Breivik: "Ja, ich würde es wieder machen"

Von Theresa Münch und Ingo Bierschwale
Attentäter Breivik verhöhnt seine Opfer. Wirre Rechtfertigungen stellen die Nerven von Gericht und Zuschauern auf die Probe. Breivik sieht sich in einer Linie mit den Rechtsterroristen der deutsche NSU.
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Er brüstete sich der «spektakulärsten Operation eines militanten Nationalisten in Europa in diesem Jahrhundert» und prahlte mit seinen Attentaten, bei denen im vergangenen Sommer 77 Menschen in Oslo und einem Jugendcamp auf der Insel Utøya umkamen. Mehrfach unterbrach ihn die Richterin Wenche Elizabeth Arntzen und forderte ihn auf, sich zu mäßigen.

«Ja, ich würde das wieder machen», sagte der rechtsradikale Islamhasser am Dienstag. Seine Taten seien grausam gewesen und hätten viel Leid verursacht. Was jedoch wie Bedauern klingen könnte, hat in Breiviks wirrem Weltbild keinen Platz. Er habe gehandelt, um sein Land vor einem Bürgerkrieg zu bewahren, sagte der Attentäter und verlangt für sich einen Freispruch. «Das war Güte und nicht Bosheit, auch wenn die Methoden brutal waren.» Er habe nicht erwartet, den Tag seiner Attentate zu überleben. Es sei eine Selbstmord-Mission gewesen.

Irrer Vergleich

Schmerzhaft klangen die Worte des Angeklagten den tief getroffenen Angehörigen der Opfer in den Ohren. «Das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturismus arbeiteten», sagte Breivik zu seinem Massaker im Jugendcamp von Utøya, wo er kaltblütig 69 Teilnehmer getötet hatte. Als der 33-Jährige die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF mit der Hitlerjugend verglich, unterbrach ihn die Richterin.

In seiner Verteidigungsrede bezog sich Breivik auch auf die Zwickauer Terrorzelle NSU in Deutschland. Die Gegner von Einwanderung und Multikulturalismus hätten sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht frei äußern dürfen, sagte der 33-Jährige. «Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich, den Lasermann in Schweden und die NSU in Deutschland schufen.»

Der als «Lasermann» bekanntgewordene Schwede John Ausonius hatte von 1991 bis 1992 mit einer Schusswaffe Jagd auf dunkelhäutige Opfer gemacht. Er wurde wegen Mordes und neun Mordversuchen zu lebenslanger Haft verurteilt. In Deutschland war im vergangenen Jahr eine beispiellose Mordserie der Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgeflogen.

Angehörige der Opfer wandten sich während seines Vortrags per SMS an ihre Anwälte im Gerichtssaal. Breivik dürfe keine so große Bühne erhalten, sein Vortrag müsse gekürzt werden, forderten sie. Der Attentäter las mit ruhiger Stimme eine auf 13 Seiten vorbereitete Rede vor - eine Mischung aus Selbstrechtfertigung und wirren politischen Statements. Trotz Aufforderung seitens des Gerichts kürzte er sie nicht ab.

Richter und Staatsanwälte hörten mit versteinerter, ernster Miene zu. Vor dem Gefängnis habe er keine Angst, betonte Breivik. «Ich wurde in einem Gefängnis geboren und habe mein ganzes Leben in einem Gefängnis gelebt.» In Norwegen werde er gezwungen zuzusehen, wie seine eigene ethnische Gruppe zerstört werde.

Eklat zum Auftakt

Der zweite Prozesstag hatte mit einem Eklat begonnen: Einer der Laienrichter wurde wegen Befangenheit vom Prozess ausgeschlossen. Einen Tag nach den Anschlägen im vergangenen Jahr hatte er im sozialen Netzwerk Facebook die Meinung vertreten: «Die Todesstrafe ist das einzig Gerechte in diesem Fall!» Diese Reaktion könne «das Vertrauen in ihn als Richter schwächen», begründete das Gericht. An seine Stelle wurde ein Ersatzschöffe berufen.

Während der erste Prozesstag weltweit auf vielen Sendern live übertragen wurde, waren am Dienstag keine Kameras im Gerichtssaal zugelassen. Vor dem Prozess hatten Überlebende und Angehörige der Opfer kritisiert, Breivik werde eine öffentliche Bühne für seine menschenverachtenden Thesen gegeben.



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