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TV-Kritik: "100 Code": Mitunter lustlos

Von Zu Beginn zeigt die zwölfteilige Serie schon einige Schwächen. Aber die Idee dahinter ist trotzdem nicht schlecht.
Detective Tommy Conley (Dominic Monaghan, l.) vom NYPD folgt der Spur des Mörders von New York nach Stockholm und ist dort im Sondereinsatz, als Beobachter und Berater der Stockholmer Polizei tätig. Er wird dem Team des schwedischen Polizisten Mikael Eklund (Michael Nyqvist, r.) zugeteilt. Foto: Red Arrow Detective Tommy Conley (Dominic Monaghan, l.) vom NYPD folgt der Spur des Mörders von New York nach Stockholm und ist dort im Sondereinsatz, als Beobachter und Berater der Stockholmer Polizei tätig. Er wird dem Team des schwedischen Polizisten Mikael Eklund (Michael Nyqvist, r.) zugeteilt.
Gar nicht so einfach, sich im Krimi-Fach immer wieder was Neues einfallen zu lassen. Ein Polizist muss in einer für ihn ungewohnten Umgebung mit neuem Partner operieren? Kennt man aus "Coogans großer Bluff" bis "Red Heat". Die Polizisten können sich nicht leiden, müssen aber dennoch zusammenarbeiten? "Zwei stahlharte Profis" und Epigonen. Ein Polizist ist traumatisiert, weil ihm im Einsatz versehentlich ein Fehler unterlief? Das ist heutzutage jeder zweite Film-Ermittler, ob auf der Leinwand oder im TV.
 
So auch Detective Tommy Conley (Dominic Monaghan) aus New York. Er hat dort bei der Jagd auf einen Frauenmörder versehentlich seinen Partner erschossen. Seitdem kauft er von Dealern auf der Straße Drogen, die er zum Einschlafen benötigt. Auch in Stockholm, wo es ebenfalls Morde an jungen Frauen (um die 18 Jahre alt) gegeben hat. Alle Frauen sahen sich ähnlich. Polizist Mikael Eklund (Michael Nyqvist) wird zusammen mit Conley auf den Fall angesetzt, was ihm gar nicht gefällt: Der Witwer mit junger und kochfreudiger Tochter Hannah will zu einer privaten Sicherheitsfirma wechseln.

Lustlose Charakterisierung der Hauptfigur

So weit, so gut. Der rasante Beginn macht sich schon mal ganz gut. Allerdings lässt die Zugkraft nach, als Conley in Stockholm eintrifft. Der Polizist übergibt sich schon am Flughafen in einen Abfalleimer und später zeigt er sich als "bootskrank" und spuckt seinen Mageninhalt über die Reling. Und das bei ruhiger See und schneller Fahrt: nicht eben eine intelligente Art, jemanden zu charakterisieren. Mitunter gerät das sogar ärgerlich unglaubwürdig, wenn er sich beim Autofahren einen extrem gefährlichen Fehler leistet. Selbst bei einem traumatisierten Polizisten dürfte ein so stümperhaftes Verhalten reichlich dick aufgetragen sein.
 
Conleys anfängliche Geheimnistuerei gegenüber den schwedischen Kollegen ist nicht nachvollziehbar. Auch von den Dialogen hätte man sich mehr erwartet. Besser gelungen zeigt sich  Eklund, weil ihn Drehbuchautor und Regisseur Robert Moresco - u.a. Oscar-Preisträger für "L.A.Crash" – der die Geschichte aus einem Roman des irischen Autors Ken Bruen ("Jack Taylor") entwickelt hat, nicht so krampfhaft auf originell gedreht hat. Dass der Serienmörder nach einem bestimmten Muster und inspiriert von antiker Mythologie vorgeht, erinnert an den Killer in "Roter Drache", der sich mit einem Bild von William Blake identifiziert.
 
Aber trotz der anfänglichen Schwächen fesselt die Geschichte immer wieder auch durch gute Einfälle, die es lohnen, dranzubleiben. Der Fall gewinnt größere Dimensionen und führt zu einer ganzen Verbindung aus dem Darknet. Und Moresco hat zumindest nicht der Unsitte gehuldigt, den Filmanfang mit möglichst vielen Schnitten und Wackelkamera  in Szene zu setzen. Seine Regie erweist sich als ruhig und sicher. Die Serie besteht aus zwölf Teilen und wird bis zum 13. Dezember.  Sie läuft dabei innerhalb von "Nervenkitzel im Herbst", einer Filmreihe über Serienkiller.
 
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