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TV-Kritik: "Allmen und das Geheimnis der Libellen": Stil ohne Substanz

Von Die neue ARD-Krimireihe versucht sich am Genre der eleganten Komödie. Das Ergebnis wirkt aber eher verkrampft.
Völlig pleite! Johann Friedrich von Allmen (Heino Ferch) und Butler Carlos (Samuel Finzi) überlegen, wie es weitergehen soll. Foto: ARD Degeto/Hardy Brackmann Völlig pleite! Johann Friedrich von Allmen (Heino Ferch) und Butler Carlos (Samuel Finzi) überlegen, wie es weitergehen soll.
Stil hat er ja, dieser Johann Friedrich von Allmen (Heino Ferch). Wie er ganz lässig sein letztes Geld im Casino setzt, ängstlich beäugt von seinem Diener Carlos (Samuel Finzi). Und später, nachdem er eine alte Vase versetzt hat, einen Teil des Geldes schon wieder für einen neuen Anzug aus extrafeinem Stoff hergibt. Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter hat ihn erfunden und zum Helden von bisher vier Romanen gemacht.

Der elegante Lebemann und Hochstapler mit einer Vorliebe für Edles, Feines und vor allem Teures ist quasi der perfekte Antityp zum ungepflegten Proll-Kommissar mit Parka Marke "Tatort", den die ARD sonst vor allem mit Kommissar Faber in den Beiträgen aus Dortmund so hingebungsvoll zelebriert. So viel Stil kann natürlich nur pflegen, wer genug Geld hat oder zumindest so tut, als hätte er es. Allmen vergisst seine guten Umgangsformen nur selten. Und selbst wenn, tut er das immer noch mit Stil.

Vorbilder bei Mann und Simmel

Etwa, wenn er eine Affäre mit der Millionärstochter Jojo Hirt (Andrea Osvárt) dazu nutzt, in einem fremden Haus kostbaren Nippes mitgehen zu lassen – die "Libellen" aus dem Titel.Daraus entwickelt sich dann eine Geschichte, in deren Verlauf Allmen eine neue Geschäftsidee entwickelt: eine Firma zur Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Allmens Vorbilder sind schnell gefunden: Ein wenig Felix Krull, angereichert mit Johannes Maria Simmels Thomas Lieven aus "Es muss nicht immer Kaviar sein".

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Und natürlich der von David Niven verkörperte Sir Charles Lytton im Film "Der rosarote Panther" von Blake Edwards. Das sich die Macher der Suter-Verfilmung vor allem letzteren Film zum Vorbild genommen haben, ist nicht zu übersehen und zu überhören: Die Musik, die Fabian Römer zu "Allmen" komponiert hat, erinnert schon stark an die Klänge von Henri Mancini. Mit dem Film von Edwards besitzt der erste "Allmen"-Film aber auch andere und weniger wünschenswerte  Gemeinsamkeiten: so eine gewisse Substanzlosigkeit und einige Längen.

Wozu das blöde Haarteil?

Die Geschichte ist kaum der Rede wert und viele Dialoge klingen eher gestelzt als geistreich. Allmens ständige Kommentare aus dem Off fangen deswegen bald an zu nerven. Dass Ferch sich in der Rolle gelegentlich an den Zuschauer wendet und direkt in die Kamera spricht, verstärkt die Distanz zur Handlung zusätzlich. Wobei der Schauspieler hier ohnehin unter Wert verkauft wird: Dieses schmerzhaft blödsinnige Toupet hätte Ferch gewiss nicht gebraucht und schon gar nicht muss er ständig qualmen, um lässig zu werden.  

Das Genre der eleganten Krimi-Komödie hat noch andere Vorbilder wie Hitchcocks "Über den Dächern von Nizza" oder Stanley Donens "Charade" und "Arabeske". Der diesen Vorbildern entsprechende Mix aus Spannung und Witz ist den Machern hier nicht gelungen. Überzeugen kann nur die Musik und die üppige Dekoration. Nächsten Samstag geht es weiter mit "Allmen und das Geheimnis des rosa Diamanten".
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