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TV-Kritik: "Alles auf eine Karte": Ein beachtlicher Versuch

Von Ein neues deutsch-französisches Krimi-Team geht "Über die Grenze" auf die Jagd. Und schon der erste von bisher zwei gedrehten Fällen macht Lust auf mehr.
Die Geiselnehmer Danne und Milou (Sebastian Hülk und Rick Okon) wollen feiern und Leni (Anke Retzlaff) macht mit, beim Bier, beim Koks. Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Die Geiselnehmer Danne und Milou (Sebastian Hülk und Rick Okon) wollen feiern und Leni (Anke Retzlaff) macht mit, beim Bier, beim Koks.

Seien wir ehrlich: So richtig vom Hocker reißen wollen viele der Regionalkrimis nicht. Bisher funktionierten nur die Bozen-Krimis und die leider nur zweiteilige Urbino-Krimireihe, letztere durch ihren Humor. Aber der Rest dümpelt eher vor sich hin. Zeit für Abwechslung, fanden die Verantwortlichen bei der ARD-Tochter Degeto wohl. Deswegen kommt jetzt "Über die Grenze", ein Zweiteiler mit realem Hintergrund: Im Jahr 1999 entstand mit dem GZ, dem gemeinsamen Zentrum der deutsch-französischen Polizei- und Zollzusammenarbeit, die erste formelle grenzüberschreitende Sicherheitskooperation in Europa.

Um Zusammenarbeit dreht es sich auch schon im ersten Fall "Alles auf eine Karte". Steffen Herold (Thomas Sarbacher),Leiter einer Polizeieinheit, hat seiner Tochter Leni (Anke Retzlaff) dort einen Platz verschafft, zum besser auf sie aufpassen zu können. Sie hat sich immer überschätzt, wird er später seinem Freund und Kollegen Yves Kléber (Philippe Caroit) erzählen, und auf jede heiße Herdplatte gelangt.

Die Fahnder überwachen zwei Kriminelle, Danne Marquardt (Sebastian Hülk) und Milou Jangy (Rick Okon). Die beiden wollen eine Bank überfallen, die Polizei liegt schon auf der Lauer. Doch dann wird einer misstrauisch und sie überfallen ein Wettbüro. Leni, die gerade im Laden einen Schein einlöst, kann ihren Vater informieren. Doch als das SEK eintrifft, kassiert ein Polizist einen Kopfschuss und Leni wird als Geisel genommen. Macht der verzweifelte Vater jetzt große Fehler?

Nicht wirklich logisch, aber spannend

Die Geisel-Geschichte kann über lange Zeit fesseln, weil es zu vielen spannenden Situationen kommt. Wobei man an die Logik der Geschichte sicher keine allzu hohen Ansprüche stellen sollte: Wenn Leni im bunten Rock loszieht, um sich am Gangsterauto zu schaffen zu machen und der Vater schon zu diesem Zeitpunkt als Leiter nicht die Autorität besitzt, einen so gefährlichen Einsatz einem erfahrenen Polizisten anzuvertrauen, wirkt das schon ein wenig bemüht.  

Regisseur Michael Rowitz hat allerdings einen richtig guten Job gemacht. Mit der Kamera meist dicht am Geschehen und auf maximale Dynamik setzend, holt er immer wieder beklemmend spannende Szenen aus der Geschichte heraus. Und das Drehbuch setzt immer wieder darauf, Vater wie Tochter in maximale Schwierigkeiten zu bringen. Was besonders gut funktioniert, wenn Steffen Herold sogar gegen eine Kollegin die Waffe zieht.

Ein Regisseur in Hochform

Wie Rowitz hier immer wieder maximalen Thrill erzielt, zeigt, wie gut er sein Handwerk versteht. Da stört es gewiss nicht, dass sich die Autoren einige Anleihen bei Kommissarin Heller vom ZDF genommen haben: In "Schattenriss" gibt es einige Parallelen zu diesem Film. Und auch wenn "Alles auf eine Karte" gegen Ende etwas die Puste ausgeht: Sebastian Hülk und Rick Okon funktionieren grandios in ihren Rollen.

Und Anke Retzlaff erst recht. Wie sie die Facetten ihrer Figur vom vorlauten Nesthäkchen bis zum Opfer brutaler Gewalt weniger spielt als vielmehr durchlebt, hilft auch über die schwächeren Momente des Films hinweg. Gleiches gilt für Thomas Sarbacher, der als Vater kurz vorm Amoklauf ebenfalls restlos überzeugt. Der ganz große Wurf ist der Film zwar nicht geworden, aber doch ein beachtlicher Versuch, endlich am Donnerstag mal wieder einen richtigen Krimi zu zeigen.

In "Gesetzlos" nächste Woche geht es weiter.Da klärt sich wohl auch auf, welches Geheimnis Steffen Herold mit Yves Kléber verbindet. Aber schon jetzt hätte man gerne mehr von diesem Team und diesen Schauspielern.
 

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