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Analyse: Zu Besuch beim bösen Nachbarn

Donald Trump macht gar keinen Hehl daraus, kein besonderer Freund von Ausländern zu sein. Von illegalen ohnehin nicht. In Arizona zieht er richtig vom Leder. Sein Überraschungsbesuch beim Lieblingsfeind Mexiko scheint nur ein Ablenkungsmanöver.
Für Trump bedeutet Mexiko vor allem eine Gefahr. Foto: Jorge Nunez Für Trump bedeutet Mexiko vor allem eine Gefahr. Foto: Jorge Nunez
Mexiko-Stadt. 

Zu Gast bei Feinden: Donald Trump, Polit-Rebell Kämpfer gegen politische Korrektheit, gibt sich staatsmännisch und besucht in Mexiko den Lieblingsfeind.

„Ich habe großen Respekt vor den Mexikanern in den Vereinigten Staaten, vor ihrem Glauben, ihren Familienwerten und ihrer Gemeinschaft”, näselt er ins Mikrofon in Mexiko-Stadt, neben ihm am Podium Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.

Wenige Stunden später in Arizona dann wieder der alte Trump, demagogisch, populistisch, wie man ihn seit Monaten kennt. „Wir werden eine großartige Mauer entlang der Südgrenze bauen”, sagte er unter tosenden Jubel-Sprechchören seiner Anhänger in Phoenix. „Und Mexiko wird die Mauer bezahlen. Hundert Prozent. Sie wissen es noch nicht, aber sie werden die Mauer bezahlen.”

Trump war in seinem Element, als er ein Zehn-Punkte-Programm zur Migrationspoltitik vorstellte. Er begann vergleichsweise sachlich, ansatzweise sogar fundiert. Er lieferte Zahlen und versuchte sich an Fakten. Doch je länger der mehr als einstündige Husarenritt in Sachen Ausländerpolitik dauerte, desto mehr redete sich der Republikaner in Rage, desto emotionaler wurde er.

Neutrale Analysten waren sich einig: Alles in allem hat er seinen Anhängern nach dem Mund geredet, seine vorhandete Basis gestärkt. Doch neue Wähler? So nicht. Trump hat erneut gezeigt: Seine Ausländerpolitik besteht aus der fixen Idee des Mauerbaus. Wesentlich mehr hat er inhaltlich nicht drauf.

Trump hat bei der Ankündigung seiner Kandidatur Mexikaner als Drogenhändler und Vergewaltiger verunglimpft. Das schränkte er auch in Arizona kaum ein. Er sprach von Drogenkartellen und Menschenhändlern, die bekämpft werden müssten. In Mexiko selbst gab er sich versöhnlicher.

Als er den mexikanischen Präsidenten trifft, reden die beiden Männer in der Residenz des Staatschefs eingerahmt von Flaggen vor dem mächtigen Staatswappen von „offenen und konstruktiven” Gesprächen. Doch die Einschätzung der Beziehung könnte unterschiedlicher nicht sein.

Peña Nieto betont die großen Chancen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, spricht von einer Million Menschen, die täglich legal die verkehrsreichste Grenze der Welt überschreiten, beschwört die Dynamik des gemeinsamen nordamerikanischen Marktes.

Für Trump bedeutet Mexiko vor allem eine Gefahr. Menschenhandel, Drogenschmuggel, das Freihandelsabkommen Nafta führe dazu, dass Industriearbeitsplätze von den Vereinigten Staaten nach Mexiko abwanderten, sagt der milliardenschwere Unternehmer. Peña Nieto schaut etwas gequält in die Ferne.

„Gleich zu Beginn des Gesprächs habe ich Donald Trump klar gemacht, dass Mexiko nicht für die Mauer zahlen wird”, schreibt er später bei Twitter. „Danach hat sich die Unterhaltung auf andere Themen zubewegt und sehr respektvoll entwickelt.

Auf beiden Seiten des Rio Grande spekulierten die Analysten, was sich Trump und Peña Nieto von der ungewöhnlichen Stippvisite versprechen. Die Zustimmungswerte des mexikanischen Präsidenten sind im Keller und für den Besuch des latino-feindlichen Populisten hat in Mexiko kaum jemand Verständnis. „Er droht uns mit Krieg und Mauern, aber wir öffnen ihm den Nationalpalast”, sagte Senatspräsident Roberto Gil.

Ende der vergangenen Woche hatte die mexikanische Regierung beide US-Präsidentschaftskandidaten eingeladen, Clinton lehnte angeblich ab. Dem Vernehmen nach hatte Peña Nieto schlicht nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Trump zusagt. „Ich weiß nicht, wie Sie darauf gekommen sind, dass es eine gute Idee sein könnte, Donald Trump einzuladen”, sagt der mexikanische Politik-Analyst Alejandro Hope.

Peña Nietos Einladung an Donald Trump birgt nach Einschätzung von Mexikos Ex-Präsidenten Vicente Fox ein großes politisches Risiko. Sollte sein Umgang mit dem ungeliebten Gast als zu freundschaftlich empfunden worden sein, werde ihm das schaden, sagt er im US-Fernsehsender CNN. „Er wird als Verräter gesehen, weil wir es nicht hinnehmen, beleidigt zu werden.”

Für Trump wäre der Besuch eine Möglichkeit gewesen, mit Hinblick auf die Wahlen einen moderateren Kurs in Einwanderungsfragen einzuschlagen und sich den gemäßigten Konservativen in den USA anzudienen. Doch das nahm er selbst Stunden später schon wieder zurück.

Robert Costa von der „Washington Post” hatte eine einfachere Erklärung: „In seinem Wahlkampfteam haben sie sich gefragt: Wie können wir in dieser Woche die Schlagzeilen bestimmen?” Spin-Doktor hinter der Idee sei Trumps neuer Kampagnenchef Stephen Bannon gewesen. „Er mag die Überraschung, er mag den politischen Kampf”, sagt Costa im US-Frühstücksfernsehen.

Latinos, eine wichtige Wählergruppe in den USA, dürfte Trump aufgrund seiner zahlreichen Ausfälle vor der Präsidentschaftswahl kaum noch auf seine Seite ziehen. In Mexiko stieß der Besuch von Trump ohnehin weitgehend auf Unverständnis. Politiker aller politischer Lager verurteilten das Treffen von Peña Nieto mit dem New Yorker Millionär. Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen auch eine Form von Ausländerpolitik geschrieben stand:„Trump, Go Home”.

(Von Denis Düttmann und Michael Donhauser, dpa)
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