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TV-Kritik: "Alles was Sie sagen": Das große Ass im Ärmel

Von Kommissar Thorsten Falke und seine Kollegin sollen helfen, eine verzwickte Situation aufzuklären. Und betreiben dabei ein wunderbar hinterhältiges Spiel.
Falke (Wotan Wilke Möhring, 2. V.r.) und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) setzen Ibrahim Al-Shabaan (Marwan Moussa,l.) unter Druck. Foto: (NDR Presse und Information) Falke (Wotan Wilke Möhring, 2. V.r.) und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) setzen Ibrahim Al-Shabaan (Marwan Moussa,l.) unter Druck.

Wie sich die Szenarien doch ähneln: Es gibt jeweils einen Polizist und eine Frauenleiche zum Auftakt, ein Polizistenduo, wo jemand lange zurückreichende erotische Verbindungen in die Vergangenheit hat und eine überraschende Auflösung, wo ein Vertreter des Gesetzes eine unerwartete Seite offenbart.  So beim ZDF-Samstagskrimi "Marie Brand und der schwarze Tag" wie auch beim "Tatort" am Sonntag darauf.

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Und dennoch funktionieren die beiden Geschichten völlig unterschiedlich. Es beginnt mit einem nächtlichen Polizeieinsatz in einer alten Fabrik. Das Einsatzteam der Lüneburger Polizei weiß aber offenbar nicht, dass Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz) vor Ort sind. Sie reagieren bei einer Begegnung mit Grosz hochgradig aufgeregt. Dann knallen Schüsse. Eine Frau wurde getroffen. Über ihr: Thorsten Falke mit gezogener Dienstwaffe.

Kriegsverbrecher als Vorzeigeflüchtling?

Szenenwechsel.  Falke und Grosz werden von Kriminalrat Joachim Rehberg (Jörn Knebel) zum Fall vernommen. Alles begann damit, dass die beiden die Identität eines Flüchtlings überprüfen sollten. Bei Tarek Salem (Youssef Maghrebi) könnte es sich um Abbas Khaled handeln, der als Mitglied einer brutalen Miliz im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon an Plünderungen und Massakern beteiligt war.

Jetzt lebt Salem zusammen mit seiner Frau Alima (Sabrina Amali) als Vorzeigeflüchtling in Lüneburg. Und das so gut integriert, dass er sogar in Flüchtlingsklassen Deutsch unterrichtet. Als aber Falke und Grosz seine Identität überprüfen wollen, ergreift er die Flucht und entkommt, obwohl Polizisten aus Lüneburg die Schule umstellt haben. Der wütende Falke faltet Einsatzleiter Olaf Spieß (Marc Rissmann) nach allen Regeln der Kunst zusammen.

Und dann fällt ihm auf, dass seine Kollegin Spieß offenbar sehr gut kennt. Immer stärker rückt Rehberg Falke und Grosz in getrennten Vernehmungen auf die Pelle. Es sieht danach aus, als würde zumindest einer der beiden nicht die Wahrheit sagen. Aber auch die anderen beteiligten an dem Fall offenbaren immer wieder neue Überraschungen. So sind Salem und Alima kein Paar und Lehrer Stefan Hansen (Moritz Grove) unterhielt zu Salem eine ganz besondere Beziehung.

Dieser Schluss ist Spitzenklasse

Es ist ein höchst komplexes und dennoch ziemlich spannendes Zusammenspiel aus Verhörszenen, Rückblenden und kleinen Dramen, das sich die Autoren Arne Nölting und Jan Martin Scharf hier ausgedacht haben. Eine Geschichte um Flüchtlingselend, von dem auch ein Großdealer wie Ibrahim Al-Shabaan (Marwan Moussa) profitiert. Dass dabei nicht alles in Sachen Logik wirklich zusammenpasst, lässt sich verschmerzen: Die Autoren haben sich ständig neue Wendungen und Überraschungen ausgedacht, um die Zuschauer bei der Stange zu halten.

Und dabei Figuren ersonnen, die dem Zuschauer auch schnell ans Herz wachsen wie das schwule Liebespaar. Am Ende ist es aber besonders die Pointe, die nur wenige Minuten vor Abspann auf den Tisch geknallt wird, die diesen "Tatort" zum bisher besten Krimi von Kommissar Thorsten Falke macht. Und Parallelen zu "Stau" aufweist, dem bisher vorletzten "Tatort" aus Stuttgart: Auch der hatte nämlich eine besonders feine Schlusspointe.

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