Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 13°C

TV-Kritik: "Aida": Netrebkos glanzvolles Debüt

Von Erstmals sang Star-Sopranistin Anna Netrebko Verdis tragische Königstochter. Die Modernisierung bekam dem klassischen Stoff weniger gut.
Stimmgewaltig in allen Registern – so präsentierte sich Anna Netrebko dem Salzburger Publikum als Königstochter Aida. Foto: APA Stimmgewaltig in allen Registern – so präsentierte sich Anna Netrebko dem Salzburger Publikum als Königstochter Aida.
Es sind Namen und Begriffe, die selbst musikalische Laien vor den Bildschirm locken: Anna Netrebko, momentan die wohl meistgefeierte Sopranistin der Welt, gab ihr Debüt als Aida. Verdis tragische Heldin, eine Tochter des Königs von Äthiopien, lebt als Sklavin am ägyptischen Hof und wird zwischen der Treue zu ihrem Volk und der Liebe zum ägyptischen Feldherrn Radamès zerrieben. Am Ende stirbt sie mit ihm lebendig eingemauert von Priestern, die ihn des Landesverrats beschuldigen: eine perfekte Mischung aus Geschichtsromanze und Gesellschaftskritik seit der Uraufführung vor fast 150 Jahren.
 
Und eine perfekte Rolle für die Netrebko. Die Russin leuchtet mit gekonnt eingesetzter Stimmschattierung jede Facette ihrer hin- und hergerissenen Königstochter aus und zeigte sich durchgehend in Hochform. Ihr durchaus ebenbürtig brillierte Jekaterina Sementschuk als Rivalin und Freundin Amneris – eine Rolle, die sie bereits an der Mailänder Skala, in Verona, Berlin und San Francisco gegeben hatte. Intendant Markus Hinterhäuser, im vergangenen Jahr berufen, hatte in diesem Punkt auf Nummer Sicher gesetzt und eine ausgezeichnete Wahl getroffen.

Die Regie hielt nicht mit

Dass der Tenor Francesco Meli als Radamès mit diesem Super-Duo nicht ganz mithalten konnte, erscheint verzeihlich. Speziell in höheren Tonlagen vermisste man bei ihm die nötige Klarheit in der Stimme. Luca Salsi bot als Aidas Vater Amonasro ähnlich wie Roberto Tagliavini als König und Dmitry Belosselskiy als Oberpriester Ramfis hauptsächlich kraftvoll getönte Routine.

Sendung verpasst? Jetzt online in der Arte-Mediathek ansehen!

Eher schwach im Vergleich zur Akustik: Die Regie der Iranerin Shirin Neshat. Dabei hatte sich die Videokünstlerin und Filmemacherin, die sich mit "Aida" jetzt erstmals an einen Opernstoff wagte, allerhand vorgenommen: Zur Kritik an religiösem Fundamentalismus und Darstellung des Krieges als Instrument der Machtausübung kam laut eigenen Worten auch ihre Beziehung zu der weiblichen Hauptfigur, in der Neshat ihre eigene Lebenswelt wiedergespiegelt sieht.

Neshat hat letztmalig im Jahr 1996 iranischen Boden betreten, was es ihr sicher leichtmacht, sich mit der weit von ihrer Heimat lebenden Hauptfigur aus Verdis Oper zu identifizieren. Zu all dem kam noch der Wunsch, den Historienstoff einmal ohne Elefanten und Pyramiden in Szene zu setzen. Konnte das funktionieren bei einer Oper, die geradezu nach einer Hollywood-Szenerie wie aus "Land der Pharaonen" oder "Die zehn Gebote" schreit?

Statisch und schmucklos

Was Shirin Neshat auf die Bühne brachte, sah im Wesentlichen nach Anti-Inszenierung gegenüber dem Mailänder Pomp aus. Monumentale, aber schmucklose Kulissen in überdimensionaler Schachtes-Optik und ein statisches Bühnenbild mit  einer zuvor abgefilmten und auf die Bühne projizierten Flüchtlingsgruppe als Zwischenspiel, dazu kamen Uniformen statt historische Kostüme und Priester im Gewand christlich-orthodoxer Geistlicher.

Das alles wirkte streng minimalistisch, weckte aber nicht eben den Eindruck eines schlüssigen und durchdachten Konzepts. Ungewohnt und irgendwie anders, aber deswegen noch lange nicht wirklich überzeugend. Der Dramatik der Handlung wurde die Inszenierung nicht gerecht. Immerhin: Wenn Dirigent Riccardo Muti eine Aufführung wollte, in der möglichst wenig von den gesanglichen Leistungen ablenkte, hat Neshat ins Schwarze getroffen.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse