bildung von riskanten Luftpartikeln beitrage.

Tatsächlich ist der Gesundheitszustand der Europäer nicht gut. „Ungefähr 50 Millionen Menschen in der EU sind mehrfach chronisch krank, und mehr als eine halbe Million Menschen im erwerbsfähigen Alter sterben jedes Jahr an chronischen Krankheiten“, sagte der für Gesundheitsfragen zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis am selben Tag in Brüssel.

Dort stellten die EU-Behörde sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine weitere Studie vor zur Frage: „Wie gesund leben die Europäer?“, und auch dabei gibt es Probleme an allen Ecken. 37 Prozent der Menschen überlebten im Berichtsjahr 2013/14 Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht. Krebs blieb mit 27 Prozent die zweithäufigste Todesursache, danach folgten mit acht Prozent Atemwegserkrankungen. Zwar habe sich die Lebenserwartung auf nunmehr 78,1 Jahre für Männer und 83,9 Jahre für Frauen deutlich erhöht. Aber man komme beim Abbau vermeidbarer Risiken wie Alkohol, Rauchen oder Übergewicht nicht wirklich weiter. 16 Prozent aller Erwachsenen gelten als dickleibig oder adipös.

Viele sind zu dick

Eine der Ursachen sehen die OECD-Forscher in wachsenden Defiziten der Systeme. So sei die ärztliche Versorgung in weiten Teilen der untersuchten 41 europäischen Staaten mangelhaft. 27 Prozent der Patienten hätten nur deswegen die Notaufnahme eines Krankenhauses aufgesucht, weil sie keinen Arzt erreichten. 15 Prozent der Krankheitskosten mussten die Patienten im Berichtsjahr aus eigener Tasche zahlen. Die Rede ist von einem Zwei-Klassen-System.

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