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TV-Kritik: "Alte Freunde": Der Krimi hat’s hier schwer

Von Der vierte Tel Aviv-Krimi enthält viele Aussagen zur israelischen Militär- und Flüchtlingspolitik. Thriller-Freunde dürften vom Ergebnis nicht allzu begeistert sein.
Sara Stein (Katharina Lorenz) und ihr undurchsichtiger Partner Blok (Samuel Finzi) ermittelt am Strand von Tel Aviv. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Sara Stein (Katharina Lorenz) und ihr undurchsichtiger Partner Blok (Samuel Finzi) ermittelt am Strand von Tel Aviv.

Wenn eine Krimi-Serie sich Israel zum Schauplatz nimmt und wie die Lokalkrimis am Donnerstag auch den Ehrgeiz mitbringt, Geschichten aus der Region zu erzählen, wird es gleichermaßen hochemotional wie politisch. Das zeigte sich schon letzte Woche im dritten Tel Aviv-Krimi "Masada", in dem Michael Degen einen Shoa-Überlebenden verkörperte und der legendäre Massenselbstmord der Besatzung Masadas im Ersten Jüdischen Krieg angesichts der römischen Belagerung sich zum Auslöser eines handfesten Familiendramas entwickelte.

Dass bei alldem deutsch-israelische Befindlichkeiten eine wichtige Rolle spielen, sowohl offen vorgetragen als auch im Subtext und in der Interpretation der Zuschauer, ist unvermeidlich und erfordert von den Machern ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Deswegen beginnt "Alte Freunde" auch passenderweise mit dem Jom haScho'a, dem israelischen Gedenktag an die Opfer des Holocausts, bevor sich der Film näher mit der militärischen und politischen Situation des modernen Israels auseinandersetzt.
 

Die Hand am Strand

Es beginnt mit einer abgetrennten Hand, die am Strand aufgefunden wird und einem linken Menschenrechtsaktivisten gehörte. Der junge Mann kümmerte sich auch intensiv um Flüchtlinge, die in Israel kein Bleiberecht besitzen. Als Kommissarin Sarah Stein (Katharina Lorenz) das Schicksal des jungen Mannes aufklären will, erfährt sie auch viel über die Vergangenheit ihres Kollegen Inspektor Jakoov Blok (Samuel Finzi) und ihres Ehemannes David (Itay Tiran).

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Vergangenes spielt überhaupt eine wichtige Rolle im vierten Tel Aviv-Krimi. Man erlebt Blok bei einem feuchtfröhlichen Gelage mit alten Kameraden vom Militär und erlebt Männer, an denen Krieg und Töten erhebliche Traumata hinterlassen hat. Diese psychologische Begründung von Kriminalität ist zwar schon so alt wie der Kriminalroman selbst – schon die Titelfigur aus Armitage Trails Roman "Scarface" erhielt den letzten Schliff als Killer im Ersten Weltkrieg – dürfte aber auch der Realität entsprechen.

Das Ergebnis ermüdet nur

Bloks männerbündische Freundschaften und Verwicklungen versprechen aber erheblich mehr Spannung, als der Film einlöst. Denn so lobenswert der Ehrgeiz auch ist, der Situation Israels insgesamt dabei gerecht zu werden: Die oft bis ins Detail ausgeführten Erinnerungen und wortreichen Interpretationen der Figuren des Films stehen einer an Spannung orientierten Erzählweise diametral entgegen. Der Krimi wird im Handlungsverlauf immer zäher. Wirklich spannende Situationen sind Mangelware.

Dazu gesellen sich immer wieder auch unglaubwürdige Szenen: so etwa am Ende, wo sich ein Fiesling provozierend selbstbewusst verhält, obwohl er sich einer auf ihn gerichteten Waffe gegenüber sieht. Auch die Regie hinterlässt nicht den Eindruck, als habe sie sich von der Geschichte sonderlich inspirieren lassen. Für Krimi-Freunde ist die schwerfällige und weitschweifige Episode deswegen keine Empfehlung.

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