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Analyse: AfD erobert den Osten und zielt auf den Westen

AfD-Chef Bernd Lucke jubelt während einer Wahlparty seiner Partei. Foto: Jens Büttner AfD-Chef Bernd Lucke jubelt während einer Wahlparty seiner Partei. Foto: Jens Büttner
Berlin/Potsdam. 

Mit breiter Brust sind die Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) in diese Landtagswahlen hineingegangen - mit noch mehr Selbstvertrauen kommen sie heraus. Sachsen, Thüringen, Brandenburg: Von 0 auf 3 Landtage binnen 2 Wochen. Und das jeweils zweistellig.

«Man kann es einfach nicht mehr abstreiten, die Bürger dürsten nach einer politischen Erneuerung im Lande», sagt Parteichef Bernd Lucke am Sonntag, als er vor die jubelnden Parteimitglieder auf der Wahlparty in Potsdam tritt. Und: «Sie dürsten nach dieser Erneuerung, weil sie die Profillosigkeit der Alt-Parteien satt haben.»

Lucke spricht von einem «fantastischen Wahlergebnis», weil die AfD in Brandenburg und Thüringen erneut ein zweistelliges Ergebnis erzielt hat. Herrschte auf der Berliner Wahlparty zur Abstimmung in Sachsen vor zwei Wochen noch zurückhaltende Freude vor, jubeln die Anhänger in Potsdam nun lautstark. Auch das Ausscheiden der FDP aus beiden Landesparlamenten sorgt für laute, helle Freude bei den vorwiegend männlichen Parteifreunden. Anzüge dominieren das Bild.

Die AfD stehe für vernunft- und wertorientierte Politik, sagt Lucke hoch erhobenen Kopfes. «Dafür werden wir anerkannt von den Bürgern, und das offenbar von Wahl zu Wahl mehr.» Man werde gegen den Euro zu Felde ziehen und sich für haushaltspolitische Stabilität einsetzen, verspricht ein strahlender Parteichef.

Brandenburgs Landesparteichef Alexander Gauland reckt bei den ersten Prognosen die Arme hoch und spricht danach vom «glücklichsten Tag in meinem Leben». Nun gehe es auf zu den Wahlen in Hamburg und Bremen im kommenden Jahr, sagt er. «Wir sind in der deutschen Politik angekommen, und es wird uns daraus keiner mehr verdrängen.» Die anderen müssten sich warm anziehen. Immer wieder brandet Jubel auf.

Dass die AfD zuletzt mit großem Selbstbewusstein um Wähler warb, hat die männerdominierte Partei einer Frau zu verdanken: Frauke Petry, die in Sachsen als Spitzenkandidatin im August maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die neue Partei dort 9,7 Prozent der Wählerstimmen erhielt. Denn: Nach dem guten Abschneiden der rechtskonservativen Partei in Sachsen stiegen für die AfD auch die Umfragewerte in Thüringen und Brandenburg.

Nach der Sachsenwahl waren der Brandenburger Spitzenkandidat Alexander Gauland (73) und Björn Höcke (41), der den Wahlkampf in Thüringen führt, gemeinsam mit Petry in Berlin vor die Presse getreten, um sich ein wenig im Glanz der Siegerin zu sonnen. Dabei fiel einmal mehr auf, wie unterschiedlich die Charaktere sind, die diese erst vor eineinhalb Jahren gegründete Partei prägen.

Während Petry eher auf Familienthemen und zupackende Freundlichkeit setzt, bedient das ehemalige CDU-Mitglied Gauland vorwiegend den Stammtisch. Gemeinsamkeiten entdeckt Gauland auf verschiedenen Seiten des politischen Spektrums. Zwei Tage vor der Landtagswahl erklärte er, bei der Ablehnung der Euro-Rettungspolitik könne er durchaus Übereinstimmungen mit den Linken erkennen. Bei der Frage, ob auch ehemalige Mitglieder rechtsradikaler Parteien in die AfD aufgenommen werden sollten, zeigt er sich offener als AfD-Chef Bernd Lucke, der mehrfach deutlich auf Distanz zum rechten Rand gegangen ist.

Auf den hemdsärmeligen Oberstudienrat Björn Höcke passt das Etikett «Rechtspopulist», das der Partei von vielen verpasst wird, besser als auf den sehr bürgerlichen Volkswirtschaftsprofessor Lucke. Im Wahlkampf hat er sich als Mann hervorgetan, der gegen die «Phrasologie der Altparteien» wettert.

Mit den Themen «Zuwanderung» und «Innere Sicherheit» spricht die AfD im Osten auch viele Menschen an, die zuletzt die CDU gewählt hatten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat deshalb die Parole ausgegeben: Wir arbeiten nicht mit der AfD zusammen, kümmern uns aber um solche Themen, mit denen sie erfolgreich Wahlkampf gemacht haben.

(Von Anne-Beatrice Clasmann und Alexander Riedel)
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