Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 13°C

TV-Kritik: "About a Girl“: Weltschmerz mit viel schwarzem Humor

Von Wie ein Film über ein lebensmüdes Mädchen hier in eine schön böse Komödie mündet: Ein gelungenes Beispiel für ein in Deutschland seltenes Genre.
Charleen (Jasna Fritzi Bauer) und Linus (Sandro Lohmann) fordern das Schicksal heraus und finden zueinander. Foto: (BR/Bildarchiv) Charleen (Jasna Fritzi Bauer) und Linus (Sandro Lohmann) fordern das Schicksal heraus und finden zueinander.
Erwachsenwerden ist oft schwer, wer wüsste das nicht? Kein Wunder, Erwachsene sind ja auch so unendlich peinlich. So wie Sabine (Heike Makatsch), die Mutter von Charleen (Jasna Fritzi Bauer): Sie vertickt Waren, die sie billig kauft, im Internet. Ihr Vater hat der Familie längst den Rücken gekehrt, und ihr Biolehrer ist der Freund ihrer Mutter. So steigt denn Charleen mal eben so mit einem Fön in die Badewanne.
 
Und wacht im Krankenhaus wieder auf: Durch einen Anruf ihrer besten Freundin Isa (Amelie Plaas-Link) fiel rechtzeitig aus der Wanne. Und muss die geballte Liebe, Fürsorge und Betreuung über sich ergehen lassen, mit denen man als gescheiterter Selbstmörder eben zu tun bekommt. Darf aber auch das Leben mal aus anderer Perspektive betrachten und die erste Liebe finden.

Schwieriges Komödienthema

 
Ein schwieriges Thema hat sich Regisseur Mark Mohnheim (auch Drehbuch-Mitautor) da herausgesucht. Erwachsenwerden, Identitätskrisen, Überforderung, Selbstmordversuch: So was kann man als bleischweren Selbstfindungstrip mit erhobenem Zeigefinger inszenieren oder als Komödie. Mohnheim hat sich für den zweiten Weg entschieden und das auch ganz ordentlich hinbekommen.
 
Filmzitate von Woody Allens bestem Film "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ bis "Harold und Maude" hat Mohnheim intelligent und mit neuen Drehs versehen in die Handlung eingebaut. Dass der Film bisweilen etwas unentschlossen scheint, welche Art Komödie er erzählen will, manches holprig erscheint und nicht alles psychologisch plausibel rüberkommt, würde man einem anderen Film als Schwäche ankreiden.

Makaber und gut gespielt

 
Hier aber wirkt es im Gegenteil eher als Stärke, weil Mohnheim sich dadurch auch intensiv auf seine Hauptfigur einlassen kann. Er erfasst das Thema mit Witz, ohne es auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Stimmungsschwankungen der Hauptfigur, das Tasten zwischen zwischen Suche nach Nähe und Peinlich-Finden bewirkt hier einen erheblichen Sog in die Geschichte. Das gilt auch für den besonders in den Dialogen zwischen grellem Witz und leiser Melancholie pendelnden Erzählton.

Es ist ein Erzählton, der viel Platz lässt für Zwischentöne und eigene Interpretationen. Schwarzer Humor kommt dabei nicht zu kurz. Mohnheim hat viele Szenen geschaffen, die mit ihrer pointierten und entsprechend knackig gefilmten und geschnittenen Komik lange haften bleiben, wenn etwa Mutter Sabine bei Charleens Rückkehr aus dem Krankenhaus hektisch alles beseitigt, was für einen erneuten Suizid taugen könnte. Oder Charleens Zimmer mit Bildern toter Rockstars geschmückt ist.
 
Auch bei der Besetzung hat Mohnheim eine glückliche Hand bewiesen: Heike Makatsch als besorgte Mutter macht sich ebenso gut in ihrer Rolle wie Jasni Fritzi Bauer als rebellischer Teenager. Für die richtige Stimmung sorgt dabei eine gut gewählte Musik bis in den Titel: „About a Girl“ ist nach dem gleichnamigen Lied von Nirvana benannt.

Den ganzen Film gibt es hier
 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse