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TV-Kritik: „Alles inklusive“: Gequält witzig

Von Der Film hat interessante Themen, verschenkt sie aber immer wieder zugunsten lahmer Witze und halbgarer Ideen.
Apple (Nadja Uhl) und Ingrid (Hannelore Elsner) sind Mutter und Tochter. Das Verhältnis der Tochter zu ihrer Mutter ist mehr als schwierig. Foto: BR/Olga Film GmbH/Mathias Bothor Apple (Nadja Uhl) und Ingrid (Hannelore Elsner) sind Mutter und Tochter. Das Verhältnis der Tochter zu ihrer Mutter ist mehr als schwierig.
Die 68er sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Freie Liebe, hipp sein, cool sei – und wer bezahlte den Preis dafür? Die Kinder, wenn es nach Doris Dörries Film „Alles Inklusive“ geht. So eine wie Apple (Nadja Uhl), deren Mutter Ingrid (Hannelore Elsner) einst vor über 30 Jahren am Strand von Torremolinos im Süden Spaniens ein lustiges Hippie-Leben führte. Oder zumindest das, was sie dafür hielt. Die Tochter war oft genug Zeugin davon.
 
Jetzt ist Ingrid wieder zu dem Ort zurückgekehrt, in dem sie ihre Träume lebte. Die für andere zum Alptraum wurden:  Nämlich für Tim (Hinnerk Schönemann), mit dessen Vater mit Ingrid eine Affäre hatte. Mit der Folge, dass sich dessen Mutter das Leben nahm. Und sie trifft Tim wieder: Der trägt jetzt Perücke, schminkt sich, nennt sich Tina und arbeitet als Animateurin und Fußpflegerin. Und erkennt in Ingrid, deren Zehennägel er lackiert, auch die Frau wieder, die seinen Alptraum verursachte.
 

Dorris Dörrie drehte nach ihrem Roman

 
Währenddessen kämpft Apple daheim mit ihrer eigenen Vergangenheit und besonders immer noch mit den Männern, mit denen sie Pech hatte. Und will mit Dr. Fellborn (Fabian Hinrichs), der ihre Bulldogge operiert hat, ein Verhältnis beginnen. Aber nicht nur ihre Vergangenheit erweist sich bei ihren Versuchen immer wieder als Hindernis. Leider hat nicht nur sie ein Hindernis, sondern auch der ganze Film: Es gibt Streifen, da greift man sich nur noch an den Kopf. So wie der hier: Eigentlich hat sich nämlich Dorris Dörrie – die den Film nach ihrem eigenen gleichnamigen Roman gedreht hat - hier eine recht schöne Geschichte ausgedacht.

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Die Themen des Films wecken nämlich schon gewisse Erwartungen, besonders bei der Besetzung: Eine gealterte Schönheit, die sich ihrer Vergangenheit stellen muss, das Zusammentreffen von Wunsch und Wirklichkeit, das Bewusstwerden der eigenen Endlichkeit, nachdem der jüngere Mann (Axel Prahl), dessen Bekanntschaft sie gemacht hat, abgereist ist. „Kühl wie im Grab“ wird ihr eine Unterkunft angepriesen, „und schaun’s, da sehn's den Himmel“.

 
Von gut bis peinlich

 
Da gibt es viele gute Ideen – aber leider auch etliche richtig peinliche Momente und  gequälten Witz. Dazu kommt fehlendes Gespür für die durchaus spannenden Eigenarten der Figuren: die verschwinden jedoch immer wieder hinter den bemüht lustigen Einfällen, die in ihrer Albernheit mit der Zeit wirklich nerven. Das ist auch deshalb so schade, weil Dörrie schon mit ihren Schauspielern hier ein gutes Händchen bewiesen hat. So mit Nadja Uhl, die die neurotisch-überdrehte Tochter einfach hinreißend spielt.
 
Aber immer wieder schwankt der Film unentschlossen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und ebenso zwischen Drama und Komödie. Er schafft es aber nicht, diese beiden Ebenen wirklich zu verbinden. Immer wieder wirken viele Szenen und Handlungsabschnitte, als wäre Dörrie einfach nichts Besseres eingefallen. Dazu ist der Film zu lang. Es fehlt am richtigen Rhythmus, an Stringenz und noch an einigem mehr. Es tut fast weh, mitanzusehen, wie Doris Dörrie hier ihre guten Ideen versenkt. Am Ende kommt man deswegen zu dem Schluss, dass auch Dörrie nicht mehr ist, was sie einmal war.
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