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TV-Kritik: "Angst heiligt die Mittel": Reichlich holprig

Von Unglaubwürdig, aber kein Rohrkrepierer: Warum der "Polizeiruf 110" trotz gewaltiger Logiklöcher noch einigermaßen funktioniert.
Foto: (NDR Presse und Information)
"Buschi, Besuch!" Die beiden vorbestraften Sexverbrecher Kukulies ( Markus John), ein brutaler Vergewaltiger und der pädophile Buschke (Maciej Sakanib) haben sich im Gefängnis kennengelernt. Nun wohnen sie in einem kleinen Dorf Buschkes Haus zusammen. Als die Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) bei dem Duo aufkreuzt, geht es darum, den scheinbaren Sexualmord an einer Obdachlosen aufzuklären. Spuren am Tatort deuten auf Kukulies als Täter, aber es gibt Gründe, an dessen Täterschaft zu zweifeln. Die beiden Ex-Knackis sind der Dorfgemeinschaft ein Dorn im Auge.
 
Bald finden die Fahnder Buschke erhängt auf, während Kukulies spurlos verschwunden ist. Was die Polizisten nicht wissen: Einige Dörfler, angeführt von Heiner Bockmann (Markus Gertgen), Inhaber einer Kfz-Werkstatt, haben Kukulies festgesetzt und wollen ihr Mütchen an ihm kühlen. Doch dann bekommt Kukulies einen Jungen in die Gewalt. Der "Polizeiruf 110" versucht sich am schwierigen Thema Selbstjustiz, wofür sich hier aber nicht ein Einzeltäter, sondern eine verschworene  Dorfgemeinschaft verantwortlich zeigt.
 

Komplizierter Racheplan

 
Überzeugen will das Ergebnis nicht. Schon alleine der Racheplan gegen Kukulies – ihn erst durch Durst zu quälen und ihn anschließend zu versenden – mutet grotesk an: Kukulies hätte so problemlos wieder zurückkommen und gegen seine Peiniger aussagen können. Dazu halten sie es nicht einmal für nötig, ihn rund um die Uhr zu bewachen. Noch heftiger sind die Logiklöcher, wenn es um Kukulies Verhalten selbst geht. So will der Verbrecher einen Jungen, den er als Geisel genommen hat, vor Kinderschändern beschützen.
 
Dann aber vergewaltigt er fast Kommissarin König. Kukulies sollte natürlich auf diese Weise als ambivalenter Charakter erscheinen, aber eine so holprige und grobschlächtige Zeichnung erscheint am Ende reichlich unglaubwürdig. Hinter dem überragenden "Tatort"-Krimi "Ihr werdet gerichtet", in dem es ebenfalls um Selbstjustiz ging, hinkt der "Polizeiruf 110" meilenweit hinterher. Dennoch entwickelt sich die Geschichte nicht zum totalen Reinfall. Regisseur Christan von Castelberg hat es nämlich geschafft, aus der Handlung noch etliche spannende und mitreißend inszenierte Szenen zu entwickeln.
 

Gelungene Filmmusik

 
Die Schauspieler funktionieren sehr gut. Auch die unheilschwangere Musik macht sich positiv bemerkbar, obwohl sie  mitunter mehr Spannung verspricht, als der Film halten kann. Für etwas Emotion sorgen Auftritte von Buschkes Mutter, die ihren Sohn verteidigen will, und der angedeutete Weggang von Katrin König als Fallanalytikerin nach Berlin. Verschwindet Anneke Kim Sarnau aus der Reihe? Künftige Episoden werden es klären.
 
Den „Polizeiruf“-Krimi hat die ARD kurzfristig als Ersatz für den "Tatort"-Film "Sturm" ins Programm genommen. In „Sturm“ mit dem Dortmunder Team Team Faber, Bönisch, Dalay und Kossik ging es um einen Terror-Anschlag, der erhebliche Parallelen zum Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 aufweist.
 
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