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EU-Referendum in Großbritannien: TV-Sender sehen Brexit-Lager als Sieger

Die Zeichen stehen auf Brexit: Die Menschen in Großbritannien haben sich allem Anschein nach für das Verlassen der Europäischen Union entschieden. Sie würden damit die EU in die schwerste Krise ihrer Geschichte stürzen - und ihr Land möglicherweise in ein jahrelanges Chaos.
Aus und vorbei: Der britische Premier David Cameron hat sich verspekuliert - die Briten nutzten die Chance zum EU-Austritt. Foto: Michael Kappeler Aus und vorbei: Der britische Premier David Cameron hat sich verspekuliert - die Briten nutzten die Chance zum EU-Austritt. Foto: Michael Kappeler
London. 

Das Brexit-Lager hat nach Berechnungen der Fernsehsender BBC und Sky News das EU-Referendum in Großbritannien gewonnen. Damit steht das Vereinigte Königreich vor einem Austritt aus der EU. Nach Auszählung von 310 der 382 Stimmbezirke führt die „Leave”-Kampagne mit fast einer Million Stimmen.

Entsetzen in Europa: Die Briten haben in einem weltweit beachteten Referendum der Europäischen Union die Kalte Schulter gezeigt und mehrheitlich wohl für den Austritt aus dem Bündnis votiert. Nach Auszählung von mehr als 320 der 382 Wahlbezirke am Freitagmorgen stimmten 51,6 Prozent der Wähler für das Verlassen der Gemeinschaft, 48,4 für den Verbleib. Die Fernsehsender BBC und Sky News sehen damit die Brexit-Kampagne um den früheren Londoner Bürgermeister Boris Johnson als Sieger.
Bereits 2005 hatten die Franzosen den Entwurf für eine EU-Verfassung scheitern lassen. Foto: Daniel Karmann
Hintergrund: Frühere europakritische Volksentscheide

Schon vor der Sorge vor einem Brexit haben europakritische Volksentscheide für Turbulenzen gesorgt. Beispiele:

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Zunächst war völlig unklar, was dieses Abstimmungsergebnis für die politische und wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens und der Europäischen Union bedeuten würde. Befürchtet wird eine Regierungskrise in Großbritannien. Das britische Pfund stürzte bereits am Morgen auf ein Rekordtief. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 72 Prozent.

Premierminister David Cameron dürfte noch am Vormittag vor seinem Amtssitz Downing Street 10 eine Erklärung abgeben. Er hatte das Referendum bereits 2013 vorgeschlagen - vor allem mit dem innenpolitischen Kalkül, EU-Kritiker in den eigenen Reihen ruhigzustellen.

Die Aussicht auf einen Brexit drückte das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Am frühen Freitagmorgen fiel die britische Währung erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,35 US-Dollar. In den ersten Handelsstunden des Tages hatte das Pfund wegen der Hoffnung auf einen Verbleib in der Europäischen Union zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet.

Der Ausgang des Votums hing bis zuletzt am seidenen Faden: Umfragen hatten ganz überwiegend ein Kopf-Kopf-Rennen vorausgesagt, zuletzt mit Vorsprung für das «Remain»-Lager. Allerdings gab es erhebliche Unsicherheitsfaktoren: Rund zehn Prozent der Wähler waren bis zuletzt unentschlossen, für welche Seite sie sich entscheiden sollten. 

Politiker aus der ganzen Welt, der Internationale Währungsfonds (IWF), Wirtschaftsverbände und Banker in London und in Festland-Europa hatten immer wieder vor dem Brexit gewarnt. Sie fürchteten im Falle eines Austritts globale Turbulenzen in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten. Auch deutsche Unternehmen waren besorgt.  

Innerhalb der EU ging nicht zuletzt die Sorge um, dass ein Brexit Austrittsbegehren auch in anderen Ländern der EU fördern könnte.

Insgesamt konnten rund 46,5 Millionen registrierte Wähler abstimmen. Trotz schlechten Wetters und Regens strömten die Menschen zu den Wahllokalen - zuweilen gab es lange Warteschlangen. Nach schweren Gewittern mussten im Südwesten Londons einige Wahllokale wegen Überflutung geschlossen und verlegt werden. 

Cameron hatte sich bereits bei der Stimmabgabe wortkarg gezeigt. «Guten Morgen» war das Einzige, was er sagte, als er gemeinsam mit seiner Ehefrau zur Wahlurne ging. Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei und einer der Wortführer im Brexitlager, sah sich als einer der ersten als Sieger.

Cameron hatte sich im Wahlkampf stark auf Warnungen vor massiven Einbußen im Falle eines Brexits konzentriert. Er drohte sogar damit, notfalls müssten Rentenkürzungen hingenommen werden.

Das Brexit-Lager bezeichnete solch düsteren Szenarien als Panikmache. Brexit-Wortführer Johnson argumentiert stattdessen, ein Austritt würde Londons Abhängigkeit von Brüssel beenden und dem Land seine Souveränität zurückgeben. Er sprach von einem «Unabhängigkeitstag» für Großbritannien. Außerdem gebe es innerhalb der Gemeinschaft keine Chance, die Einwanderung aus der EU zu begrenzen. Kritiker warfen Farage und Johnson dagegen vor, das Reizthema Migration zu missbrauchen, um Ängste in der Bevölkerung zu schüren. 

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