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Zwei weitere Tote in Venezuela - Kot-Beutel gegen Polizei

Eskalation statt Entspannung in Venezuela: Chávez-Büsten werden zerstört, junge Leute bewerfen bei Protesten gegen eine drohende Diktatur die Polizei neuerdings mit Fäkalien. Der Blutzoll ist hoch.
Bei Anti-Regierungs-Protesten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas schützt sich ein Demonstrant mit einem selbstgebauten Schild vor einem Wasserwerfer. Foto: Ariana Cubillos Bei Anti-Regierungs-Protesten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas schützt sich ein Demonstrant mit einem selbstgebauten Schild vor einem Wasserwerfer. Foto: Ariana Cubillos
Caracas. 

Die gewaltsamen Proteste in Venezuela gegen Präsident Nicolás Maduro haben zwei weitere Todesopfer gefordert, damit stieg die Zahl der Toten bereits auf 39 seit Anfang April.

Wie die Behörden mitteilten, wurde ein 26-Jähriger bei einer Oppositionskundgebung in Caracas erschossen. „Mit großer Trauer muss ich mitteilen, dass ein weiterer junger Mann ermordet worden ist”, sagte der Bürgermeister des Stadtteils Baruta, Gerardo Blyde. Bei der Demonstration wurden zudem über 80 Menschen verletzt. Zudem starb ein am Montag verletzter 32-Jähriger in Mérida an seinen Verletzungen.

Die Proteste eskalieren zunehmend. Junge Gegner der Regierung werfen seit Tagen mitunter auch mit Fäkalien, Exkrementen und Urin gefüllte Beutel und Flaschen auf Soldaten und Polizisten der Nationalgarde, die mit Tränengasbomben versuchen, sie zurückzudrängen. Auf einzelnen Behältern stand der Spruch: „Con mucho cariño” (Mit viel Liebe).

Junge Menschen weinten hemmungslos, als der in Caracas niedergeschossene Mann tot in eine Klinik eingeliefert wurde. Zuletzt hatte schon der Tod eines jungen Musikers für einen großen Aufschrei gesorgt. Der lange von den Sozialisten geförderte Stardirigent Gustavo Dudamel brach daraufhin mit Maduro. Dudamel (36), der das Philharmonieorchester von Los Angeles dirigiert und als jüngster Maestro dieses Jahr virtuos das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker geleitet hat, forderte Maduro auf, auf das Volk zu hören und die Unterdrückung zu stoppen.

Auch im Inland wächst von vielen Seiten der Druck auf Maduro, da ein Bürgerkrieg drohen könnte. Die Toten sind überwiegend Anhänger der Opposition, aber auch Sicherheitskräfte und Anhänger der Sozialisten starben, einige der Opfer kamen auch bei Plünderungen ums Leben.

Die Opposition fordert das Militär zum Bruch mit Maduro auf. Die Demonstranten sehen Venezuela unter dem Sozialisten auf dem Weg in die Diktatur - sie fordern rasche Neuwahlen und die Freilassung von Gefangenen wie des Oppositionsführers Leopoldo López.

Maduro wirft der Opposition vor, mit Hilfe der US-Regierung von Präsident Donald Trump einen Putsch vorzubereiten - zuletzt traf sich Parlamentspräsident Julio Borges mit hochrangigen US-Vertretern.

Auch mehrere Büsten von Hugo Chávez wurden in den vergangenen Tagen vom Sockel geholt und zerstört - der 2013 verstorbene Präsident hatte das Projekt eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts” begründet. Als der Ölpreis noch hoch war, konnten im Land mit den größten Ölreserven Millionen Menschen aus der bitteren Armut geholt werden, das Bildungs- und Gesundheitssystem wurde auch mit kubanischer Hilfe modernisiert.

Heute steht das Land nach Jahren der Misswirtschaft vor dem Ruin, Lebensmittel und Medikamente fehlen. Nach neuesten Zahlen starben allein 2016 rund 11 500 Kinder jünger als ein Jahr, was einen Anstieg der Kindersterblichkeit um rund 30 Prozent bedeutet. Mindestens 1600 Menschen wurden in den vergangenen vier Wochen festgenommen, das von der Opposition dominierte Parlament wehrt sich gegen ein Aburteilen von Gegnern Maduros durch Militärtribunale.

(dpa)
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