E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Krawall oder Frieden? - Berlin übt verbale Abrüstung

Es ist jedes Jahr das gleiche Ritual: Am 1. Mai kracht es in Berlin. Gewaltbereite suchen die Auseinandersetzung mit der Polizei. In diesem Jahr reden die Behörden einen ruhigen Feiertag herbei.
Demonstrant mit Irokesen-Haarschnitt am 01.05.2005 während der traditionellen 1.Mai-Demonstrationen in Kreuzberg. Seit 1987, als ein Supermarkt in Flammen aufging, kommt es regelmäßig zu Krawallen im Rahmen der Demonstrationen um den 1. Mai. Foto: Marcel Mettelsiefen Demonstrant mit Irokesen-Haarschnitt am 01.05.2005 während der traditionellen 1.Mai-Demonstrationen in Kreuzberg. Seit 1987, als ein Supermarkt in Flammen aufging, kommt es regelmäßig zu Krawallen im Rahmen der Demonstrationen um den 1. Mai. Foto: Marcel Mettelsiefen
Berlin. 

Es ist jedes Jahr das gleiche Ritual: Am 1. Mai kracht es in Berlin. Gewaltbereite suchen die Auseinandersetzung mit der Polizei. In diesem Jahr reden die Behörden einen ruhigen Feiertag herbei.

Der 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg gilt als "Mutter aller Krawalle". Seitdem - nun 25 Jahre - heißt die jährliche Frage in der Hauptstadt: Bleibt es ruhig oder knallt es wieder? Jahrelang suchten gewaltbereite Linksradikale immer wieder die Auseinandersetzung mit der Polizei. Auch diesmal stimmt sich die Szene im Internet auf die "Insurrection Days" (Tage des Aufstandes) ein. Doch die Berliner Politik beschwört einen friedlichen 1. Mai - trotz Krawall-Jubiläums.

die linke Szene schäumte vor Wut. Laut Einsatzprotokoll der Polizei warfen Vermummte plötzlich Steine auf Polizisten. "Als Reaktion wurde Tränengas eingesetzt. Im Nachhinein muss man leider sagen: ziemlich wahllos", sagt Helmut Sarwas, damals Beamter bei den Einsatzhundertschaften. "Damit war der Damm gebrochen." Rund 900 meist junge Menschen liefern sich eine heftige Schlacht mit der Polizei. "Das war Bürgerkrieg", sagt Sarwas.

Der "Kiezaufstand" mündete in den Folgejahren in der "Revolutionären 1. Mai Demo", die in den Abendstunden immer wieder Verwüstungen mit sich zog. "Zunehmend beherrschten nicht mehr Linksautonome das Feld, sondern Randale-Kids, Krawall-Touristen und Betrunkene", sagt Protestforscher Dieter Rucht. Erst in den vergangenen zehn Jahren nahmen die Krawalle ab.

Die Behörden halten daher auch in diesem Jahr an ihrer Taktik fest. Intensive Gespräche mit den Organisatoren sollen die Gemüter frühzeitig beruhigen. Die Polizei ging Kompromisse ein. Erstmals darf die krawallträchtige Demo von Kreuzberg ins Regierungsviertel ziehen - vorbei an potenziellen Angriffszielen. Solange es friedlich bleibt, sollen sich die bis zu 7000 Beamten im Hintergrund halten, gegen Störer aber gezielt vorgehen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) weiß, dass verbale Abrüstung nötig ist. Nach Jahren ist mit ihm erstmals wieder ein CDU-Innensenator im Amt. Protestforscher Rucht glaubt, Linke könnten sich schon allein daran stören. Im Netz wird angekündigt, man werde Henkel einen "feurigen Empfang" bereiten. "Wir gehen von einem friedlichen 1. Mai aus", sagt der Politiker.

Mit "möglichen Einzelaktionen" wisse man umzugehen, betont die Polizei. Selbst die Deutsche Polizeigewerkschaft, sonst schnell alarmiert, ist optimistisch. "Ausschreitungen werden wohl nicht ganz ausbleiben", sagt Landeschef Bodo Pfalzgraf. "Aber die Einsatzkräfte werden ihr Mögliches tun, die Lage nicht eskalieren zu lassen." Bis zu 15 000 Menschen sollen nach Anmelderangaben am Abend von Kreuzberg ins "Zentrum der Macht" ziehen. Im vergangenen Jahr war es so friedlich wie lange nicht - das ist die Messlatte.

(dpa)
Zur Startseite Mehr aus Thema des Tages

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen