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TV-Kritik: "21 Nächte mit Pattie": Nekrophilie in einer Komödie?

Von Caroline reist nach Südfrankreich, um ihre Mutter Zaza zu beerdigen. Die Begegnung mit Zazas schrägen Freunden verändert ihr Leben.
Caroline (Isabelle Carré)  reist zur Beerdigung ihrer Mutter nach Südfrankreich. In Jean (André Dussollier) glaubt sie einen berühmten Autor zu erkennen. Bildrechte
© 2015 Arena Films/Pyramide Productions/Conception Graphique/2016 Pathé Distribution Foto: (ARTE France) Caroline (Isabelle Carré) reist zur Beerdigung ihrer Mutter nach Südfrankreich. In Jean (André Dussollier) glaubt sie einen berühmten Autor zu erkennen. Bildrechte © 2015 Arena Films/Pyramide Productions/Conception Graphique/2016 Pathé Distribution

Auf den ersten Blick ist das ein entspannter Sommerfilm, aber zugleich auch weit mehr. In diesem Werk steht Caroline (Isabelle Carré)  im Mittelpunkt der Handlung: eine verheiratete Frau in den Vierzigern mit zwei Töchtern, die alleine nach Südfrankreich reist, um ihre verstorbene Mutter Zaza zu beerdigen. Da sie ihre Mutter kaum gekannt hat, geht Caroline deren Tod anfangs auch noch nicht wirklich nahe.

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Doch je länger sie in dem Haus lebt, das ihre Mutter bewohnte, umso mehr ändert sich die Situation. Ihre Mutter war zeitlebens überaus reise- und genussfreudig: Sie bewohnte zudem ein großes Haus, in dem sie oft und gerne Gäste beherbergte. Pattie (Karin Viard), eine Freundin ihrer Mutter, verstört Caroline: Überaus freizügig und mit vielen Details erzählt sie Caroline schon kurz nach dem Kennenlernen über ihre Sexabenteuer mit wechselnden Männern. 

Ein Schriftsteller mit makabrem Geheimnis

Dann verschwindet der Leichnam von Carolines Mutter aus dem Haus, wo er die ganze Zeit aufbewahrt wurde. Ein Mann namens Jean (André Dussollier) taucht auf, der mit Zaza offenbar sehr gut bekannt war. Caroline hält ihn für einen berühmten Schriftsteller. Allerdings hat Jean eine ganz besondere Schwäche. Der lokale Gendarm Pierre (Laurent Poitrenaux) liegt mit seiner makabren Vermutung über Zazas Verschwinden nicht weit von der Wahrheit.  

Es ist ein ziemlich bizarres Werk, das die Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu hier vorlegen. Anfänglich irritiert das höchst freizügige Geplauder Patties über Intimitäten, doch später ändert sich der Ton und der Film entwickelt sich zu einer höchst vielschichtigen Reflexion über Lebenslust in allen Facetten. Dabei halten die Larrieu-Brüder auch dank Isabelle Carré elegant den Tonfall einer leichten Komödie ein, ohne je ins Seichte und Unverbindliche abzugleiten.

Horrorfilm-Themen im Sommerfilm

Bemerkenswerterweise geht es dabei sogar um Nekrophilie und Inzest: Sicher sind das keine Themen, mit dem der durchschnittliche Zuschauer wirklich etwas anfangen kann. Aber mitunter muss man Filmemachern schon allein dafür Anerkennung zollen, dass sie sich an ein wirkliches schwieriges Gebiet herantrauen, und das auch noch auf dem Gebiet einer Komödie. Eigentlich verarbeiten das so direkt höchstens einmal Horrorfilmer wie Jörg Buttgereit mit seinen "Nekromantik"-Filmen.

Die Larrieu-Brüder zeigen allerdings nichts, deuten auch nur wenig an: Das Thema wird überwiegend verbal abgehandelt. Für einen Film ein schwieriger Ansatz. Dabei schafft es aber André Dussollier, seine Figur von Abstoßenden zu befreien und ihr trotz allem etwas Ambivalentes und sogar Anrührendes zu geben.  Beim Filmfestival von San Sebastián gewann "21 Nächte mit Pattie" den Jury-Preis für das beste Drehbuch. Sicher kein leichtes Werk, aber dennoch ein sehenswerter Film.

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