Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 25°C
1 Kommentar

Gewalt gegen pflegebedürftige alte Menschen: „Dann haut man schon mal zu“

Von Wie viele Pflegebedürftige misshandelt werden, weiß niemand. Ein Gedenktag will morgen darauf aufmerksam machen, doch die Hilflosigkeit überwiegt. Und manchmal eskaliert die Situation schon bei der Körperpflege.
Was sich zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen abspielt, bleibt häufig im Dunkeln. Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) Was sich zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen abspielt, bleibt häufig im Dunkeln.
Frankfurt. 

„Meine Mutter wird im Heim am Rollstuhl fixiert, was soll ich tun?“ „Ich kann nicht mehr mit ansehen, wie mein Schwiegervater seine schwer demenzkranke Frau misshandelt.“ Es sind Anrufe wie diese, die bei der Frankfurter Initiative gegen Gewalt im Alter „Handeln statt Misshandeln“ (HSM) ankommen. Sie zeigen, so die Vorsitzende Ute Glasemann, nur die Spitze des Eisbergs. „Viele wissen ja gar nicht, wo sie anrufen sollen.“

Morgen will der „Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen begangen“ zum zwölften Mal auf das Thema aufmerksam machen. Geändert habe sich seit dem ersten Gedenktag aber nicht viel, so Glasemann.

Die Probleme beginnen schon bei der Definition. „Gewalt reicht vom Anschreien über Schläge und Vernachlässigung bis hin zu sexuellem Missbrauch und finanzieller Ausbeutung, so Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Das meiste davon geschehe hinter verschlossenen Heim- und Haustüren. „Für die Forschung ist das schwierig“, betont sie.

Dabei wäre das Forschungsfeld groß. Derzeit leben nach Angaben des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) etwa 2,9 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland. 70 Prozent von ihnen und immerhin 60 Prozent der 1,6 Millionen Demenzkranken werden derzeit zu Hause versorgt, überwiegend von Angehörigen.

Biografie spielt eine Rolle

„Wenn man das grundsätzlich in Frage stellen würde, hätte man ein echtes Problem,“, räumt Saxl ein. Doch wenn Kinder oder Ehepartner bei der Pflege rund um die Uhr im Dauereinsatz sind, liegen die Nerven irgendwann blank. „Dann haut man schon mal zu“, bringt es Glasemann auf den Punkt. „Manchmal spielt auch die Biografie eine Rolle“, erklärt sie. Da wolle sich der Sohn vielleicht unbewusst an dem Vater rächen, der ihn früher geschlagen habe.

Ruth Müller von der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt möchte das Problem nicht skandalisieren, nur dafür sensibilisieren – und verweist auf Angebote der Alzheimer Gesellschaften (www.frankfurt-alzheimer.de), das Frankfurter Programm „Würde im Alter“ (www.aelterwerden-in-frankfurt.de) und den Pflegestützpunkt, um Angehörigen zu beraten und zu entlasten. Überforderung sieht sie als Grund aller Probleme. Gerade die Verhaltensweisen von Demenzkranken stellen Pflegende vor besondere Herausforderungen, so Saxl. „Einige stellen zehn Mal dieselben Fragen oder laufen dem Pflegenden sogar auf die Toilette hinterher.“ Manche verweigern die Körperhygiene.

Das Problem mit der Körperpflege stellt sich auch in Heimen, wie Ute Glasemann selbst erlebt hat. „Es gibt schwer Demenzkranke, die sich einkoten, sich nicht waschen wollen und den Pflegern gegenüber aggressiv werden“, so ihre Erfahrung. „Wenn da zwei Leute kommen, die alte Frau festhalten und gegen ihren Willen waschen, ist das natürlich auch schon Gewalt.“

Die Pflegekräfte seien oft in großer Not, die Probleme würden unter den Teppich gekehrt. Dabei könnten ein Deeskalationstraining und Wissensvermittlung helfen. „Wer behauptet, es in Heimen keine Gewalt, der verkennt die Realität“, ist sich Glasemann sicher. Auch ein ambulanter Pflegedienst werde nicht zugeben, dass er einer alten Dame die Nase zuhält, damit sie ihre Medikamente schluckt. „Man will sich selbst ja kein Armutszeugnis ausstellen.“

Für Hausärzte könne es ebenfalls schwierig sein, Anzeichen für Gewaltanwendungen gegen ältere Menschen richtig einzuschätzen“, so Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Erste Auswertungen einer Studie hätten ergeben, dass viele Hausärzte in diesem Bereich Fortbildungsbedarf sehen. Aber auch die Politik sei in der Verantwortung, müsse „mehr Transparenz zu Gewaltpräventionsmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen durchzusetzen.“ Klar sei jedenfalls: „Es gibt dringenden Handlungsbedarf.“ Durch den demographischen Wandel steige schließlich auch die Zahl der Pflegebedürftigen – und damit der potenziellen Opfer.

dfg f dgh tg

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse