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Brexit-Fernseh-Fragestunde: Camerons fehlende Leidenschaft

Bei seinem dritten TV-Auftritt vor dem EU-Referendum gelingt es Cameron, sich beim Thema Jo Cox nicht aufs Glatteis führen zu lassen. Er konzentriert sich lieber auf die wirtschaftlichen Gefahren eines Brexit. Nur kurz kann er das Publikum für sich gewinnen.
Wird der Ton um den Brexit nach dem Mord an der Abgeordneten Cox nun gemäßigter? Foto: Wolfgang Kumm Wird der Ton um den Brexit nach dem Mord an der Abgeordneten Cox nun gemäßigter? Foto: Wolfgang Kumm
London. 

Der britische Premierminister David Cameron hat sich am Sonntagabend im BBC-Fernsehen den Fragen eines Studiopublikums gestellt. Rund 45 Minuten beantwortete er die Fragen von Zuschauern und Moderator David Dimbleby. Am 23. Juni stimmen die Briten über einen Austritt ihres Landes aus der EU ab.

Nur drei Tage nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox spielte auch die Brexit-Debatte selbst eine Rolle. Ansonsten waren die Themen bekannt: drohende wirtschaftliche Konsequenzen eines Brexit und Immigration.

Hat das EU-Referendum - angesichts des Mords an Jo Cox - die Debattenkultur in Großbritannien vergiftet? Diese Frage stellte ein Mann aus dem Publikum gleich zu Beginn der Fragestunde im Fernsehen. Cameron hätte das zum Anlass nehmen können, die Gegenseite in der Debatte um das EU-Referendum anzugreifen. Doch auf dieses Glatteis ließ sich der Premier nicht führen. Zu groß die Gefahr, sich den Vorwurf einzufangen, den Tod der 41-Jährigen politisch ausnutzen zu wollen.

Stattdessen setzte Cameron zu einem Appell für Toleranz an und leitete dann rasch zu seinem Lieblingsthema über: Wirtschaft. Es ist stets die gleiche einfache Formel. Großbritanniens Wirtschaft würde durch einen Brexit schrumpfen, dadurch gäbe es weniger Arbeitsplätze und weniger Steuereinnahmen.

Immer wieder versuchte Moderator Dimbleby das Thema Migration in den Mittelpunkt zu stellen - Cameron antwortete stets mit der Wirtschaft und appellierte an den gesunden Menschenverstand. Der Internationale Währungsfonds, die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die Bank of England, alle kämen sie zu dem gleichen Schluss - ein Brexit sei schlecht für Großbritanniens Ökonomie.

Warum es ihm und anderen Gegnern eines Brexit dennoch nicht gelinge, eine Mehrheit der Wähler überzeugen, wollte eine Frau wissen - Cameron bleib die Antwort schuldig.

Möglicherweise liegt es an mangelnden Emotionen: Als ein Mann Cameron mit dem ehemaligen britischen Premier Neville Chamberlain verglich, der es durch seine Appeasement-Politk versäumt hatte, den Expansionsgelüsten Hitlers Einhalt zu gebieten, wurde Cameron sauer. Und das kam an.

Die Europäische Union sei nicht mit Diktaturen aus der Vergangenheit zu vergleichen, sagte Cameron. Er sehe sich in der Tradition Winston Churchills und wolle für eine bessere EU kämpfen, statt sich davonzuschleichen - großer Beifall. Doch am Ende verfiel er dann doch wieder in die alten Phrasen von der wirtschaftlichen Gefahr.

(dpa)
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