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Merkel kandidiert erneut –: „Ich will weiter Dienst für Deutschland tun“

Die Kanzlerin hat lange überlegt, sagt sie – jetzt tritt Angela Merkel wieder an. Ihre Botschaft: In Krisenzeiten komme es auf Zusammenhalt an. Die CDU in der Region freut es.
Angela Merkel schaut hoffnungsfroh in die Zukunft. Gestern verkündete sie, 2017 erneut als Kanzlerkandidatin für die Union in den Wahlkampf ziehen zu wollen. Foto: TOBIAS SCHWARZ (AFP) Angela Merkel schaut hoffnungsfroh in die Zukunft. Gestern verkündete sie, 2017 erneut als Kanzlerkandidatin für die Union in den Wahlkampf ziehen zu wollen.
Berlin. 

CDU-Chefin Angela Merkel hat gut zehn Monate vor der nächsten Bundestagswahl ihre vierte Kanzlerkandidatur angekündigt. Die Menschen hätten in diesen Zeiten wenig Verständnis, „wenn ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun“, sagte Merkel am Sonntagabend in Berlin. Die 62-Jährige kündigte an, für die volle Legislaturperiode anzutreten – „wenn die Gesundheit es zulässt“.

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Auf Nummer sicher

Angela Merkel macht auf Helmut Kohl. Wenn sie auch nach der nächsten Bundestagswahl Regierungschefin bleibt (und die Legislatur beendet), wäre sie wie der Pfälzer 16 Jahre im Kanzleramt.

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Über die Entscheidung für eine erneute Kandidatur als CDU-Chefin und für das Kanzleramt habe sie „unendlich viel“ nachgedacht. „Die Entscheidung für eine vierte Kandidatur ist nach elf Amtsjahren alles andere als trivial. Weder für das Land, noch für die Partei, noch – und ich sag’s ganz bewusst in dieser Reihenfolge – für mich persönlich.“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) freut sich über die erneute Kanzlerkandidatur von Parteichefin Angela Merkel. „Mit Angela Merkel als Spitzenkandidatin hat die Union bei der nächsten Bundestagswahl die besten Siegchancen“, teilte Bouffier mit. „In einer immer unübersichtlicheren Welt ist sie ein Garant der Stabilität. Sie steht für ein geeintes, demokratisches und selbstbewusstes Europa. Die führenden Staatsspitzen in der Welt hören auf den Rat der deutschen Bundeskanzlerin.“

Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Boddenberg ergänzte, Merkel habe einen Blick für das Ganze. „Immer wieder hat sie sich als herausragende Krisenmanagerin gezeigt und unter ihrer Verantwortung steht Deutschland so gut wie nie da.“ Deswegen habe keiner so gute Erfolgsaussichten wie die Bundeskanzlerin.

Erfreute Abgeordnete

Der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer wertet Merkels Entscheidung als „absolut positiv“. Sie sei „die angesehenste Regierungschefin in Europa und weit über Europa hinaus“, sagte Zimmer. „Es wäre in diesen schwierigen Zeiten fatal, wenn die zentrale Führungsfigur in Europa nun verloren ginge.“

Auch die Königsteiner CDU-Vorsitzende Annette Hogh sieht Merkels Botschaft als „positives Signal“. Merkel habe allerdings einiges vor sich. „Sie muss einerseits Rot-Rot-Grün verhindern und andererseits die AfD in die Schranken weisen.“ Letzteres heiße auch, enttäuschte CDU-Wähler zurückgewinnen zu müssen, sagt Hogh.

Etwas Skepsis hört man beim hessischen CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch heraus: „Die Verkündung ihrer Kandidatur war nicht besonders überraschend. Es ist allerdings weniger Begeisterung für Merkel als bei vorangegangenen Wahlen zu spüren. Auch in der CDU gibt es etliche, die vor allem wegen der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik hadern. Wir haben mit Asylpaket I und II zwar viel erreicht. Es wird aber auch ein Wort dazu erwartet, dass da etwas falsch gelaufen ist. Wir müssen nun sehen, dass wir aus dem Stimmungstief herauskommen. “

Merkel erwartet im Bundestagswahlkampf Anfechtungen von allen Seiten. „Diese Wahl wird wie keine zuvor – jedenfalls seit der deutschen Wiedervereinigung nicht – schwierig.“ Sie erwarte nicht nur Herausforderungen von Rechts und von Links und eine starke Polarisierung der Gesellschaft. Auch europäisch und international drohten Anfechtungen „für unsere Werte“ und „unsere Art zu leben“. Merkel kündigte an, dass CSU-Chef Horst Seehofer nicht als Gast zum CDU-Parteitag in Essen am 6. Dezember kommen werde. Beide hätten sich geeinigt, „im Sinne der Reziprozität“ (Wechselseitigkeit) zu verfahren, sagte Merkel. Sie war ihrerseits nicht beim CSU-Parteitag eingeladen.

DGB-Chef Reiner Hoffmann begrüßte, dass Merkel Klarheit geschaffen hat. „Wir benötigen jetzt aber auch Klarheit bei der SPD.“ Deshalb sei es an der Zeit, dass sich SPD-Chef Sigmar Gabriel erkläre.

SPD: Die Luft ist raus

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte: „Nach zwölf Jahren im Amt ist die Luft wirklich raus. Sie hat keine Antworten auf die wirklichen Probleme und Sorgen der Menschen in unserem Land.“

Die Linke prophezeite für den Fall einer weiteren Amtszeit der Kanzlerin die Fortsetzung einer „Politik der sozialen Spaltung“.

Die Grünen kündigten einen harten Wahlkampf über Klimaschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt an. FDP-Chef Christian Lindner sagte: „Die Union zieht ihren letzten Trumpf und weiß nicht, ob er noch sticht.“ mov, ch, ds, sj, dpa

Berichte und Kommentar S. 2

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