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Bewährungsprobe: Zwei Feinde als Doppelspitze bei der CSU

Aus Sicht der CSU-Anhänger sei zuletzt schon der Himmel eingestürzt, sagt Horst Seehofer im Rückblick auf die herben internen Machtkämpfe. Nun räumt er tatsächlich einen seiner Posten – für einen, der nun vor seiner größten Bewährungsprobe steht.
Demonstratives Händeschütteln: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und Finanzminister Markus Söder vor Beginn der Vorstandssitzung. In der Mitte Innenminister Joachim Herrmann, der zuvor ebenfalls Interesse an einer Kandidatur zum Regierungschef angemeldet hatte. Foto: Amelie Geiger (dpa) Demonstratives Händeschütteln: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und Finanzminister Markus Söder vor Beginn der Vorstandssitzung. In der Mitte Innenminister Joachim Herrmann, der zuvor ebenfalls Interesse an einer Kandidatur zum Regierungschef angemeldet hatte.
München. 

Im Moment seines größten politischen Triumphes blickt Markus Söder betont ernst in die Fernsehkameras. Er spricht von Mut und Demut. Von Dankbarkeit. Und er verspricht Einsatz, Fleiß, neues Miteinander, ein Aufeinanderzugehen. Von Jubel keine Spur. „Einerseits freue ich mich natürlich über den Zuspruch und das Vertrauen“, ist das Maximale, was ihm an Gefühlsregungen zu entlocken ist. Andererseits aber wisse er um die Herausforderung. „Ich spüre natürlich auch und weiß, dass das jetzt eine große Aufgabe ist.“

Und doch ist der 50-Jährige jetzt am Ziel. Nach vielen Irrungen und Wirrungen, nach einem erbitterten internen Machtkampf, nach einem fast beispiellosen Gezerre steht fest: Söder wird im Frühjahr zum nächsten bayerischen Ministerpräsident gewählt werden. Horst Seehofer räumt für Söder seinen Posten, sogar vorzeitig, will aber Parteivorsitzender bleiben. Eine Doppelspitze Seehofer-Söder also.

„Time Is On My Side“, die Zeit läuft für mich – den Song von den Rolling Stones hatte Söder schmunzelnd zu einem seiner Lieblingstitel erklärt. Er setzte darauf, dass es am Ende auf ihn hinauslaufen würde. Und tatsächlich lief es seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl klar auf Söder zu.

Schnell wurde klar, dass sich Seehofer nie in beiden Ämtern würde halten können. Reihenweise forderten Bezirksvorstände, Landtagsabgeordnete und die Junge Union seinen Rücktritt als Regierungschef. Vor allem in der Landtagsfraktion sammelten sich die Truppen gegen Seehofer – und für Söder. „Viele wollen einen Putsch – aber ohne Putsch“, orakelte ein CSU-Mann schon vor Wochen. So ist es ja nun irgendwie auch gekommen.

Am Ende blieb Seehofer keine Wahl mehr: Er musste das Ministerpräsidentenamt räumen. Aber für wen? Wirklich für Söder? Wo die beiden einzigen CSU-Alphatiere doch seit Jahren aneinander gekettet, aber doch in inniger Feindschaft verbunden sind?

Unvergessen sind die Vorwürfe Seehofers, Söder leiste sich zu viele „Schmutzeleien“, zeige „charakterliche Schwächen“ und einen „pathologischen Ehrgeiz“. Und gerade einmal ein Jahr ist es her, da warf Seehofer Söder in Abwesenheit vor, Eigennutz vor Gemeinwohl zu stellen. Wiederholt mussten sich beide zu „Friedensgipfeln“ treffen, um die Wogen zu glätten – die Halbwertszeit: jeweils überschaubar.

Tatsächlich gab es in den vergangenen zehn Tagen, seit Seehofer die Bekanntgabe seiner Zukunftspläne noch einmal verschoben hatte, viele Versuche des Anti-Söder-Lagers, diesen auf den letzten Metern zu verhindern. Innenminister Joachim Herrmann wurde gebeten, gegen Söder anzutreten – auch von Seehofer persönlich? Der versichert, er habe alles Denkbare für eine „Konsenslösung“ getan.

Tatsächlich teilt Herrmann erst gestern mit, dass er verzichtet. Zu groß war der Rückhalt in der Fraktion für Söder, der wohl gegen Herrmann eine klare Mehrheit bekommen hätte. Das hat auch Seehofer am Ende erkannt. Eine „befriedende“ Lösung gegen den Willen der Fraktion sei nicht möglich, argumentierte er intern. Und so macht er, weil es nicht mehr anders geht, den Weg für seinen Rivalen frei. Er selbst bleibt dafür Parteichef. Und könnte womöglich als Minister nach Berlin wechseln.

Und so muss Seehofer nun öffentlich erklären, warum er plötzlich für Söder ist. „Ich hatte jetzt nicht Überwindungsprobleme gegenüber Personen“, versichert er etwas umständlich. Die neue Formation habe aber im Landtagswahljahr „die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit“.

Aber Seehofer und Söder als Doppelspitze, wie soll das gehen? „Heute definitiv sehr herzlich“, berichtet der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Seehofer und Söder betonen, man habe zuletzt offen und vertraulich miteinander gesprochen – was vor zwei Wochen noch ganz anders klang. Und überhaupt: Man habe in schwierigen Situationen immer vertrauensvoll zusammengearbeitet. Söder verweist auf die gemeinsame Verantwortung, auch im Kampf gegen die AfD. „Deswegen kommt es jetzt darauf an, vor der Geschichte zu bestehen: auch der CSU-Geschichte und der Geschichte dieses Landes. Und dazu ist es wichtig, dass die Stärksten eng zusammenarbeiten.“

dfg f dgh tg

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