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Porträt: Armeechef Prayuth nur widerwillig im Rampenlicht

General Prayuth Chan-ocha hat das Kriegsrecht verhängt. Foto: Rungroj Yongrit General Prayuth Chan-ocha hat das Kriegsrecht verhängt. Foto: Rungroj Yongrit
Bangkok. 

General Prayuth Chan-ocha meditierend im Lotussitz, beschwörend murmelnd: «Kein Putsch, kein Putsch», während der oberste Regierungsgegner Suthep ihn mit einer Feder an der Nase kitzelt.

Diese Karikatur, vor kurzem in einer thailändischen Zeitung veröffentlicht, illustriert den Widerwillen von Thailands Armeechef, die Macht im Land zu übernehmen.

Ohne Lösung der politischen Krise und mit wachsender Gewalt auf den Straßen gab er dem Druck nun nach, wenn auch nur halbwegs: er verhängte das Kriegsrecht, ließ die Regierung aber im Amt. Bei der Verlesung seines Befehls im Fernsehen war ihm der Widerwillen anzusehen. «Tut mir leid, aber ich kann nicht anders» - diesen Tenor vermittelte seine Körpersprache.

Für den Karrieresoldaten sind halbe Sachen eigentlich ungewöhnlich. «Prayuth ist bekannt für seine Streitlust, für seine Entschlossenheit und seine leidenschaftliche Abneigung gegen die Rothemden-Bewegung», schrieb die «Bangkok Post» bei seinem Amtsantritt im Oktober 2010. Wenn das stimmt, hat er sich in den vergangenen vier Jahren gut im Zaum gehalten.

Die Rothemden, das sind die Regierungsanhänger, die eine Seite der verfeindeten politischen Lager. Prayuth war an vorderster Front dabei, als die Armee im Frühjahr 2010 Proteste der Rothemden in Bangkok mit Gewalt beendete.

Nun ist die andere Seite auf der Straße, Regierungsgegner unter Anführer Suthep Thaugsuban. Prayuth hat zahlreichen Annäherungsversuchen von Suthep widerstanden. Unermüdlich ruft er beide Seiten auf, den politischen Konflikt selbst zu lösen. Anders als die «Bangkok Post» damals, beschrieb die Zeitung «Nation» ihn schon 2010 als «friedfertig und bedächtig».

Die Armee musste 2006 eine bittere Lektion lernen: Ein Putsch löst die tiefen politischen Probleme in Thailand nicht. Sie stürzte den damaligen Regierungschef Thaksin Shinawatra und installierte eine Technokratenregierung, die eine neue Verfassung ausarbeitete. Doch wählte das Volk ein Jahr später wieder Thaksin-Vertraute ins Amt. Thaksin hält im Exil bis heute die Fäden der Regierung in der Hand.

«Die Armee hat seit dem Coup viel gelernt, aber Prayuth muss dafür sorgen, dass sie ihre Neutralität nicht wieder verliert», sagt Panitan Wattanayagorn, Politologe der Chulalongkorn-Universität.

Prayuth hat seine ganze Karriere im Militär verbracht. Er studierte an der Militärakademie und war in jungen Jahren in der Leibwache der Königin. Ende September geht der 60-Jährige in den Ruhestand.

(Von Christiane Oelrich, dpa)
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